Von Jan Siegel
und Andrea Hilscher

Geht das alles jetzt wieder von vorne los? Seit einem Jahr hat die BTU Cottbus-Senftenberg keinen ordentlichen Präsidenten und das könnte noch viele Monate so bleiben. Seitdem der frühere Amtsinhaber Jörg Steinbach in die Landespolitik abgewandert ist, bekleidet Vizepräsidentin Prof. Dr. Christiane Hipp den Spitzenposten an der Uni kommissarisch und sie wartet sehnsüchtig auf einen Nachfolger für Steinbach. Selber BTU-Präsidentin werden will sie nämlich nach eigenen Aussagen nicht.

Aber Christiane Hipp wird weiter die Stellung halten müssen auf dem Präsidentenstuhl, nachdem am Donnerstag im 21-köpfigen Senat die Wahl eines Steinbach-Nachfolgers gescheitert ist.

Lange und kontroverse Diskussion

Das Gremium ist verschwiegen. Nicht viel drang an die Öffentlichkeit nach einer offenbar denkwürdigen Senatssitzung. Es habe vor der Abstimmung, bei der sich am Ende keine Mehrheit fand, nach Schilderungen von Teilnehmern, eine sehr lange, kontroverse und wohl auch emotionale Diskussion gegeben.

Zur Wahl stand nach einem aufwendigen Findungsprozess Prof. Hans-Hennig von Grünberg, dessen Vertrag als Präsident der Hochschule Niederrhein (Nordrhein-Westfalen) noch bis zum Februar läuft. Nach zwei Amtszeiten hatte sich von Grünberg dort nicht mehr beworben, um sich nach eigenen Aussagen eine neue Herausforderung zu suchen.

Münch sieht einen Richtungsstreit

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) glaubt nicht, dass der Fachhochschul-Hintergrund von Von Grünberg entscheidend für seine Niederlage im BTU-Senat war. „Als theoretischer Physiker hat er ausreichend universitäre Erfahrungen“, sagt sie. Vielmehr sieht Münch in der Entscheidung des Senats einen Richtungsstreit, wie er derzeit an mehreren bundesdeutschen Universitäten geführt werde. Auf der einen Seite seien starke Manager gefragt, die eine Universität wie ein modernes Unternehmen führen, andere Hochschulen setzten eher auf Präsidenten, die sich ganz auf die Forschungsleistung ihrer Uni konzentrieren. Und Martina Münch räumt auch offen ein: „Für das Ministerium wäre Hans-Hennig von Grünberg ein unbequemer Partner gewesen, da er sehr dezidierte Forderungen gestellt hätte. Er hätte der BTU sicherlich gutgetan.“

Als einen „bedauerlichen Rückschlag für den Strukturwandelprozess in der Lausitz“, bezeichnete Klaus Freytag, der Lausitzbeauftragte des Brandenburger Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD), die gescheiterte Wahl. Gerade jetzt, wo in neue Institute und Forschungsfelder investiert werden soll, suchten die Kooperationseinrichtungen einen starken Ansprechpartner an der Spitze der Universität, der mit ihnen gemeinsam die Wissenschaftsperspektiven in der Lausitz planen könne.

Messbare Erfolge an der Hochschule Niederrhein

In der deutschen Hochschullandschaft hat der Name Von Grünberg durchaus einen guten Klang. 2017 wurde er immerhin als „Hochschulmanager des Jahres“ ausgezeichnet. Mit dem Preis würdigen das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und die Wochenzeitung „Die Zeit“ seit einigen Jahren Führungskräfte, die in ihren Hochschulen für eine besondere Dynamik sorgen.

Hans-Hennig von Grünberg konnte in seiner Amtszeit am Niederrhein durchaus messbare Erfolge verbuchen. Immerhin stieg die Zahl der Studierenden dort von knapp 11 000 bei seinem Amtsantritt auf inzwischen knapp 15 000. Eines von vielen Themen, das auch die  BTU extrem beschäftigen muss. Schließlich ist die Zahl der Studierenden seit dem Jahr 2013 von damals rund 10 000 auf inzwischen nicht einmal mehr 7000 gesunken.

Vor einer Woche hatte sich Hans-Hennig von Grünberg im großen Hörsaal der BTU in Cottbus den Wissenschaftlern, Studierenden und Mitarbeitern der Universität als einziger verbliebener Bewerber für den Präsidentenposten vorgestellt.

Die grassierenden Schwindsucht bei den Studierendenzahlen wollte von Grünberg mit neuen, besonderen Studienprogrammen, „die den Idealismus der jungen Menschen ansprechen“, kurieren.

Bei seiner Präsentation forderte er für die Lausitzer Uni eine führende Rolle bei der Bewältigung des wirtschaftlichen Strukturwandels. Diese Uni sei schließlich die einzige, die explizit in den Kohleausstiegspapieren der Bundesregierung immer wieder genannt werde.

Schwierige Kandidatensuche an der BTU

Es ist nicht zum ersten Mal, dass sich die Suche nach einem BTU-Präsidenten so langwierig gestaltet. Eine ähnlich schwierige Kandidatenwahl hat die BTU schon vor zwölf Jahren erlebt. Damals dauerte es über ein Jahr, bis ein Nachfolger für den langjährigen Präsidenten Ernst Siegmund gefunden war, dessen Wiederwahl im Senat damals gescheitert war. In einem nächsten Versuch wurde dann ein externer Bewerber gewählt, der seinen Posten antreten wollte: ihm war die Finanzausstattung der Universität zu mager. Daraufhin stellten sich zwei weitere externe Professoren zur Wahl, die am Ende der Technikphilosoph Walther Christoph Zimmerli für sich entscheiden konnte.

Auch jetzt muss die Präsidentensuche wieder weitergehen. Möglicherweise beginnt sie erneut mit einer öffentlichen Ausschreibung des Postens in der Lausitz. Und die fünfköpfige Findungskommission muss ihre Arbeit von vorne beginnen.