Von Manfred Feller

Die schlechte Nachricht zuerst: In die Schwarze Elster bei Plessa wird noch etwa drei Jahre lang braunes Wasser aus den ehemaligen Braunkohleabbaugebieten um Lauchhammer und Plessa fließen. Flussabwärts in Richtung Bad Liebenwerda und weiter leiden Flora und Fauna darunter.

Probebetrieb in drei Jahren

Die gute Nachricht: Die Bergbausaniererin LMBV arbeitet seit dem Jahr 2014 an der Beseitigung dieses Umweltproblems. Nach heutiger Planung soll die etwa 20 Millionen Euro teure Wasserbehandlungsanlage Mitte 2022 in den Probebetrieb gehen. Das für die Braunfärbung sorgende Eisenhydroxid wird zu großen Teilen ausgeflockt und der pH-Wert durch Zugabe von Kalkmilch auf 6,5 bis 8 eingestellt.

Doch zunächst hat die Vorbereitung des Baus der gewaltigen Anlage eine neue Stufe erreicht. Rings um die viereinhalb Hektar große Baustelle direkt an der Bundesstraße 169 bei Plessa wird gegenwärtig eine fast einen Kilometer lange Dichtwand „versenkt“.

Ganz unten wird die Kohle angebaggert

Zunächst wurden (diese Arbeiten sind noch nicht ganz beendet) 140 Zentimeter hohe Leitwände im Abstand von 60 Zentimetern betoniert. Diese Wände dienen den zwei zum Einsatz kommenden Seilbaggern als Führung für das Absenken des sogenannten Schlitzwandgreifers. Dieses mehrere Tonnen schwere und speziell konstruierte Anbaugerät muss viele Male herabgelassen werden und Erdmassen herausholen, um die notwendige Tiefe von 30 Metern zu erreichen. Ganz unten werde bereits im oberen Kohleflöz gebaggert.

Im nächsten Schritt wird nach Auskunft von Michael Matthes, Abteilungsleiter Projektmanagement bei der LMBV, eine Suspension in den tiefen „Graben“ gepumpt. Diese besteht aus Hüttensand, Zement und Bentonit. Das dickflüssige Gemisch härtet aus und soll garantiert fünf Jahre, eher länger, unter der Oberfläche anströmendes Wasser zurückhalten. Zusätzlich werden während der mehrjährigen Bauphase Brunnen das aufsteigende Wasser aus der Baustelle abführen. Dieser Aufwand sei notwendig, so LMBV-Pressesprecher Dr. Uwe Steinhuber, weil sich das Gelände im feuchten Niederungsgebiet der Schwarzen Elster befindet.

Grundwasser hat seine Fließrichtung geändert

Vor der Braunkohleabbauzeit strömte das klare Wasser bis aus dem Gebiet des heutigen Bergheider Sees in Richtung der Elster. Der das Grundwasser absenkende Bergbau zerstörte die Fließwege und kehrte die Strömung um. Nach dem Ende des aktiven Bergbaus in der Region stellten sich nach und nach die alten Fließrichtungen wieder her. Städte wie Lauchhammer und Schwarzheide bekamen teilweise erhebliche Probleme mit dem aufsteigenden Grundwasser. Eine große Hilfe bei der Lösung des Problems ist mit 18 Tagebaurestseen die Kleine Restlochkette nordwestlich von Lauchhammer. Durch von den Bergbausanierern angelegte Überleiter fließt das überschüssige, nunmehr mineralsaure und eisenhaltige Wasser gezielt in Richtung der Schwarzen Elster – von Nordosten nach Südwesten, wie Michael Matthes erläutert.

In den Lauf des Hammergrabens, in den der Floßgraben mündet, wird ein Entnahmepumpwerk errichtet. Dafür wurde ein Teilstück vom Hammergraben abgetrennt. Sein Wasser fließt jetzt mittels Vakuum und damit ohne Pumpen durch zwei 215 Meter lange Heberleitungen (DN 1200) um die Baustelle.

Die 955 Meter lange Dichtwand soll Ende 2019 stehen. „Der eigentliche Bau der Wasserbehandlungsanlage erfolgt voraussichtlich ab dem zweiten Quartal 2020“, benennt Dr. Uwe Steinhuber die nächsten Termine.

Im Hochbau entstehen dann unter anderem Wehranlage, Ablaufturbine, Reaktionsbecken, Kalkanlage, drei Sedimentationsbecken (Durchmesser 18 Meter), Schlammeindicker, ein zentrales Maschinenhaus sowie Gebäude für die Schlammentwässerung und die Elektroenergieversorgung. Angesichts der Dimension könnte dies ein ansehnlicher mittelständischer Betrieb werden – allerdings fast ohne Personal.