Wie ist die momentane Lage im Spanischen Hof?

Michael Voß Wir haben das Restaurant geschlossen. Das Hotel selber ist noch offen. Stammgäste haben uns gebeten, wenigstens übernachten zu dürfen, ohne mit dem Personal in Kontakt zu kommen. Nur zum Schlafen und ohne Frühstück. Wir haben lediglich einen Kaffeeautomaten hingestellt. Sie müssen selber zum Bäcker fahren, um Brötchen zu kaufen. Wir dürfen sie nicht bewirten, so gern wir das auch machen würden.

Die Corona-Krise ist eine ganz schlechte Situation für Hotels. Wie denken Sie darüber?

Michael Voß Wenn ich die Presse verfolge, denke ich, es werden nur noch Kuschelartikel geschrieben und Kuschelbeiträge im Fernsehen gezeigt. Ich vermisse die kritischen Realitätsberichte.

Kuschelbeiträge, wie meinen Sie das?

Michael Voß Es wird so dargestellt, als wäre alles gut. Die Regierung mache einen super Job und alles ist klasse. Die Wirklichkeit sieht ein bisschen anders aus.

Prekäre Lage in der Gastronomie „Ich weiß nicht, ob ich das durchhalte“

Bad Liebenwerda

Welche Kritik richten Sie an die Politik?

Michael Voß Die Hotels und Gaststätten werden völlig im Regen stehengelassen. Sie kriegen nicht einen Cent. Sie dürfen nicht aufmachen und erhalten keinerlei Unterstützung. Sie müssen den Verlust, den sie erleiden, letztendlich selber tragen. Und das in einer Branche, die ohnehin nicht viel verdient. Dabei sieht es von außen immer so aus, als würden in einem großen Hotel wie dem Spanischen Hof viele Gäste ein- und ausgehen und genügend Geld vorhanden sein.

Ist das ein Trugschluss?

Michael Voß Ja, das hat von außen so den Anschein. Aber hier arbeiten auch 35 Menschen und die wollen alle ihren Lohn. Ich kann ihnen mal ein paar Zahlen nennen, damit Sie einen Eindruck über unsere derzeitige Situation haben. Im März haben wir wegen der verordneten Schließung rund 40 000 Euro Verlust gemacht. Ab April erhalten unsere Mitarbeiter Kurzarbeitergeld. Dann sind es immer noch 30 000 Euro Verlust jeden Monat, in dem das Hotel geschlossen bleibt. Das summiert sich. Ich denke, vor Sommer wird hier nicht viel passieren. Das heißt, dann sind wir schnell bei 130 000 Euro Verlust. Wie man den ausgleichen soll, da macht sich kein Politiker Gedanken. Und auch nicht darüber, wie lange man das überhaupt durchstehen kann.

Und wie lange können Sie durchhalten?

Michael Voß Das ist letztendlich eine Frage, die sich den meisten Hoteliers und Gastwirten stellt: Wie lange sind sie bereit, aus ihrem Privatvermögen jeden Monat diese Verluste auszugleichen? Im Gegensatz zu manch anderem Wettbewerber habe ich keine Stadt im Rücken, die das ausgleicht. (Voß meint das städtische Mercure-Hotel in Riesa, Anm. d. Red.) Herr Striegler hat es da ein bisschen besser. Er muss sich keine Sorgen um die Verluste machen. Da gibt es noch andere Beispiele, wie das Kulturschloss Großenhain, wo die Einbußen in der Gastronomie von der Stadt getragen werden. Da brennt nichts an. Aber wir müssen kämpfen, um zu überleben.

Sind Sie dazu gewillt?

Michael Voß Das ist die Frage. Zumindest bin ich in dieser Zeit der Bürokratie dankbar, dass wir für unser Vorhaben, eine Bowlingbahn zu bauen, noch keine Baugenehmigung haben. Unsere Freizeitanlage ist jetzt natürlich auf Eis gelegt.

Da sind Sie also froh, dass die Amtsmühlen langsam mahlen?

Michael Voß In diesem Fall schon. Tatsächlich. Das hätte ich mir mal nie träumen lassen.

Wie viel Geld wollten Sie für diese Investition in die Hand nehmen?

Michael Voß Etwa zwei Millionen Euro. Das werde ich definitiv nicht machen. Wir haben auch alle Veranstaltungen bis in den Sommer hinein abgesagt. Also auch die Fiesta. Dafür müssten wir jetzt schon in der heißen Phase der Planung sein. Aber wir wissen ja nicht, ob sie überhaupt stattfinden darf. Man kann nicht zwei Monate vorher damit anfangen, so ein Event zu planen. Das geht nicht.

Was müsste sich denn ändern, damit Sie denken, dass es weitergehen kann?

Michael Voß Ich finde, man sollte die kritischen Branchen, die man per Zwang verpflichtet hat zuzumachen, mehr unterstützen. Es ist ja nicht unsere Schuld. Doch von den ganzen Fördermitteln kriegen wir nichts. Theoretisch gibt es den günstigen KfW-Kredit. Aber wenn Sie als Gastronom oder Hotelier zur Bank gehen und eine Finanzierung haben möchten, da kriegen die Bänker einen Lachkrampf. Es finanziert keiner die Branche, auch mit zehn Prozent Risikozins nicht. Das heißt, dieses Ansinnen der Politik ist total realitätsfremd. Es ist ja auch keine Branche, die viel Geld verdient. Nehmen wir mal die 130 000 Euro Verlust. Da braucht man wenigstens drei gute Jahre, bis das Geld, das man eingebüßt hat, wieder drin ist.

Wie viele Gäste hätten Sie sonst in dieser Zeit?

Michael Voß Normalerweise sind der März und der April eine gute Zeit. Da sind im Schnitt 40 unserer 46 Zimmer vermietet. Auch im Mai sind wir gut gebucht. Das Restaurant ebenso. Gerade das Ostergeschäft bringt normalerweise viel.

Haben Sie schon eine Entscheidung über die Zukunft des Spanischen Hofes getroffen?

Michael Voß Ich weiß es nicht. Wir werden sehen, wie lange wir das durchstehen können. Es ist schon schwierig.

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