Wölfe in Brandenburg: Wolf spaziert durch Cottbus und reißt Rentiere im Tierpark

Ein Wolf ist in der Stadt Cottbus unterwegs. Im Tierpark hat er zwei Rentiere gerissen. Wölfe werden in Brandenburg immer häufiger gesichtet.
Konstantin Knorr/dpa, Clément Billet/stock.adobe.com, Montage: Sebastian Lehmann- Ein Wolf wurde in Cottbus gesichtet und hat zwei Rentiere im Tierpark gerissen.
- Wolfsbeauftragter André Pfeiffer bestätigt die Sichtungen und beschreibt das Verhalten des Tiers.
- Cottbus ist von mehreren Wildschwein-Zäunen umgeben, was den Wolf in die Stadt treibt.
- Afrikanische Schweinepest dezimiert Nahrung, Wolf weicht auf Tierpark aus.
- Pfeiffer vermutet, es handelt sich um ein Jungtier, das eine Abkürzung sucht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In Cottbus taucht ein Wolf in Sachsendorf immer wieder auf. Videoaufnahmen belegen das. André Pfeiffer ist ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter für das Landesumweltamt Brandenburg.
Er bestätigt: „Dabei handelt es sich um einen Wolf.“ Auch entlang der Gelsenkirchener Allee kommt es mehrfach zu Sichtungen. Bei den Begegnungen verhält sich der Wolf unaufgeregt. Vermutlich gehen mehrere Risse in der Stadt auf sein Konto – darunter auch im Cottbuser Tierpark.
Das in der Dunkelheit aufgenommene Video zeigt, wie der Wolf die Saarbrücker Straße entlang spaziert. Er läuft zwischen parkenden Autos, kreuzt die Straße, bleibt an einem Gartenzaun stehen, wo er länger schnuppert. Ein Auto fährt vorbei. Er läuft weiter. Für den Wolfsfachmann Pfeiffer ist das ein typisches Verhalten. „Wölfe sind nicht aggressiv. Höchstens untereinander.“
André Pfeiffer beschäftigt sich seit gut 20 Jahren mit dem Wolf. Er sei den Tieren schon selbst begegnet; auch mit seinem Schäferhund. „Wenn sich ein Wolf dem Menschen nähert, ist meist ein Hund im Spiel. Das habe ich selbst erlebt.“ Das Wildtier halte jedoch seine Distanz zum Menschen.
Wohin ist der Wolf in Cottbus unterwegs?
Dass die Graupelze die Lausitzer Wälder durchstreifen, ist seit Jahrzehnten bekannt. In Brandenburg leben bundesweit die meisten Wolfsrudel. Im Monitoringjahr 2023/2024 (1. Mai 2023 bis zum 30. April 2024) waren es laut Bundesamt für Naturschutz insgesamt 58. In Sachsen sind es demnach 37. Deshalb kommt es auch immer wieder auch zu Sichtungen in Ortschaften.
Nun werden diese Begegnungen also auch in der großen Stadt möglich. Was tun? André Pfeiffer erklärt: „Einfach weitergehen. Den Weg nehmen, den man gehen wollte.“ Auch mit einem Hund. Der sollte allerdings angeleint sein; wie es in der Stadt ohnehin vorgeschrieben ist.
Doch der Wolf spaziert nicht einfach nur durch Sachsendorf. Er hat ein Ziel. So ist es in den vergangenen Wochen zu mehreren Rissen in der Stadt gekommen. Stadtsprecher Jan Gloßmann bestätigt, dass im Spreeauenpark ein getötetes Reh gefunden wurde. Deutlich dramatischer: Im benachbarten Tierpark wurden zwei Rentiere gerissen. In allen drei Fällen haben Untersuchungen nachgewiesen, dass die Tiere von einem Wolf getötet worden sind.
Der Tierpark habe daraufhin seinen Zaun ausgebessert. André Pfeiffer: „Es muss vor allem der Untergrabungsschutz verstärkt werden. Die Wölfe nutzen zumeist Öffnungen vom Fuchs.“ Der Tierpark sei für den Wolf wie ein Buffet. Gleichzeitig sei die Hauptnahrung der Wildtiere durch die Afrikanische Schweinepest in der Region stark dezimiert. Der Wolf ernähre sich normalerweise vorwiegend von Frischlingen und Überläufern – also jungem Schwarzwild.
Das ist zu dem Wolf in Cottbus bekannt
Wolfsfachmann André Pfeiffer vermutet, dass sich bei den Sichtungen in Cottbus um ein und denselben Wolf handelt. Aber warum taucht er plötzlich in der Stadt auf und vor allem in Sachsendorf? Die Antwort überrascht zunächst: „Er hat eine Abkürzung entdeckt.“
Die Aussage wird klar beim Blick auf die Internet-Karte des Landkreises Spree-Neiße. Denn aktuell ist der Lebensraum der Wildtiere gleich durch mehrere Wildschwein-Zäune zerschnitten. Im Süden von Cottbus stehen gleich mehrere Zäune – alle enden an Siedlungen. Hinzu komme noch die Autobahn als natürliche Barriere. Die hat zwei Durchlässe – die Abfahrten Cottbus-West und Cottbus-Süd.
André Pfeiffer: „Und statt den langen Weg um den Zaun von Klein Oßnig bis Gallinchen herumzulaufen, nimmt der Wolf die Straßen bis nach Madlow und dann weiter in Richtung Tierpark.“ Wildtiere folgten bei der Suche nach Nahrung ihrer Nase. „Sie haben einen enormen Orientierungssinn.“ Darüber hinaus sei vor allem die Gelsenkirchener Allee als Weg ideal. „Sie ist nicht nur breit und übersichtlich. Es gibt viel Grün. Dort können sie gedeckt entlanggehen.“
Aber der Wolf kann doch mit Leichtigkeit über den 1,20 Meter hohen Wildschein-Zaun springen. „Das stimmt“, sagt der Fachmann. „Die Höhe ist kein Problem.“ Trotzdem vermeiden das manche Rudel. „Der Bauch ist die empfindlichste Stelle der Tiere. Das Risiko sich dort zu verletzten, gehen sie nur ungern ein.“
Der Wolfsbeauftragte geht davon aus, dass es sich bei dem Cottbuser Wolf um ein Jungtier handelt. André Pfeiffer hat nach eigenen Worten entlang der Strecke nach Losung gesucht, ist dabei aber nicht fündig geworden. „Jungtiere markieren nicht.“ André Pfeiffer vermutet, dass das Territorium seines Rudels an Cottbus grenzt.


