Das Land Brandenburg will für die Lausitz künftig laut und vernehmlich „trommeln“. Unter der großen Überschrift „Die Lausitz. Krasse Gegend“, wirbt das Land ab Januar 2023 massiv für die Strukturentwicklung der Region zwischen Elbe und Neiße im Süden des Landes.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), selbst ein Lausitzer, hat dazu in der Potsdamer Staatskanzlei gerade eine Image- und Standortmarketing-Kampagne vorgestellt. Entworfen worden ist sie von der Berliner Agentur „ressourcenmangel“ in Zusammenarbeit mit der Chairlines Medienagentur aus Spremberg (Spree-Neiße).
Geplant sind Anzeigenkampagnen sowie umfangreiche Aktionen auch mit reichweitenstarken Influencern auf den unterschiedlichsten Social-Media-Kanälen.

Von der Wegzugprämie zur Rückkehrer-Werbung

„Was sich in der Lausitz in den vergangenen beiden Jahren getan hat, ist im besten Sinne des Wortes krass“, sagte Dietmar Woidke bei der Vorstellung der Kampagne. „Wir haben viele Vorhaben auf den Weg gebracht und sorgen so dafür, dass die Lausitz weiter Energie- und Industrieregion bleibt und den Menschen Arbeit und Heimat gibt.“
Die Region gehört inzwischen wieder zu Brandenburgs Problemzonen. Heute allerdings aus ganz anderen Gründen als noch Anfang der 2000er-Jahre. Damals – nach dem Strukturbruch der Nachwendezeit – wurde mit vierstelligen Wegzugprämien dafür geworben, die Region ohne Perspektive möglichst schnell zu verlassen.
Heute sind die Vorzeichen ganz andere. Nach einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus konnten im Herbst 2022 horrende 61 Prozent der Südbrandenburger Unternehmen offene Stellen längerfristig nicht besetzen. Die Region will wachsen. Aber die Wachstumsschmerzen dabei sind enorm. Gerade der Mangel an Fachkräften bremst die Lausitz aus.

Diese Fachleute werden in der Lausitz besonders gebraucht

Allein die Forschungstochter des Carl-Thiem-Klinikums (CTK), das sich in den nächsten Jahren zu einem Universitätsklinikum verwandeln soll, sucht beispielsweise mit Nachdruck an die 50 IT-Ingenieure und Medizininformatiker. Besonders kritisch sie die Lage für das Baugewerbe, die Industrie und das Gastgewerbe. Händeringend gesucht werden in der Lausitz außerdem Fachleute, die mehr als 15.000 kleine und mittelständische Unternehmen weiterführen wollen, deren Vorbesitzer in den nächsten Jahren ins Rentenalter kommen.

Dynamik in der Lausitz und kaum einer merkt's

„Wenn hier die Energiewende gelingt und die Transformationsprozesse in der Lausitz erfolgreich verlaufen, kann die Region Vorbild für andere Regionen sogar in der ganzen Welt werden“, ist der Hauptgeschäftsführer der IHK-Cottbus Wolfgang Krüger überzeugt. Dass jeder in der Lausitz gut leben, lernen und arbeiten könne, müsse aber viel stärker auch nach außen transportiert werden.
Inzwischen gehört die Region zwischen Elbe und Spree zu den dynamischsten Entwicklungsregionen. „Keine andere Region in Deutschland wandelt sich so schnell“, sagt Christof Biggeleben von der Werbeagentur „ressourcenmangel“, der die aktuelle, krasse Imagekampagne mit seinem Team entwickelt hat. „Das Besondere in der Lausitz ist“, hat Biggeleben festgestellt, „dort wandeln die Menschen inzwischen Skepsis in Mut, um gemeinsam etwas zu schaffen. Es passiert krass dort viel, das weiß niemand außerhalb der Region.“
Die Kampagne kostet nach Angaben der Potsdamer Staatskanzlei in den kommenden vier Jahren insgesamt 1,9 Millionen Euro und soll mit Strukturstärkungsmitteln aus dem Kohlegeldtopf bezahlt werden.

„Krasse Gegend“ soll Dachmarke für Lausitz-Werbung sein

► Es gibt bereits einige Projekte beispielsweise aus der regionalen Wirtschaft, die offensiv Front machen gegen das Negativimage der Lausitz. Hauptziel: Gewinnung neuer Arbeitskräfte. Die Lausitzmetropole Cottbus wirbt außerdem mit dem Slogan „Boomtown“. Auch große Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die BASF-Schwarzheide und die Brandenburgische Technische Universität (BTU) werben bereits mit eigenen Kampagnen. Sie alle waren bei der Vorbereitung der jetzt gestarteten „Krasse Gegend“-Kampagne einbezogen worden und sollen in Zukunft unter deren Dach zusammengeführt werden.
► Nicht gelungen ist bisher indes die Kooperation bei der Image-Kampagne mit den Nachbarn im Freistaat Sachsen. „Wir sind aber in Kontakt mit der Agentur für Strukturentwicklung (SAS) im Freistaat und hoffen, dass es noch eine Beteiligung geben kann“, sagt Heiko Jahn, Geschäftsführer der federführenden Wirtschaftsregion Lausitz (WRL).