Karfreitag 2017: In der Tempo-30-Zone vor der Cottbuser Stadthalle kommt es am Abend auf Höhe der Straßenbahnhaltestelle zu einem tragischen Unfall. Eine Studentin (22) wird von einem Fahrzeug erfasst, erleidet schwerste Kopfverletzungen und stirbt wenige Tage später.
Der Vorfall schlägt Wellen. War es wirklich ein Unfall? Wurde die ausländische Studierende womöglich absichtlich angefahren? Ägypten ruft seine Studierenden an der BTU kurz darauf auf, die Stadt zu verlassen.

Unfallfahrer in erster Instanz zu Bewährungsstrafe verurteilt

Angang 2020 kommt es schließlich zum Prozess vor dem Amtsgericht in Cottbus. Der 20-jährige Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung für schuldig befunden. Das Gericht verhängt gegen ihn eine Jugendstrafe von einem Jahr und setzt deren Vollstreckung zur Bewährung aus. Ermittlungen wegen angeblich rassistischer Beschimpfungen stellt die Staatsanwaltschaft ein.
Ein zu mildes Urteil? Nein, sagt Rechtsanwalt Wolfgang Schönekerl, damals Vertreter der Nebenklage. „Für einen in diesem Bereich unbestraften Ersttäter, für den noch dazu Jugendstrafrecht angewandt wurde, ist die Verhängung einer Jugendstrafe von einem Jahr schon ziemlich viel. Es ist tatsächlich keine milde Strafe.“

Verurteilter legt Berufung ein

Tatsächlich war die vorsitzende Richterin Dr. Marion Rauch sogar über das geforderte Strafmaß hinausgegangen, weil es beim Angeklagten ein hohes Maß an Pflichtverletzung gegeben habe. „Sie sind einfach zu schnell unterwegs gewesen“, sagte die Richterin in der Urteilsverkündung. Außerdem habe der Angeklagte nach dem tödlichen Unfall zwei weitere Eintragungen ins Verkehrsregister erhalten – wegen Alkohols am Steuer und abermals wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung. „Ist nach dem Unfall mit der Ägypterin gar nichts bei Ihnen angekommen?“, fragte die Richterin.
Nun, zumindest hat der Angeklagte Berufung eingelegt, die nun in zweiter Instanz vor der 3. großen Strafkammer des Landgerichts Cottbus verhandelt werden muss. Los geht es am 15. Februar.