Kürbiswiegen in Klaistow: Dickes Ding – der schwerste Kürbis kommt aus Elbe-Elster
Rekord! Und was für einer! Der größte je in Berlin und Brandenburg gezüchtete Kürbis kommt aus Großthiemig im Elbe-Elster-Kreis. Oliver Grafe hat ihn aufgepäppelt und es mit dem Brummer aufs Siegertreppchen beim Jubiläum – beim 20. Kürbiswiegen in Klaistow (Potsdam-Mittelmark) – geschafft. 990 Kilogramm hat die Waage angezeigt, die Jury hat das Gewicht dann auf 989,5 Kilogramm korrigiert.
Als die Lausitzer Rundschau im August dieses Jahres den 35-jährigen Unternehmer auf seinem Grundstück besucht hat, durfte sich der Reporter das Prachtexemplar zwar anschauen, aber nicht fotografieren. Und erst recht gab es keine Aussagen zum Zwischengewicht. „Da redet man vorher nicht drüber. Das bringt kein Glück“, sagte Oliver Grafe mitten im Sommer. Denn die dicken Dinger seien sensibel. Bei seinem Freund war damals Tage zuvor ein rekordverdächtiger Kürbis gerade geplatzt. Aus der Traum von der Meisterschaft am 24. September.
Fast die 1000-Kilogramm-Marke geknackt
Oliver Grafe hat diese nun gewonnen, nach 2021 zum zweiten Mal. Und ist sich sicher: „Hätte ich noch ein paar Tage Zeit gehabt, hätte der Kürbis die 1000-Kilogramm-Marke geknackt.“ Denn der Hobbyzüchter hat jeden Tag den Umfang ermittelt. „Zwischen ein und zwei Zentimeter hat er täglich zugelegt.“ Den deutschen Rekord hat in diesem Jahr übrigens ein Mann aus Bayern mit einem 1052 Kilogramm schweren Kürbis aufgestellt. Am 8. Oktober wird er damit an der Europameisterschaft teilnehmen.

Zwei Helfer bewegen bei der 20. Kürbis-Wiegemeisterschaft den 989,50 Kilogramm schweren Kürbis von Oliver Grafe auf eine Waage.
dpa/Michael BahloOliver Grafe hat seine Kürbiskerne genau am 2. April dieses Jahres in humusreiche Erde gesteckt. Stalldung und Gärreste aus einer nahegelegenen Biogasanlage sind seine Geheimwaffen. Dann gilt es die Temperaturen zu beachten, zuerst sehr intensiv und später verhaltener zu gießen. „Am Ende habe ich fast gar nicht mehr gewässert, damit der Kürbis nicht platzt.“ An Tagen mit besonders starker Sonneneinstrahlung hat er seinen American Giant im Folienzelt noch mit Sonnenschirmen beschattet.
Schon der Transport einen Tag vorm Wiegen erfordert Feingefühl. Mit einem Radlader ist der Gigant aus dem Folienzelt geholt worden und auf sein extra vorbereitetes „Bett“ auf einem Autoanhänger verstaut worden. „Wir bauen eine Palette und belegen die mit dickem Styropor“, berichtet Oliver Grafe.

Fertigmachen auf heimischen Hof in Großthiemig (Elbe-Elster): Mit diesem 989,5 Kilogramm schweren American Giant gewinnt Oliver Grafe das Kürbiswiegen in Klaistow.
Oliver GrafeKürbis-Olli - eine Legende in der Szene
Das Kürbiswiegen in Klaistow, Ortsteil der Stadt Beelitz, ist eng mit dem Namen von Oliver Langheim verbunden. In der Szene kennen ihn alle nur als Kürbis-Olli. Zuerst hat er auf seinem eigenen Hof die Meisterschaften ausgetragen, dann gemeinsam mit dem Spargelhof. Zum inzwischen 20. Mal. Dabei geht alles auf eine Wette um einen Kasten Bier mit seinem Vater zurück. „Wir hatten gewettet, wer von uns beiden den größten Kürbis gezüchtet. Acht Jahre lang hat mein lieber Alter gewonnen.“ Und dann kam die Wende. Ausgerechnet mit der Unterhaltungsshow „Wetten, dass?“ Oliver Langheim hat im Fernseher die Außenwette gesehen, bei der Teilnehmer in großen, ausgehöhlten Kürbissen paddelten. „Ich habe mir gedacht, was sind das denn für Riesendinger, habe mich schlau gemacht, erfahren, dass es sich um die Sorte American Giant handelt und mir Kerne erbetteltet.“ Fortan habe er den Vater-Sohn-Wettbewerb gewonnen und eine inzwischen international bekannte Meisterschaft nach den GPC-Regeln („Great Pumpkin Commonwealth“) aus dem Familienspektakel gemacht. In diesem Jahr haben 84 Züchter und Hobbygärtner mit 110 Exponaten teilgenommen.

100.000 Kürbisse sind noch bis zum 5. November bei einer Kürbisausstellung auf dem Spargel-und Erlebnishof Klaistow zu sehen. In diesem Jahr dreht sich alles um das Thema Dschungel.
dpa/Jens KalaeneMit dem Wettwiegen ist die Show in Klaistow übrigens nicht beendet. Am 5. November folgt das Kürbis-Schlachtfest. Jeder Kürbis-Züchter schlachtet dann seinen Giganten. „Die Kerne hole ich selbst raus. Die sind heiß begehrt“, weiß Oliver Grafe. Kürzlich ist der Mann aus Großthiemig übrigens auch noch Sachsen-Meister geworden. Mit seinem zweiten Giganten, 689 Kilogramm schwer, hat er das Wiegen in Ludwigsdorf bei Görlitz gewonnen. Diesen Kürbis gibt es übrigens beim Erntefest der Lausitz am Wochenende im Elsterwerdaer Elsterschloss-Areal zu sehen.
Kürbisshow in Klaistow
● Im Dschungel der Kürbisse, so heißt die größte Kürbisausstellung, die noch bis zum 5. November im Spargelhof Klaistow zu bewundern ist.
● Mehr als 100 000 Kürbisse und eine Sortenschau mit 500 Kürbissen sind in prächtigen Dekorationen zu bewundern.
● Absolute Hingucker sind ein gestalteter Riesenpapagei, eine nachgestellte Szene aus dem Dschungelbuch mit Balu und Mogli sowie ein Chamäleon.
● Geboten wird jede Menge rund um den Kürbis – unter anderem gibt es Tipps, Rezepte und Verkostungen.
● Die Ausstellung ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen drei Euro Eintritt. Kinder bis zwölf Jahre haben kostenfreien Zutritt.




