Um 20.29 Uhr stand es am Mittwochabend im Saal des Mühlberger Rathauses fest: Herold Quick ist der erste Bürgermeister der Verbandsgemeinde Liebenwerda. Der ehemalige Falkenberger Bürgermeister setzte sich deutlich durch. Auf ihn entfielen 23 der 28 Stimmen. Fünf Stimmen erhielt Thomas Richter, bis zum Ende des vergangenen Jahres Bürgermeister in Bad Liebenwerda.

Freude und Enttäuschung

Das Ergebnis entspricht vielfach im Vorfeld gehörten Meinungsäußerungen und hat bei Teilen der anwesenden Bad Liebenwerdaer Verwaltungsmitarbeiter dennoch für Enttäuschung gesorgt. „Dieses drastische Ergebnis hat Thomas Richter nicht verdient“, hieß es. Er habe schließlich leidenschaftlich sein Amt ausgeführt. „Nicht mal alle Bad Liebenwerdaer Abgeordneten haben ihm seine Stimme gegeben“, wurde dann noch konstatiert.

Dass Herold Quick ab sofort die erste Verbandsgemeinde Brandenburgs, die knapp 25 000 Einwohner zählt, führt, hat im Saal indes für langanhaltenden Beifall gesorgt. Ihm sei es am ehesten zuzutrauen, Integrationsfigur für alle vier ehemaligen Städte, jetzt Ortsgemeinden, zu werden, war den Kommentaren zu entnehmen.

Beide Kandidaten hatten jeweils zehn Minuten Zeit, sich noch einmal vorzustellen. Schon da punktete vermutlich eher Herold Quick, der Privates knapp hielt und präziser seinen kommunalpolitischen Werdegang und seine gesammelten Erfahrungen schilderte, als sein Herausforderer. Er nahm die Mitglieder der neuen Verbandsgemeindeversammlung mit, als er mehrfach zu erkennen gab, dass der jetzt erreichte Stand, das Ergebnis der Arbeit aller vier Stadtparlamente und Verwaltungen gewesen sei. Er nutzte die Gelegenheit, ausdrücklich auch Andreas Claus, ehemaliger Bürgermeister von Uebigau-Wahrenbrück, zu danken, der auf eigenen Wunsch für dieses Amt nicht mehr kandidiert hatte.

„Mit der Klarheit nicht gerechnet“

Hand in Hand mit seiner Ehefrau Annegret wartete Herold Quick – er war wegen persönlicher Befangenheit nicht stimmberechtigt – in den Besucherreihen auf die Verkündung des Wahlergebnisses und gestand danach: „Mit dieser Klarheit hatte ich nicht gerechnet. Das ist ein großer Vertrauensbeweis.“

Die konstituierende Sitzung der Verbandsgemeindeversammlung Liebenwerda, an der auch Uwe Schüler, Staatssekretär im Innenministerium, und Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (beide CDU) teilnahmen, war indes schon vor der Bürgermeisterwahl spannend.

Weiser Alterspräsident

Alterspräsident Harald Lax (SPD, 79) eröffnete die Sitzung, die „wirklich besondere Bedeutung“ habe, wie er meinte und erklärte, „dass viele es nicht erwartet haben, dass wir es erreichen oder so schnell erreichen.“ Er wünschte den Abgeordneten und Verwaltungsmitarbeitern „Glück und Gesundheit“ und meinte: „Wir sind die Ersten. Uns ist es gestattet, Fehler zu machen, zurückzugehen bis zur nächsten Weggabelung oder ganz neue Wege zu gehen.“

Herold Quick ist Bürgermeister von Liebenwerda

Bürgermeister-Wahl Herold Quick ist Bürgermeister von Liebenwerda

Dann stellten sich zunächst die einzelnen Fraktionen vor. 28 Abgeordnete sind in den Stadtparlamenten der ehemaligen vier Städte Bad Liebenwerda, Falkenberg, Uebigau-Wahrenbrück und Mühlberg bestimmt worden und gehören nun der ersten Verbandsgemeindeversammlung Liebenwerda an. Der Verbandsgemeindebürgermeister ist als sogenanntes „geborenes Mitglied“ ebenfalls mitsprache- und stimmberechtigt.

