Es war im Sommer des Jahres 2012. Sensation in Wildgrube! Vier Jungstörche klappern fröhlich auf dem im Jahr zuvor wieder hergerichteten Horst auf dem alten Schlauchturm der Feuerwehr. Wenn das kein erfolgreicher Nestbau war! Das neue Lager aus Zweigen und Gräsern hat aber nicht nur Frau und Herr Adebar zu großartigen Leistungen animiert, auch durch den Ort scheint ein Ruck gegangen zu sein. Vier Muttis haben zu diesem Zeitpunkt bereits entbunden, vier weitere sind schwanger. Vier Störche, acht Babys – wenn das keine Quote ist!

Mit Baby oder mit Babybauch

Für den umtriebigen Ortsbürgermeister Gisbert Eulitz steht fest: „Das müssen wir auf einem Foto festhalten.“ Er bittet die Frauen vors Storchennest. Drei Muttis halten damals ihre Wonneproppen in den Händen, vier zeigen stolz ihren runden Babybauch. Juliane Nathansen (9. Monat), Annett Kretzschmar (9. Monat), Sandy Schollbach mit Sohn Ole-Fiete (drei Monate) und seinem großen Bruder Lasse, Anja Renz mit Tochter Romy (fünf Monate), Sabrina Zaunig mit Tochter Samira (zwei Monate), Stefanie Farkasch (7. Monat) und Bianca Rieger (9. Monat) sind zum Storchennest am Feuerwehrdepot gekommen. Beim Termin fehlt Ulrike Magnus mit Tochter Vivien (fünf Wochen alt).
Das Foto aus dem Jahr 2012.
Das Foto aus dem Jahr 2012.
© Foto: Frank Claus
Es wird ein launiges Gespräch an jenem Sommernachmittag im Jahr 2012. Woher der plötzliche Babyboom? Die, die bereits entbunden haben, lachen und meinen: „Vermutlich hat das Vorweihnachts-Fernsehprogramm nichts getaugt.“ Eine Stromsperre, so beteuern alle, habe es jedenfalls nicht gegeben. Gisbert Eulitz, selbst Vater von zwei Kindern und Großvater von fünf Enkeln, hat damals noch eine andere Erklärung: „Wir haben keine Kneipe im Ort, die Männer bleiben schön zu Hause“, sagt er und grient.
Sicher ist, der 2012er-Jahrgang hat sich prächtig entwickelt. Aus den Babys sind Neun- und Zehnjährige geworden, die heute die dritte oder vierte Klasse besuchen. Und von denen viele zusammen in den Kindergarten gingen und heute gemeinsam die Schule besuchen.

Weshalb der Bürgermeister zehn Jahre später ein Problem hat

Es war Anja Renz, die im Mai dieses Jahres den Bürgermeister anstachelt. „Eigentlich müssten wir uns jetzt nach zehn Jahren alle noch einmal zum Foto am Storchenhorst treffen.“ Na, das muss man Gisbert Eulitz nicht zweimal sagen. Da wird er glatt zum Jungbrunnen und setzt alle Hebel in Bewegung – telefoniert, organisiert. Wie damals ist die Lausitzer Rundschau wieder vor Ort – und wieder gibt es ein Foto, das in Familienalben und in der Dorfchronik einen besonderen Platz erhalten wird. Für die „Storchenkinder“ von 2012 und ihre Eltern wird der Tag unvergesslich, denn eine Fahrt in den Reptilienzoo nach Döbrichau schließt sich dem Fototermin an.
Ein Problem hat Gisbert Eulitz aber. Seine Rechnung von damals dürfte zehn Jahre später nicht wieder aufgehen. Wildgrube hat in diesem Jahr drei Jungstörche! Aber: Von sechs Babys ist Wildgrube weit entfernt. Nach momentanem Kenntnisstand ist eine Wildgruberin Mutti geworden, eine noch schwanger.
RUNDSCHAU-Adventskalender-Serie Der Hansdampf von Wildgrube

Wildgrube

Wo leben die Familien von 2012 heute?

