„Hier ist es wunderschön, was soll ich hier eigentlich?“, fragt der TV- und Sternekoch Frank Rosin etwas verwundert, als er zum ersten Mal das Restaurant in der Kutzeburger Mühle in Cottbus betritt. Und er hat Recht: Im Kamin brennt ein kleines Feuer, Musik tönt leise im Hintergrund, die Möbel passen zum urigen Ambiente. Dennoch ist Rosin dem Hilferuf vom neuen Restaurant-Chef Norman Pötschke gefolgt, denn der Schein trügt: Die Kutzeburger Mühle stand kurz vor dem Aus.

Neuer Chef der Kutzeburger Mühle bewirbt sich kurzerhand bei Rosins Restaurants

Es ist Anfang November als Norman Pötschke, seines Zeichens Restaurantleiter in der Kutzeburger Mühle, aus einer Notlage heraus die Gaststätte übernimmt. „Das ging wahnsinnig schnell. Alles hat nur zwei Tage gedauert“, sagt er heute. Zeit zum Nachdenken hat er nicht, schließlich sollen die Mitarbeiter im Restaurant nicht in die Arbeitslosigkeit gehen müssen. „Doch ich habe keine Erfahrung in Sachen Selbstständigkeit und ich wusste auch nicht, wie eine Küche auszusehen hat“, erklärt er.
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Also ist der Entschluss schnell gefasst: Norman Pötschke bewirbt sich im Januar bei „Rosins Restaurants“. In der Fernsehsendung auf Kabel 1 reist der zweifache Michelin-Sternekoch Frank Rosin durch ganz Deutschland und besucht Restaurants, denen die Gäste fernbleiben, die Hilfe brauchen oder in denen der Haussegen schief hängt. Norman Pötschke kennt jede Folge. Er sagt: „Sie suchen immer nach einer guten oder einer peinlichen Geschichte. Bei uns haben sie die gute gefunden.“

40 Testesser und 20-köpfiges Team kommen zur Kutzeburger Mühle

Pötschke schafft es im Bewerbungsverfahren durch verschiedene Telefon-Interviews und von Runde zu Runde. Anfang März 2020, ausgerechnet an einem Ruhetag, ist es dann so weit: „Plötzlich kam Rosin mit 40 Testessern unangekündigt um die Ecke.“ Zwei Stunden haben Pötschke und sein Team Zeit, ein Drei-Gänge-Menü zu zaubern. „Es gab Salat mit Hähnchenbrust, Meerrettich-Schnitzel und Plinse“, zählt Norman Pötschke auf. Es sei nicht einfach gewesen, aber hinbekommen hätten sie es dennoch.
In der ersten Märzwoche geht Frank Rosin Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in der Kutzeburger Mühle ein und aus, gibt Tipps und erklärt Pötschke, was es bedeutet, ein Chef zu sein: „Ich habe mich nicht in dieser Rolle gesehen und deshalb viel alleine gemacht. Immer wenn ich dann nicht da war, ist die Welt scheinbar zusammengebrochen“, erklärt Pötschke.
Begleitet wird Rosin von vier Kameraleuten, Lichtassistenten und Redakteuren. Etwa 20 Personen sind es insgesamt. „Die Drehtage im März waren total anstrengend und es war Anspannung pur, denn ständig musste ich Interviews geben und bin von einer Ecke zur anderen gesprungen“, sagt er.

Dreharbeiten zu Rosins Restaurants müssen wegen Corona unterbrochen werden

Doch dann geht alles ganz schnell: Das Coronavirus zwingt ihn, ebenso wie alle anderen Gastronomen, zu schließen. Die Dreharbeiten werden abgebrochen und gerade in dieser schwierigen Phase muss sich Pötschke allein durchschlagen. „Ostern, Hochzeiten, Feiertage – alles ist weggebrochen. Doch wenn man Corona schafft, kann man alles schaffen“, erklärt Pötschke.
Also denkt er um, baut einen Gastraum zur Bar um, um Wanderern durch das Fenster Plinse, Kaffee und Bier zum Mitnehmen anbieten zu können. Vier Tage die Woche steht er allein an diesem Fenster und versucht, den Laden am Laufen zu halten. „Mit der Soforthilfe hat es genau gereicht, um jetzt wieder öffnen zu können“, sagt er erleichtert.

Sendung mit Frank Rosin wird im August ausgestrahlt

Vor wenigen Wochen dann erneut der Anruf: Frank Rosin und Team kommen Anfang Juli erneut vorbei, um die Dreharbeiten endlich abzuschließen. Abermals gibt es ein Testessen, zu dem Norman Pötschke allerdings noch nicht viel verraten darf. „Das muss bis zur Sendung ein Geheimnis bleiben. Die Folge wird im August ausgestrahlt“, sagt er.
Nach dem Dreh folgt dann die große Erleichterung, denn es ist geschafft und Pötschke zufrieden. „Rosin hat die Probleme schnell erkannt und ich habe gemerkt, dass er wirklich helfen wollte“, sagt der Restaurant-Chef und lobt den Sternekoch in höchsten Tönen. Frank Rosin sei ehrlich und wirklich nett, wenn auch sehr direkt. „Ich kann jedem nur empfehlen, sich Rosin mal ins Haus zu holen“, sagt Norman Pötschke.
Er selbst wollte nie Chef werden, weil dadurch nichts besser werde. Doch schon eine Sekunde später betont Pötschke: „Aber mittlerweile ist es mein Traum geworden.“