Was waren das noch für Zeiten, in denen in nahezu jedem Ort am letzten Tag des Jahres auf den Tanzsälen ausverkaufte Silvesterpartys mit Jung und Alt bis in den Morgen des ersten Tages des neuen Jahres gefeiert wurden! Nach zwei Jahren Corona-Pause wäre anzunehmen, dass in der sozusagen ersten freien Silvesternacht überall Nachholbedarf bestehen würde.
Doch das ist eine Fehleinschätzung, die zum Glück zumindest nicht überall in der Region Bad Liebenwerda zutrifft. In der Corona-Pandemie abhanden gekommenes Personal, die Verteuerung von Energie und damit auch von Rohstoffen bis hin zu teuren Gema-Gebühren und damit insgesamt unkalkulierbare Risiken nennen zahlreiche Gaststätteninhaber Gründe für ihre Party-Abstinenz.
Während einige Missmutige ihren Saal ganz zusperren, fahren einige Gastronomen der Region das gewöhnliche wöchentliche Normalprogramm und ein paar Mutige lassen es Silvester 2022 sprichwörtlich richtig krachen.

Silvesterkarten noch kurzfristig buchbar

Eine Nachfrage nach freien Plätzen lohnt in vielen Fällen, denn die Grippewelle lässt derzeit so manche sicher geglaubte Reservierung platzen. Seit dem Sommer schon ausgebucht sind die 63 Plätze der Alten Schmiede in Bad Liebenwerda. Nach zwei Jahren Pause wollte Pächter Markus Tippmann nicht mehr warten. In der Buchung ist ein kalt-warmes Buffet, DJ-Stimmungsmusik, ein Feuerwerk zur entscheidenden Stunde vor dem Schmiedetor und Knaller-Stimmung von 19 Uhr bis zum Sonnenaufgang enthalten. Die Personallage sei schwieriger geworden, ein Koch werde noch immer gesucht, lässt Markus Tippmann durchblicken.
Einen weiteren Tanzabend mit Party, Buffet und Pizza bietet das Parkschlößchen in Maasdorf. Dort wird für etwa 150 Gäste zu einem Tanzabend mit solider Tanz- und Clubhausmusik aus der Tonkonserve von DJ Lunki aus Bad Liebenwerda geladen. Im Parkschlößchen ist nach dem Start um 20 Uhr das Ziel der Sonnenaufgang, verspricht Geschäftsführer Sascha Kramer. Nach der Übernahme des Restaurants im Oktober 2020 gab es nach Corona jetzt das erste große Weihnachtsgeschäft, und das sei super gelaufen.
Das siebenköpfige Team war derart ausgelastet, dass erst nach dem Fest die Werbung für Silvester anlaufen kann. So können noch unter Telefon 035341 491007 Restplätze gebucht werden. Umherirrende Nachtschwärmer werden ab 1 Uhr mit Sonderkonditionen eingefangen.

Keine Party, aber gemütlich feiern

Ein ganz normales Geschäft läuft in der Gaststätte „Herr K“ in Elsterwerda-Biehla. Andreas Kung und sein Team bewirten die Partygäste vor und in der Silvesternacht von 15 bis 1 Uhr. Die 150 Plätze seien ausgebucht. Familien mit Kindern bilden den Kundenquerschnitt, der natürlich auch die beliebte Bowlingbahn nutzen kann. „Das machen wir schon seit ein paar Jahren so. Die Kosten sind enorm. Das fängt bei Gema an und hört beim DJ auf. Das normale alltägliche Programm ist demgegenüber kalkulierbar“, erklärt Manuela Kung. Früher war „Herr K“ einer der Hotspots der regionalen Silvester-Partyszene.
In Jamies Bar & Restaurant unter dem Lubwartturm Bad Liebenwerda war Weihnachten komplett ausgebucht. Mit einer Einschränkung: Wegen Grippeerkrankung haben einige Langzeitbucher kurzfristig abgesagt. Mit ähnlichen Einschränkungen wird auch Silvester gerechnet, sodass unter Telefon 035341 654654 kurzfristig noch für das Jahresende freie Plätze nachgefragt werden können. Bei Jamies Bar & Restaurant läuft auch an diesem besonderen Tag das normale À-la-carte-Geschäft weiter, ist von Susanne Ott von der Geschäftsführung zu erfahren. „Da weiß man, was passiert. Außergewöhnliche Extras können sich in der heutigen Zeit sehr schnell zu einem enormen Kostenfaktor entfalten“, erklärt Susanne Ott das vorsichtige Vorgehen.

Die Tanztee-Truppe als Partygäste

Die guten alten Zeiten tragen im Gasthof Kramer in Kosilenzien die Silvesterparty! Dort lautet die Kurzformel „Ü60“, was einen Gästestamm ab dem Alter von 60 Jahren angibt. Eigentlich ist die Obergrenze bei 80, doch ab und zu kommt ein älterer Herr mit 90 Jahren und ausgerechnet der bringt immer mal wieder eine neue Freundin mit, lässt Gastwirt Marko Kramer mit zwinkerndem Auge durchblicken.
Der Kundenstamm der Silvesterparty stammt aus den monatlichen Tanztee-Treffen, zu denen immer etwa 40 Gäste aus dem gesamten Elbe--Elster-Kreis nach Kosilenzien pilgern. Einmal im Monat wird dabei zu Schlagermusik Kaffee und Kuchen serviert. In der Silvesternacht wird wie zu DDR-Zeiten klassisch zu entsprechender Tanzmusik ein Buffet und Sekt angeboten. Obwohl die Unterhaltung mit Bewegung offenbar jung hält, trauen sich nicht alle Senioren eine weite Abreise am nächsten Morgen zu. So soll das Zugangsalter auf 50 heruntergeschraubt werden. Anfragen nach freien Plätzen unter Telefon 035341 10243.