Doch wie lebt es sich eigentlich in Wildgrube? Was ist aus den Kindern und Familien geworden? Sandy Schollbach findet die gesamte Aktion der Storchenkinder „einfach toll“ und sagt: „Einfach mal wieder lachen können in dieser blöden Zeit, das tut gut.“ Nach Nummer Eins, Lasse, und dem heute zehnjährigen Ole-Fiete kam mit Jonte noch ein dritter Junge zur Welt. „Wir leben zwar nicht mehr in Wildgrube, aber nicht weit weg davon. Die Kontakte in den Ort sind noch immer prima“, sagt sie. Wen wundert's? Sie ist Hebamme.
Bianca Rieger fühlt sich mit ihrer Familie „pudelwohl“, wie sie sagt. „Die Kinder sind heute noch oft zusammen und unter Eltern sind Freundschaften entstanden. Wir haben zuerst zur Miete gewohnt und dann ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft. Von Anfang an sind wir in Wildgrube gut aufgenommen worden.“
Die vier Störche im Jahr 2012 auf dem Storchenhorst in Wildgrube.
Die vier Störche im Jahr 2012 auf dem Storchenhorst in Wildgrube.
© Foto: Dietmar Knape
Stefan Fischer wohnt mit seiner Stefanie inzwischen im Nachbarort Beutersitz/Bahnhof. Kontakte nach Wildgrube habe er trotzdem noch viele. Wie es sich dort wohnt? „Na schön, Dorf ist immer gut. Hier hast du genug Platz“, sagt er. Die Storchenkinder-Aktion findet er prima.
Anja Renz aus Wildgrube/Bahnhof war die Ideengeberin für das Treffen nach zehn Jahren. „Was aus den Kindern geworden ist! Unsere Tochter Romy wächst mir inzwischen fast über den Kopf.“ Sie hat noch einen älteren Bruder. Ob es auch ein Treffen nach 20 Jahren geben wird? Sie lacht: „Oh, das wird wohl deutlich schwieriger. Dann sind alle in der Ausbildung oder beim Studium.“ Vielleicht nehmen die Kinder von heute als Erwachsene von Morgen die Sache dann sogar selbst in die Hand. Für die Dorfgeschichte wäre es das nächste, schöne Kapitel.
Die Mütter mit ihren Kindern: Annett Kretzschmar mit Hannes (10), Sabrina Zahnig mit Samira (10), Juliana Nathansen mit Philipp (9), Bianca Rieger mit Emil (9), Anja Renz mit Romy (10), Stefanie Fischer mit Tim (9), Ulrike Magnus mit Vivien (9) und Sandy Schollbach mit Ole-Fiete (10, v.l.).
Die Mütter mit ihren Kindern: Annett Kretzschmar mit Hannes (10), Sabrina Zahnig mit Samira (10), Juliana Nathansen mit Philipp (9), Bianca Rieger mit Emil (9), Anja Renz mit Romy (10), Stefanie Fischer mit Tim (9), Ulrike Magnus mit Vivien (9) und Sandy Schollbach mit Ole-Fiete (10, v.l.).
© Foto: VRS
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Wildgrube und seine Jugend

Von den etwa 360 Einwohnern in Wildgrube sind 43 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Das sind 18 Mädchen und 25 Jungen. Die Zahl 43 kommt auch zustande durch die acht ukrainischen Kinder und Jugendlichen, die in diesem Jahr im Ort Zuflucht gefunden haben.
Die Geburtenzahl des Jahres 2012 ist bislang nicht mehr erreicht worden. 2006 war allerdings auch ein besonderes Jahr. Damals wurden sechs Kinder geboren, alle Jungen.
In den Jahren 2004, 2009, 2013 und 2015 gab es dagegen gar keinen Kindersegen im Dorf. Quelle: Einwohnermeldeamt