November 1989. Die Unruhe in der DDR wächst, auch die Verunsicherung. Noch ist die Lausitzer Rundschau Organ der Bezirksleitung Cottbus der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Aber die Erkenntnis hat sich durchgesetzt, dass man als Zeitung nicht mehr an den Demonstrationen und Kundgebungen im Land vorbeisehen kann.

Werner Walde? Zurückgetreten!

Was sich dann zunächst so liest: „Cottbus. Tausende nahmen gestern auf dem Berliner Platz vor der Stadthalle der Bezirksstadt an einer Demonstration teil, zu der Parteiorganisationen aus Betrieben und Einrichtungen von Cottbus und Umgebung aufgerufen hatten.“ Immerhin.
Aber nun: „Die Teilnehmer drückten ihr Mißfallen zur Wahl Werner Waldes zum Kandidaten  des Politbüros des Zentralkomitees der SED vom Mittwoch aus.“  Was für Töne in der Parteizeitung! Und was für eine Schlagzeile weiter ober auf dieser Seite: „Werner Walde zurückgetreten“, der 1. Sekretär der Bezirksleitung Cottbus der SED also!

Zeitung war weiterhin Partei-Organ

Aber natürlich war die Gewichtung der Themen noch grundsätzlich die eines Partei-Organs: „ZK berief 4. Parteikonferenz für 15. bis 17. Dezember ein“ oder: „Internationale Pressekonferenz über zweiten Beratungstag des ZK-Plenums“, so die Überschriften der Hauptbeiträge. Und natürlich ging es noch um die Erneuerung des Sozialismus: „Viele Redner forderten schnelle, wirksame Taten zur Veränderung der komplizierten Lage im Lande, für einen erneuerten, demokratischen Sozialismus. Ebenso stand das Verlangen nach einem außerordentlichen Parteitag, nach Wahlen in der SED von untern nach oben und nach freien Wahlen mit im Blickpunkt.“
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die kleine Meldung „Mahnung an der Grenze“: „Am südlichsten Zipfel der Republik passierten am Donnerstag stündlich drei- bis viertausend DDR-Bürger mit dem PKW den Grenzübergang Schönberg Richtung CSSR. 
Auf den letzten Kilometern auf heimatlichem Territorium wurden die Kraftfahrer links und rechts der Strecke begleitet von mahnenden Plakaten: ,Bleibt hier – wir brauchen Euch’, ,Statt schweigen und ziehen – hier kämpfen und mitziehen’. . . Aufgestellt wurden viele dieser Aufforderungen zum nochmaligen Überlegen von Mitgliedern des ,Demokratischen Aufbruchs’ der Ortsgruppe Markneukirchen.“

Neue Reiseregelungen nach Maueröffnung abgedruckt

Da hatte SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski längst sein Satzgebilde „Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich“ auf einer internationalen Pressekonferenz herausgebracht. Die Mauer war offen, und in der Rundschau finden sich tatsächlich auch am 10. November 1989 die neuen Reiseregelungen wieder – als Zweispalter, aber immerhin auf der Titelseite. . .