9. Oktober. Gegen 18 Uhr brechen wir zum Stellplatz für die große Parade in Blumenau auf.  Charles Schneider, unser Übersetzer und Reisebegleiter, gibt noch ein Interview für einen TV-Sender. Im Hintergrund spielen wir Musik. Dies soll dann landesweit im Fernsehen übertragen werden. Auf der Straße formieren sich weitere Musikkapellen. Um 19.30 Uhr beginnt die Parade zur Eröffnung des Oktoberfestes durch die Hauptgeschäftsmeile. Wir sind an fünfter Stelle im Zug. Die Zuschauer stehen dicht gedrängt hinter den Absperrungen, applaudieren und winken uns zu. Nach gut einer halben Stunde ist es geschafft. Später erfahren wir, dass etwa 3000 Mitwirkende dabei waren und etwa 25 000 Menschen zugeschaut haben.

Schnell geht zum Oktoberfestgelände. Dort sollen wir noch einen Einmarsch spielen. Auf dem Weg zum Halleneingang wird ein übergroßes Bierglas aus einem Schrein genommen und in die Halle getragen. Es soll an die Tradition des Bierbrauens durch die Mönche in der Fastenzeit erinnern. Auf der Bühne erklingen zunächst die deutsche, dann die brasilianische Nationalhymne. Es folgt der Fassanstich. Das Bier spritzt in hohem Bogen in den Saal. An diesem Abend sollen 37 000 Menschen in den vier großen Hallen das Oktoberfest gefeiert haben.

10. Oktober. Nach den anstrengenden Tagen endlich Freizeit. Der Pool wartet. Um 15 Uhr Abfahrt nach Blumenau zum nächsten Festauftritt.  Eine Band spielt. Nach höchstens drei Titeln das obligatorische „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ und „Eins, zwei, drei g’suffa“. Die Deutsch-Brasilianer feiern wie die Bayern. Dann sind wir dran. Annabell und Gregor tanzen die Annemarie-Polka vor. Es gibt tatsächlich mutige Zuhörerpaare, die es selbst versuchen. Andrea und Eva singen die „Rosamunde“, das mit Abstand bekannteste und beliebteste Lied in dieser Region, mit einem portugiesischen Text. Neben den böhmischen Polkas sorgen vor allem die „Alten Kameraden“ für Stimmung. Nach zwei Stunden kommen wir nicht ohne Zugabe von der Bühne.

Wir schauen uns in den anderen Festhallen um. Jede Band spielt dort etwa zwei bis drei Stunden. Es hört sich an wie Musikantenstadl und Silbereisen-Fernsehen.

11. Oktober. Zum Mittagessen sind wir in einem Restaurant in Pomerode. Noch eine Spur besser als am Tag zuvor. Die Kellner kommen gefühlt im Minutentakt mit Fleischspießen an die Tische. Zwölf verschiedene Sorten. Vom Essen verstehen die Brasilianer etwas, vor allem von der Zubereitung des Fleisches.

Am Abend proben wir im Theater von Pomerode (in einem sehr schönen Konzertsaal für etwa 500 Besucher) mit den „Originalen Regabläsern“ für das anschließende Konzert. Wir erleben dann aufmerksame Zuhörer, die viele Titel nicht kennen. Zum Beispiel das Medley mit Ostrocktiteln, die Filmmusiken „Zur See“ und „Die Olsenbande“ oder auch „Nessaja“ von Peter Maffay. Natürlich kommen wir wieder nicht ohne Zugabe von der Bühne. Anschließend lädt uns der Bürgermeister zum Essen ein.

12. Oktober. Um 7 Uhr ist Abfahrt nach Timbó. Der Ort feiert den 150. Jahrestag seines Bestehens, auch eine deutsche Gründung. Wir stehen an der Spitze des Festumzuges mit den Fahnenträgern und den Honoratioren der Stadt. Tausende Zuschauer säumen die Straßen.

Mit der Pünktlichkeit haben es die Brasilianer nicht so. Auf das Mittagessen warten wir eine und auf unseren späteren Auftritt sogar zwei Stunden. Nach den vielen Konzerten sind die Musiker erschöpft. Jede Möglichkeit wird jetzt zum Ruhen genutzt. Vor uns spielt ein ortsansässiges Orchester. Andrea bekommt kurzfristig einen Job an der Tuba und darf das Orchester beim „Fliegermarsch“ dirigieren. Dann sind wir dran. Die Stimmung ist bestens. Den Leuten gefällt unsere Musik. Andrea, Charles und Frank erhalten für ihre Bemühungen um die die Reise vom Bürgermeister einen Präsentkorb. Auch Bier ist dabei.
13. Oktober. Zwei Stunden Fahrt bis an die Küste nach Porto Belo. Von der Marina setzen wir mit zwei Yachten auf ein kleines, schwimmendes Restaurant in einer malerischen Bucht über. Einige gehen dann ins Wasser. Eine der Yachten gehört dem Konsul. Für ihn und die anderen Bootsbesatzungen spielen wir die wohl ungewöhnlichste Mugge. In Badesachen und mit unseren Bergmannskrawatten erklingen einige Titel aus dem Oktoberfestprogramm. Ein bisschen Dienstkleidung muss halt sein.

Nach dem Essen setzen wir an einen Strand über. Dort schauen wir uns ein kleines Museum über Wale und Tiere der Ur- und Frühgeschichte an. Es bleibt genügend Zeit zum Baden. Wir setzen wieder zur Marina über und steigen gegen 18 Uhr in den Bus. Der Sonntagabend ist eine Katastrophe. Alle stehen im Stau. Und wir mittendrin. Die geplante Fahrzeit von zwei Stunden verdoppelt sich. Auch das ist Brasilien.