Rund 60 afghanische Ortskräfte und ihre Angehörigen sind in Brandenburg angekommen. Zwei Busse aus Frankfurt/Main trafen am Freitagmorgen in der Erstaufnahme in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) ein. Die ursprünglich für Donnerstagabend geplante Ankunft hatte sich wegen der Registrierung der Menschen erheblich verzögert.
Die Afghanen, darunter mehrere Kinder, wurden zunächst mit Essen und Trinken sowie medizinisch versorgt. Sie müssen drei Tage in Quarantäne und sollen voraussichtlich bis Dienstag in Doberlug-Kirchhain bleiben. Dann könnten sie auch in andere Bundesländer verteilt werden.
Afghanistan-Rettungsflieger A400M wurde 2012 in Cottbus-Drewitz getestet

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Afghanen bleiben bis Dienstag in Doberlug-Kirchhain

Die Menschen wurden im Rahmen der Rettungsaktion der Bundeswehr nach der schnellen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban aus Afghanistan ausgeflogen. Brandenburg hatte dem Bund wie andere Bundesländer die Aufnahmebereitschaft für die Erstversorgung signalisiert.
Der Sprecher des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Jochen Hövekenmeier, sagte: „Es ist wichtig, dass wir diesen Menschen jetzt Schutz bieten und sie erst einmal in Ruhe ankommen können.“ Das BAMF koordiniert gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium die Verteilung zur Erstaufnahme in die Länder.

Deutschland rettet Hunderte Menschen vor den Taliban

In Frankfurt/Main waren am frühen Donnerstagmorgen weitere Maschinen mit Hunderten Menschen an Bord gelandet, die aus Afghanistan in Sicherheit gebracht worden waren. Rund 500 Menschen befanden sich an Bord der beiden gecharterten Flieger von Lufthansa und Uzbekistan Airways.
Nach der Ankunft wurde zunächst geprüft, ob es sich um Ortskräfte, Asylsuchende oder Staatsbürger anderer europäischer Länder handelt. Die Maschinen waren in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gestartet. Dorthin hatte die Bundeswehr die Menschen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul gebracht.

Innenminister Stübgen rechnet mit traumatisierten Afghanen

Brandenburg hatte sich auf die Ankunft der Ortskräfte und deren Familien vorbereitet. „Wir müssen damit rechnen, dass es sich um traumatisierte, teilweise schwerst traumatisierte Menschen handelt“, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Donnerstag im rbb-Inforadio. „Die haben in den letzten Tagen und Wochen Dinge erlebt, die wir uns gar nicht vorstellen können.“ Sie müssten erst einmal zur Ruhe kommen.
Die rot-schwarz-grüne Regierungskoalition erklärte am Donnerstag in einem gemeinsamen Beschluss, dass Brandenburg mit seinen Kommunen weiterhin bereit sei, „Menschen vor dem Tod zu retten und aufzunehmen“. Da die Rückführung ausreisepflichtiger Personen nach Afghanistan derzeit von der Bundesregierung ausgesetzt sei, müsse den betroffenen Menschen Rechtssicherheit gewährt werden, erklärte die Koalition. Daher werde Brandenburg von der Erteilung von Aufenthaltserlaubnissen aus humanitären Gründen Gebrauch machen, soweit es die Rechtslage zulasse.
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