Donnerstagabend in Cottbus: An der Oberkirche packt der Weihnachtsbaum-Händler einem jungen Paar den letzten verfügbaren Baum ein. Die Käuferin ist glücklich. „Er ist sehr schön. Dass das wirklich der letzte Baum gewesen ist, ist ihm nicht anzusehen“, sagt sie. Auch der Mann zeigt sich sichtlich zufrieden und erleichtert über den Kauf in letzter Minute. „Ich wollte es kaum glauben. Aber es ist wahr. In ganz Cottbus sind heute schon die Weihnachtsbäume aus“, bestätigt er.
Der Baum-Händler lacht. Bis zum Nachmittag des Heiligen Abends nehmen sich die letzten Lausitzer gern Zeit, um den Baum für die gute Stube noch zu erstehen. „Für dieses Jahr ist Feierabend. Wir können richtig stressfrei in die Feiertage gehen“, sagt er. Das Baum-Geschäft sei planmäßig gut gelaufen. „Wir haben zu spät erfahren, dass die Märkte im Cottbuser Umland in diesem Advent kaum Weihnachtsbäume angeboten haben. Mit dem Wissen zur rechten Zeit hätten wir mehr Stände geöffnet“, erklärt der Händler.

Cottbuser Baumärkte bei Weihnachtsbäumen zuerst blank

Die Baumärkte in Cottbus sind zuerst ausverkauft. Im Bauhaus am Stadtring, bei Toom und Obi zucken die Verkäufer bedauernd mit den Schultern. Nachdem im vergangenen Pandemie-Winter ganze Container mit unverkauften Weihnachtsbäumen entsorgt worden sind, ist nun weniger bestellt worden. Die Nachfrage sei schwer zu prognostizieren und höher, als gedacht, gewesen. Vor allem der Verkaufstag am Heiligen Abend wird damit entspannter.
Vor dem Möbel Boss in Cottbus sind bei einem privaten Anbieter noch einige Bäume zu haben. Der Händler vor dem Lausitz Park packt am Donnerstagabend indes auch ein.
Arne Barkhausen, der Leiter der Oberförsterei Cottbus des Landesbetriebes Forst Brandenburg, sagt: In den Revieren ist nichts mehr zu holen für das anstehende Fest. Das Selbstschlagen und der Verkauf von Weihnachtsbäumen sind hier vorbei.

Der Geheimtipp für einen Weihnachtsbaum in Cottbus

Die Chancen für Lausitzer, die sich darauf verlassen haben, dass sie auch kurz vor Ladenschluss am Heiligen Abend noch immer einen Weihnachtsbaum bekommen, sinken. So drastisch wie nie zuvor. Der wohl letzte Geheimtipp: Auf dem Cottbuser Weihnachtsmarkt, der am Freitag, 23. Dezember, endet und abgebaut wird, werden die schmucken Nordmanntannen kostenlos abgegeben.
Die Dekoration ist in der ökologischen Zweitverwertung damit ein besonders gutes Schnäppchen. Steffi Wunderlich von der Coex Veranstaltungsgesellschaft, die die besinnliche grüne Kulisse des Cottbuser Weihnachtsmarktes offensiv anbietet, hat mit dem aktuellen erhöhten Bedarf nicht gerechnet.

Schnäppchen-Baumjäger können Weihnachtsmarkt nutzen

Auch am Donnerstagabend sind viele Cottbuser noch ahnungslos. Der Altmarkt und die Sprem sind voller Menschen, die auf der weihnachtlichen Genussmeile den Glühwein genießen. Die Nordmanntannen, die hinter vielen Hütten schon für die Schnäppchen-Baumjäger bereitstehen, bleiben vielfach unbeachtet. Noch.
Familie Raschke aus Kolkwitz hat sich einen der prächtigen Weihnachtsbäume ausgesucht – unwissend darüber, dass dieser zu diesem Weihnachtsfest ein besonderes seltenes Schnäppchen ist.