Stadtpromenade Cottbus: Erinnerungen an alte DDR-Zeiten mit Bowling und Disco

An der Stadtpromande in Cottbus werden Erinnerungen wach: LR-Abonnenten bekamen jetzt die seltene Gelegenheit einen Blick in den einstige Anlaufstelle für Bowling und Disco zu werfen.
Michael Helbig- LR-Abonnenten besuchten die gesperrte Stadtpromenade in Cottbus – einst Bowling und Disco.
- Viele erinnerten sich an DDR-Zeiten mit Pavillons, „Sternchen“, Plattenladen und Bar.
- Architekt Martin Maleschka führte über die Brache und zeigte historische Fotos.
- Vor Ort fanden sich Relikte wie bunte Fliesen; ein Eisbecher-Untersetzer geht ins Museum.
- Die Fläche gehört der GWC, ist umzäunt, und Ideen für eine Zukunft gibt es ohne Konkretes.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Barbara Lehmann ist den Tränen nah, so sehr berührt sie der Abstieg auf den alten und bröckelnden Treppen. „Ich habe hier Jahre meines Lebens verbracht“, sagt sie leise. Fasziniert schreitet sie durch die Ruine im Herzen von Cottbus. Weitere passende Worte zu finden – das falle ihr gerade schwer, sagt sie.
Barbara Lehman ist Stammleserin der „Lausitzer Rundschau“. Wie knapp 30 weitere LR-Abonnenten nutzt sie die seltene Chance, den Lost Place an der Stadtpromenade in Cottbus zu besuchen. LR inside heißt das Format, mit dem die „Lausitzer Rundschau“ ihren Lesern Lust auf die Geschichte der Region machen möchte.
Was verbinden wir mit der Region? Was haben wir hier erlebt und wie könnte die Region in Zukunft aussehen? Kein Platz in Cottbus wird mit diesen Fragen häufiger in Verbindung gebracht als die Stadtpromenade.
Stadtpromenade in Cottbus weckt Erinnerungen an DDR
Die Pavillons und die Mokka-Milch-Eisbar Sternchen, die Bowlingbahn und die Disco – alles Plätze, die für viele Cottbuser mit großen Emotionen verbunden sind. Hier mitten in der Stadt fand zu DDR-Zeiten das gesellschaftliche Leben statt.
Die Besucher, die jetzt über den Bauschutt durch den Lost Place kämpfen, erinnern sich, wie sie im Plattenladen West-Musik kauften, Pfeffi an der Bar tranken und auf Silly tanzten. „Ich habe es geliebt“, erzählt eine Frau ihrer Begleiterin und hakt sich bei ihr ein.
Architekt Martin Maleschka gilt als Kenner und Fan der Ostmoderne. Er hat sich Zeit genommen und führt die LR-Leser hinter die Absperrungen auf die Brache, die Geschichte schreibt. Mit sichtbarer Begeisterung zeigt er Fotos aus alten Zeiten, erklärt, wo die Pavillons standen, weist auf die abgefrästen Pfeiler hin und bedauert, dass sie das letzte Überbleibsel der ehemaligen Bebauung sind.
Die Fläche mit unterkellertem Teil, in dem sich einst die Bowlingbahn und die Disco befanden, gehört inzwischen wieder der kommunalen Gebäudewirtschaft Cottbus (GWC) und ist normalerweise akkurat umzäunt. Ein Zaun mit Banner verdeckt den Blick auf den Abstieg.
Was einst an der Stadtpromenade in Cottbus stand
„Spätestens 2006 war hier alles platt“, berichtet Martin Maleschka und weist darauf hin, was dadurch alles an dieser Stelle verschwand: „Die blaue Uhr, die Fußgängerbrücke, die Pavillons, Brunnen, Kunst. Manches ist zwar an anderer Stelle aufgebaut worden, hat dort aber an Wirkung verloren.“

Historisch Aufnahme der Stadtpromenade in Cottbus samt Brunnen: Dieses Bild ist um 1990 entstanden.
Michael HelbigBarbara Lehmann kennt all das, was Maleschka beim Blick in sein Buch überblättert. Doch die Freude, an diesem Tag noch einmal in den längst ausgestorbenen Räumen der Bowlingbahn stehen zu können, verdeckt die Wehmut. „Man kann die Zeit nicht zurückdrehen“, sagt sie, „aber es wäre schön, wenn hier etwas Neues Schönes entstehen könnte.“
Was das sein könnte und wie es dann hier aussehen könnte, vermag auch Stadtplaner Marco Laske noch nicht anzukündigen. Fest stehe nur, dass es viele Ideen gebe und die baulichen Gegebenheiten eine große Herausforderung seien.
LR-Leser René Reifenberger ist 1968 geboren und steht beim Ausflug in die ehemalige Bowlingbahn regelrecht unter Adrenalin. „Meine Mutter hat hier an der Bar gearbeitet“, berichtet er. Leider könne sie aus gesundheitlichen Gründen heute nicht dabei sein, aber er werde ihr die Fotos zeigen, die er gemacht hat. „Ja, das wird bestimmt emotional“, sagt er auf Nachfrage und hüpft schon wieder weiter auf der Suche nach Motiven.
Es ist ein gefährliches Unterfangen im Untergrund der Stadt: Von der Decke bröckelt es, auf dem Boden liegen Stolperfallen, an einigen Stellen regnet es durch, an anderen ist es rutschig und verdreckt.
Doch zwischendurch blitzen kleine Kostbarkeiten durch - so wie die hellblau und rosa gefliesten Toilettenräume, die im Schutt wie ein pastellfarbenes Kleinod wirken, die knallig gelbe Wandfarbe, das spezielle Design, das sich von den Zeichen der Zeit nicht kleinkriegen lässt.

Mit Sicherheitshelm im Untergrund unterwegs: LR-Leser Renate und Bernd Nieschan freuen sich über die Möglichkeit, den gesperrten Bereich der Stadtpromenade in Cottbus besuchen zu können.
Michael HelbigFast unbemerkt schleicht Bernd Nieschan durch die Kellerräume, inspiziert die Verteilerkästen, die Wirtschaftsräume, staunt darüber, wie lange die Dinge erhalten blieben. Zuletzt sei er zu DDR-Zeiten hier unten gewesen, sagt er, nun habe er seiner Frau Renate den Abstieg in seine jungen Jahre ermöglichen wollen. Renate Nieschan selbst stammt nicht aus Cottbus, kennt aber die vielen Geschichten, die sich um das Areal ranken. „Jetzt kann ich mir das ein bisschen besser vorstellen“, sagt sie, „auch wenn es hier mittlerweile sehr abenteuerlich aussieht.“
Seltenes Fundstück taucht unter der Stadtpromenade auf
Die Zeit ist schnell um und erscheint vielen doch wie stehen geblieben. Einen besonderen Fund hat Steffen Krestin, ehemaliger Leiter der städtischen Sammlungen in Cottbus, bei dem Trip in die Abgründe der Stadt gemacht. „Ich habe den Untersetzer eines Eisbechers aus dem Mokka gefunden“, sagt er. „Der wandert nächste Woche gleich ins Museum.“
Beseelt macht sich auch Barbara Lehmann wieder auf den Heimweg. „Ich habe mich heute als treue LR-Leserin richtig gewertschätzt gefühlt. Das war eine ganz große Freude, ein Erlebnis, das ich so schnell nicht vergesse“, sagt sie und winkt, bevor hinter ihr die Zäune mit dem Sichtschutz wieder geschlossen werden.












