Die Zunft der fahrenden Puppenspieler hat unter zwei Jahren Corona gelitten. Viele Betriebe mit zum Teil mehr als 200-jähriger Familientradition haben für immer den Vorhang geschlossen. „Wir erleben die allerletzten Puppenspieler“, sagt der Historiker Ralf Uschner vom Museum Bad Liebenwerda. Für die verbliebenen Theater gestalte sich der Neuanfang schwierig. Noch immer sei die Unsicherheit groß.

Vorhang auf für Marionetten in Kröbeln

Nach zwei Jahren findet am Sonnabend erstmals wieder ein historischer Marionettenspieltag in Kröbeln statt. Eingeladen sind Kinder und Erwachsene zu zwei altersbezogenen Inszenierungen. Das Mitteldeutsche Marionettentheatermuseum Bad Liebenwerda lädt um 15 und 19 Uhr in das Gasthaus „Drei Linden“ ein. Es spielt das Traditionelle Marionettentheater Dombrowsky aus Engertsdorf (Thüringen) mit Evelyn und Uwe Dombrowsky sowie Kerstin Wilhelm.
In der Nachmittagsvorstellung erzählt „Der gestiefelte Kater“ den Kindern seine Geschichte und in der Abendvorstellung berichtet „Gräfin Cosel über ein Frauenschicksal am Hofe August des Starken“. Am Abend wird gegen 18.30 Uhr der preisgekrönte Dokumentarfilm über die Puppenspielerdynastien von Filmemacher Manfred Hennig gezeigt.
Neben dem Internationalen Puppentheaterfestival, das jedes Jahr im September in Elbe-Elster veranstaltet wird, bot der bis Corona stets am Palmsonntagswochenende zelebrierte Marionettenspieltag umfänglich die originale Stimmung aus einer Zeit, als die wandernden Spieler noch von Gasthof zu Gasthof zogen.

Theaterkultur einst in den entlegensten Dörfern

Dazu sagt Uwe Dombrowsky: „Vor über 100 Jahren erfüllten die wandernden Marionettentheater noch eine ganz wichtige Funktion. Sie brachten die Theaterkultur in die entlegensten Winkel.“ Nachforschungen der Dresdener Puppentheatersammlung haben ergeben, dass 1905 in den Puppenbühnen allein in Sachsen über zwei Millionen Eintrittskarten verkauft wurden. Doch auch ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich. Wo früher hinter dem Gasthofsaal eine Wagenburg aus Wohn- und Bagagewagen mit Pferden oder Zugmaschinen stand, übernachten die Spieler heute in modernen Gefährten.