Der Barbaratag erinnert an die Heiligen Barbara. Überlieferungen zufolge lebte sie im 3. Jahrhundert in Nikomedien in der heutigen Türkei. Der Legende nach wurde sie von ihrem eigenen Vater getötet, weil sie sich weigerte, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Bergleute haben sie einst als ihre Schutzpatronin auserwählt.
In der einstigen Kohle- und Energiegemeinde Plessa ist zum ersten Mal ein Barbaratag gefeiert worden. Mit überwältigendem Erfolg. Mehrere Hundert Gäste kamen auf das Gelände der einstigen Brikettfabrik, auf dem heute die Firma Bothur ansässig ist. Selbst der Nikolaus und seine Wichtel mussten Überstunden einlegen, um alle Kinder zu beschenken. Insgesamt 136 gefüllte Stiefel wurden ausgegeben, jeweils nach einem Gespräch mit dem Nikolaus. Beeindruckt zeigten sich die Gäste von dem Umbau der alten Bergwerksanlage. „Hier stehen die Reste der Plessaer Braunkohlengeschichte. Aus verschiedenen Standorten sind Unikate ausgebaut und hier neu installiert worden. An all das zu erinnern, ist wichtig. Durch die kommerzielle Nachnutzung des Standortes ist das finanzierbar. Ich kenne die alte Brikettfabrik noch aus der Schulzeit. Wir hatten hier eine Patenbrigade. Schade, dass daneben das Kraftwerk so den Bach runtergeht. Der Erhalt ist falsch angepackt worden. Heute fehlt das Geld, um da noch was zu retten“, meint Lothar Thieme aus Plessa.

Ist das Kraftwerk noch zu retten?

Die privaten Initiativen und die privaten Mittel, die in die Reste der alten Brikettfabrik investiert werden, sieht Jürgen Schellschmidt als Garant für den Erfolg. Das Scheitern des Kraftwerkprojektes hätten dagegen viele vorhergesehen. In den vergangenen Jahrzehnten seien insgesamt sieben Millionen Euro staatlicher Gelder in das stillgelegte Kraftwerk geflossen, ohne ein Konzept für eine dauerhafte Nachnutzung umsetzen zu können. Solche Initiativen seien immer wieder gescheitert. „So ein riesiges Projekt ist ohne wirtschaftliche Nachnutzung nicht finanzierbar. So viel Geld gibt es gar nicht“, meint der ehemalige Bürgermeister Jürgen Schellschmidt.
Historikerin Carola Meißner vom gleichnamigen Gästeservice fände es dennoch traurig, wenn das alte Kraftwerk mit seinen beiden weithin sichtbaren Schornsteinen aus dem Ortsbild verschwinden würde. „Wenn ich aus dem Fenster schaue und den Verfall sehe, blutet mir das Herz. Vielen Plessaern geht es ähnlich. Solche Kraftwerke gab es Tausende, in Plessa steht eines der letzten“, so Carola Meißner. „Als Heimatfreundin geht mir das Herz auf, wenn ich sehe, wie der Standort der Brikettfabrik von der Firma Bothur wieder zu neuem Leben erweckt wird. Hier wird nicht nur der alte Zechensaal wieder genutzt, aus anderen abgerissenen Gebäuden wie der von Delius-Villa oder aus der alten Ambulanz wurden ausgebaute Bauteile wie zum Beispiel die Türen hier wieder neu installiert“, sagt Carola Meißner.

Kompliment an Organisatorin Katrin Bothur

„Schön, dass es solche aktiven Menschen wie Katrin Bothur gibt, die in der heutigen Zeit solche Projekte auf die Beine stellen. Obwohl es den Barbaratag hier das erste Mal gibt, ist die Veranstaltung sehr gut angelaufen. Katrin Bothur lässt einfach nicht locker, ich kenne sie“, schätzt Ralf Engelmann aus Prösen ein. Und was sagt Katrin Bothur? „Wir sind total glücklich und überwältigt, dass so viele Leute gekommen sind. Wegen der großen Resonanz wird es im nächsten Jahr wieder einen Barbaratag geben. Wir denken sogar schon über eine weitere Veranstaltung zum Osterfest nach. Das ist aber noch alles offen“, lässt die Organisatorin durchblicken.