Versteigerung in Reichenhain
: Weihnachtsgeschenke unterm Hammer – wer das Geld bekommt

InterviewDie Weihnachtsversteigerung der Band Röderstompers – Musiker aus Sachsen und Brandenburg – ist so ziemlich der abgefahrenste Jahresabschluss. Was diesmal geplant ist.
Von
Frank Claus
Reichenhain
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Ein Foto aus dem Vorjahr: Auktionator René Schollbach (l.) mit seinem Assistent Jens Gute und Assistentin Sandy Thomaß. Mit lustigen Sprüchen werden die zuvor vom Publikum mitgebrachten Geschenke und Artikel, die dahein nicht mehr gebraucht werden, versteigert.

Frank Claus

Die Röderstompers können nicht nur Musik. Seit Jahren zelebriert die Band, ansonsten auf Rockmusik spezialisiert, eine Unterhaltungsshow. Wolfgang Staemmler, Chef der Truppe, hat sich vorm Termin am 30. Dezember ab 20 Uhr in der Gaststätte Eichhörnchen in Reichenhain einem nicht ganz ernst geführten Gespräch gestellt.

Weihnachtsversteigerung, klingt komisch. Ihr versteigert Weihnachten?

Es sind Weihnachtsgeschenke, die vielleicht nicht gefallen oder doppelt sind und natürlich Dinge, die man nicht braucht oder was im Jahr so angefallen ist. Weihnachtsversteigerung haben wir es genannt, weil ursprünglich die Versteigerung immer an einem der Weihnachtsfeiertage stattfand. Ursprung war ein Band-internes Treffen vor vielen, vielen Jahren. Das ist bestimmt schon 35 Jahre her – ohje jetzt könnten die Leute tatsächlich ausrechnen, dass wir schon ganz schön alt sind. Es war am Heiligabend, nach den häuslichen Bescherungen und wir munter gerade als Geschenk Erhaltenes gegen Geschenke eines Kollegen eintauschten. Später kam dann der Gedanke, daraus eine Auktion zu veranstalten. Wir selber wollten dabei Spaß haben, die Leute sollten Spaß haben und alle zum Schluss auch noch ein gutes Gefühl dabei. Das Konzept hat funktioniert und tut es nun schon seit mehr als 30 Jahren.

Zur Weihnachtsversteigerung der Röderstompers will Auktionator René Schollbach diesmal in die Rolle des einstigen "Wetten dass?"-Entertainers Thomas Gottschalk schlüpfen.

Wolfgang Staemmler

Von Brexit-Boris bis Schollina Mett

Eure gewählten Mottos sind oft genial. Wer ist der Kreative?

Das bin tatsächlich ich, und es macht mir auch sehr viel Spaß, Scholli, also René Schollbach, immer in verschiedene Rollen schlüpfen zu lassen. Da hat er den Kessel Buntes moderiert, war Brexit-Boris Johnson und bei der Spenden-Revolution auch schon Che“ Guevara. Er selber ist auch immer sehr gespannt auf das Ergebnis meiner Photoshop-Künste und hat bisher noch nie ein Motto abgelehnt. Ein Höhepunkt war sicher seine Verkleidung als Schollina Mett im Jahre 2015 in Anlehnung an Conchita Wurst oder seine „Schwarzfärbung“ als Bruce Darnell im Jahr 2010.

Wolfgang Staemmler.

Mona Claus

War die Aktion schon immer mit dem Spendengedanken verbunden? Wofür habt ihr schon alles Geld gesammelt?

Schon immer wurde der Erlös gespendet. Nachdem in den Anfangsjahren das Geld immer auf ein Konto eines nationalen oder internationalen Hilfsprojekts – SOS Kinderdörfer oder Tsunami-Hilfe etc. – eingezahlt wurde, sind wir nach und nach dazu übergegangen, Projekte zu fördern, die entweder mit Leuten verbunden sind, die wir kennen und sich persönlich um die Projekte kümmern. Das war zum Beispiel Matthias Eichhorn mit seinem Projekt Sri Lanka oder die Förderung von Projekten in der Region wie der ASB-Wünschewagen oder das HausLeben in Bad Liebenwerda. Es hat sich als Vorteil für den Erlös der Veranstaltung herausgestellt, wenn das Publikum über den Verbleib des Geldes informiert werden kann und an dem Abend auch der Empfänger des Geldes ein paar Worte zu seinem Projekt sagen kann.

Was ist schon alles versteigert worden und wobei seid ihr selbst errötet?

Wir haben schon mal drei Jahre hintereinander denselben Kronleuchter versteigert, weil der scheinbar am Tag nach der Versteigerung nicht mehr so passend zur eigenen Einrichtung erschien wie noch am Abend zuvor. Dann kam das Ding im nächsten Jahr wieder unter den Hammer. Es kam sogar vor, dass jemand sein eigenes Mitgebrachtes wieder ersteigert hat – der Abend ist meist lang und süffig – da kann sowas schon mal passieren. Ein Gast hatte schon mal nach der Veranstaltung seine Jacke vergessen. Die haben wir eingelagert und im darauf folgenden Jahr natürlich: versteigert! Der Jackenbesitzer selbst hat seine eigene Jacke ersteigert – für den guten Zweck. Tolle Sache und verbunden mit viel Applaus und Spaß. Diese Geschichten sagen aber auch aus: Wir haben Stammpublikum.

Aber die Kostümideen kommen doch nach dem dritten Schnaps…

Nein, das ist seriöse Arbeit. (Lacht).

Der Gottschalk wollte immer schöne Frauen an seiner Seite. Nicht endlich mal Zeit, auch Auktionator Rene Schollbach eine echte an die Seite zu stellen?

Wir lassen uns was einfallen. Tatsächlich haben wir aber mal eine Zeit lang immer einen „zart“ bekleideten Weihnachtsengel für die Versteigerung gebucht, um das Publikum noch etwas zu „animieren“. Dem Auktionator hat es natürlich sehr gefallen, aber die Preise, welche die Agentur Jahr für Jahr für so einen Spaß aufgerufen hat, sind uns dann irgendwann doch zu hoch gewesen. Da mussten wir dann wieder auf Altbewährtes zurückgreifen und haben vielleicht etwas an „Erotik“ verloren, aber viel mehr an Lachsalven gewonnen. Und das ist halt zuerst unser Motto: Tue Gutes und hab Spaß dabei.

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