Die Auswirkungen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine sind längst auch in Deutschland angekommen. Es werden Flüchtlinge aufgenommen. Viele landen zuerst in Brandenburg. Kann auch Elsterwerda bei der Aufnahme helfen?
„Was wir sofort tun, ist die Bereitschaft, flüchtende Menschen aus der Ukraine aufzunehmen. Wir stellen unsere städtische Sportpension auf dem Holzhof zur Verfügung.
Die Verwaltung und ich persönlich werden alles unternehmen, wenn unsere Hilfe gebraucht wird. Unsere Gedanken, unsere Gebete und die Hilfsbereitschaft widmen wir den ukrainischen Menschen. Auch der russischen Bevölkerung gilt unser Mitgefühl. Sie ist es nicht, die den Einmarsch forderte“, sagt Bürgermeisterin Anja Heinrich.

In Deutschland fernab der Realitäten gelebt

Die Ukrainekrise habe sich in einen Krieg verwandelt. Sei die Gesellschaft auf dieses noch vor wenigen Tagen fast unwahrscheinliche Szenario überhaupt vorbereitet gewesen? Dazu kommt von der Elsterwerdaer Bürgermeisterin ein klares Nein.
„Wir waren alle naiv. Wir leben in einer nahezu luxusüberfüllten Welt, kennen weder hungernde Kinder, noch die bloße Angst, dass Terror oder bewaffnete Einheiten unser Leben mitten in Europa gefährden könnten. Unsere ,Spaßgesellschaft’ hat den Blick auf eine sich verändernde Welt zunehmend verkannt und ignoriert“, sagt sie.
Die eigentlichen Werte unseres Lebens, unserer Gesellschaft, unserer Kultur seien verkannt worden. Bildungsaufgaben, eine starke Bundeswehr und Polizei, wirkliche Werte und Respekt galten im Wirbel um Nichtigkeiten zu wenig, kritisiert sie. Und weiter: „Unser Land hat den Eindruck hinterlassen, sich den Gendersternchen mehr zu widmen, als der eigenen Sicherheit, Wehrfähigkeit und Bildung. Wir fühlen uns ohnmächtig und sind entsetzt, unvorstellbar ist dieser Überfall Russlands.“

Elbe-Elster

Die andere Sichtweise der Ostdeutschen

Vor allem die Ostdeutschen haben das Russlandbild bislang anders beschrieben. Und jetzt? Anja Heinrich hat persönliche Erinnerungen. „Ich bin in der DDR aufgewachsen. Mein Heimatort Hohenleipisch hatte eine russische Garnison, die für uns nahezu zum Alltag gehörte. Wir hatten als Schüler russische Brieffreundschaften, Konzerte, gemeinsame Feste, kennen die Sprache und verstehen die russische Kultur. Für diese, meine Generation erschienen Krieg und ein erneutes Zerwürfnis mit Russland völlig ausgeschlossen.“
Menschen und Unternehmen aus Elbe-Elster haben Kontakte beziehungsweise wirtschaftliche Beziehungen mit Ländern im Osten. Welche Folgen könnte dieser Krieg nun haben? Sie hofft, dass der Krieg nicht zu gravierende Auswirkungen auf die von guten Beziehungen abhängigen Betriebe in Elsterwerda und Elbe-Elster haben wird. „Es ist eine Ohnmacht und Fassungslosigkeit. Und ja, es entsteht auch Angst. Eine moderne Welt, deren Kommunikationsmöglichkeiten nahezu unerschöpflich sind, deren hoher diplomatischer Anspruch und Dialogfähigkeit aus der Geschichte lernen kann, versagt völlig. Dieser Krieg trifft die Menschen unvorbereitet und sorgt für Angst und Unsicherheit“, so Anja Heinrich.
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Kiew

Keine russische Partnerstadt mehr

Sie denke auch an die polnische Partnerstadt Naklo. Wie sehr müsse dieser Krieg auch dort verunsichern. „Unsere Unternehmen partizipierten seit Jahrzehnten auch von den guten Verbindungen nach Russland, Weißrussland und in die Ukraine. Noch vor wenigen Monaten dachten wir über eine russische Partnerstadt nach“, bekennt Elsterwerdas Bürgermeisterin. Das dürfte sich nun erledigt haben.