Jetzt mit „Chursachsen“

Stärkste Fraktion mit zehn Mitgliedern ist ein Zusammenschluss unter den Namen „Chursachsen“. Vereint sind in der Fraktion Mitglieder der CDU und Freie Bürger, wie Fraktionschef Thilo Koch erklärte. Der gewählte Name stelle auf die geschichtliche Vergangenheit des Kreises ab, sagte er.

Jeweils fünf Abgeordnete in ihren Reihen haben zwei Fraktionen: „Pro starke Ortsgemeinden“ und „Demokratisches Bündnis für den ländlichen Raum“. Die Fraktion Linke/SPD besteht aus vier, die FDP-Fraktion aus drei Mitgliedern. Auf den Abgeordnetenstühlen komplettiert der fraktionslose AfD-Abgeordnete Andreas Schober die Verbandsgemeindeversammlung. Gewählt wurde gleich zu Beginn der Versammlung im zweiten Wahlgang Jörg Fabian (Demokratisches Bündnis Ländlicher Raum) zum Vorsitzenden der Verbandsgemeindeversammlung. Er erhielt 16 von 29 Stimmen. Auf Kathrin Degen (Fraktion Chursachsen) entfielen 13, auf Hubert Blaas (Linke/SPD) fünf Stimmen.

Erster Stellvertreter wurde Hubert Blaas (18 Stimmen). Er setzte sich gegen Monika Lehmann (Chursachsen), durch, die elf Stimmen erhielt. Zweiter Stellvertreter wurde Samuel Günther (Chursachsen), der sich mit 16 Stimmen gegen Jörg Melchert (FDP, 13 Stimmen) durchsetzte.

Bestimmt wurden danach die Mitglieder des Hauptausschusses. Dieser werde vom Verbandsgemeindebürgermeister geführt. Die Fraktion „Chursachsen“ wollte eine Diskussion darüber führen, ob nicht eher ein Abgeordneter die Leitung haben sollte. Die Mehrheit hat diese Debatte nach klaren Positionierungen für die Leitung durch den Verbandsgemeindebürgermeister von Holger Ulbricht (Pro starke Ortsgemeinden) und Dieter Jähnichen (Demokratisches Bündnis für den ländlichen Raum) abgelehnt.

Die neue Verbandsgemeindeversammlung


Fraktion Chursachsen: Tilo Koch (Vorsitzender, Falkenberg), Samuel Günther, Monika Lehmann (beide Bad Liebenwerda), Kathrin Degen, Götz Heischmann (beide Mühlberg), Kornelia Pösch, Marco Hollmig, Thomas Lehmann, Hans Ulrich Nink, Henryk Eckhardt (alle Uebigau-Wahrenbrück)

Fraktion pro starke Ortsgemeinden: Holger Ulbricht (Vorsitzender), Lothar Pelz, Stephan Bawey, Axel Schwebs (alle Falkenberg), Christin Jama (Mühlberg)

Fraktion Demokratisches Bündnis für den ländlichen Raum: Jan Fromm (Vorsitzender), Valentine Siemon (beide Bad Liebenwerda), Jörg Fabian, Dieter Jähnichen, Dennis Gallus (alle Mühlberg)

Fraktion Die Linke/SPD: Hubert Blaas (Vorsitzender), Harald Lax (beide Bad Liebenwerda), Grit Salbach (Falkenberg), Dittgard Hapich (Uebigau-Wahrenbrück)

Fraktion FDP: Reiko Mahler (Vorsitzender, Bad Liebenwerda), Jörg Melchert (Falkenberg), Toni Edler (Uebigau-Wahrenbrück)

fraktionslos: Andreas Schober (AfD)

geborenes Mitglied: Herold Quick, Verbandsgemeindebürgermeister

Der Hauptausschuss: Hans-Ulrich Nink, Götz Heischmann, Thilo Koch, Samuel Günther, Jörg Fabian, Valentine Siemon, Hubert Blaas, Stephan Bawey, Holger Ulbricht, Reiko Mahler und Herold Quick.