Die Abwärtsspirale hält an: In Elsterwerdas Innenstadt schließen immer mehr Einzelhandelsgeschäfte. Das Bekleidungsgeschäft Schneider-Moden am Denkmalsplatz ist bereits ausgezogen. Am 30. Oktober hatte zum letzten Mal das Bekleidungsgeschäft „Ernstings family“ in der Langen Straße geöffnet. Beide sind fortan im Elster-Center im Gewerbegebiet-Ost an der B 169 zu finden. Damit haben haben zwei der bislang größten Geschäfte die Innenstadt verlassen..

Die Gründe sind nach Angaben aus beiden Häusern nicht etwa größere Flächen und günstigere Mietkonditionen, sondern, so sagen sie: „Die Innenstadt ist unattraktiver geworden. Wir spüren dort deutliche Frequenzverluste.“

Für Julian Schneider aus der Geschäftsführung von Schneider-Moden hat auch die Stadtverwaltung eine Aktie dran: „Unsere Kunden fühlen sich durch die zeitbegrenzten Parkflächen immer wieder unter Druck gesetzt. Das gibt es so am Elster-Center nicht. Zudem wird das Nebenangebot zum Einkauf in Elsterwerdas Innenstadt immer schlechter. Und Veranstaltungen in der Stadt, die früher noch bis auf den Denkmalplatz, in die Bahnhofstraße und Berliner Straße reichten, finden nun nur noch auf dem Markt statt. Da fühlt man sich abgehangen.“

Ähnlich äußert sich Kristin Hoppe, bei „Ernstings family“ für die Unternehmenskommunikation zuständig:

„Wir haben derzeit 163 Quadratmeter. Die neue Fläche hat zwei mehr, vergrößert haben wir uns also nur bedingt.“ Vorteilhaft am neuen Standort seien die vielen kostenlosen Parkplätze für die Kundschaft, da in der Innenstadt die Parkplätze immer mit einer Parkuhr begrenzt sind. Dazu, so die Unternehmenssprecherin, komme, „dass wir in einem Center auch bei schlechtem Wetter für unsere Kunden attraktiv sind, da alles überdacht ist.“ Ein ganz entscheidender Vorteil ist für Kristin Hoppe, „dass in dem Center viele ergänzende Einkaufsmöglichkeiten für unsere Kundschaft vorhanden sind – Lebensmittel, Drogerie, etc. – und wir das Bild somit perfekt abrunden können.“ Auf der neuen Fläche wolle „Ernstings familiy“ mit der Eröffnung am 1. November sein neues Ladenbaukonzept umsetzen. Und ein Schmankerl gebe es zudem für Mitarbeiter und Kunden: „Wir sind dort mit einer Klimaanlage ausgestattet.“

Yvonne Weser, Vorsitzende des Gewerbevereins, ist über diese neuen Entwicklungen traurig. Dabei, so sagt sie, würden sich die Mitglieder des Gewerbevereins, die Geschäfte in der Innenstadt betreiben, sehr viel Mühe geben. Einzelhandel sei heute in vielen Branchen zu einem sehr schweren Geschäft geworden. Und trotzdem gebe es sehr erfolgreich agierende Geschäftsleute. Problematisch empfindet sie, wenn durch „die Gerüchteküche“ auch noch Unwahrheiten transportiert würden.

Gabriele Draxler von der „Spezialiätenwelt“ kann davon ein Lied singen. „Ich werde jeden Tag angesprochen, ob es stimme, dass ich zumache“, sagt sie. Zurückgeführt werde das darauf, dass einige Geschäftsinhaber vorm Renteneintritt stehen. „Ich mache nicht zu, bemühe mich um einen Nachfolger und habe alle Hände voll zu tun. Ich habe heute gerade wieder den ganzen Tag Präsente gepackt. Das Geschäft läuft wirklich gut.“ Sie glaubt, dass es nicht unbedingt an den Preisen liegt, sondern vor allem an den Dienstleistungen. „Die Kunden kommen rein, ich berate, sie wählen aus und ich packe alles hübsch ein. Diesen Service schätzen die Kunden und geben dafür auch gern einen Euro mehr aus“, sagt sie. Auch andere Geschäfte, wo Inhaber demnächst in Rente gehen, würden sich um Nachfolger bemühen.

Das sagt auch Brigitte Pilz von der Drogerie Lerch. „Wer setzt nur diese Gerüchte in Umlauf, dass Geschäfte mit älteren Inhabern schließen? Das ist geschäftsschädigend.“ Alle würden noch einige Jahre arbeiten wollen und würden sich um Nachfolger bemühen.

„Wer Lust hat, die Selbstständigkeit zu wagen, ich berate gern“, sagt Yvonne Weser und teilt auch nicht die Auffassung von Julian Schneider: „Es wäre schön gewesen, sie hätten sich aktiver im Gewerbeverein eingebracht und mitgeholfen, auch den Denkmalsplatz zu beleben.“

Aus vielen Geschäften hört die RUNDSCHAU, dass der immer wieder geäußerte Wunsch, intensiver von einem Wirtschaftsförderer unterstützt zu werden, ungehört verhalle. Es reiche nicht aus, leere Schaufenster nur ansehnlicher zu gestalten. Ein Innenstadtkonzept müsse erarbeitet und umgesetzt werden.

Denn die Situation der Innenstadt ist unverkennbar. Auf Schritt und Tritt Leerstand. Die altbekannten Schandflecke gibt es trotz mehrfacher Beteuerungen zur Veränderung immer noch. Dass Sparkasse und Großdrogerie seinerzeit nicht an den Marktplatz gekommen sind, räche sich. Die echten Anker würden fehlen. Die Hoffnung war groß, aus dem ehemaligen Lebensmittel-Einkaufsmarkt eine Geschäftspassage zu entwickeln, die Lange Straße und Fußgängerpassage verbindet. Träume, die wie Seifenblasen zerplatzt sind. Und über die Wohlfühlqualität des Marktplatzes zu sprechen, wäre das nächste, für viele traurige Kapitel.