Speed-Dating in Cottbus
: So lief das erste Date zwischen Lesern und den LR-Machern

Beim ersten Speed-Dating der LR trafen sich Leser und Reporter zum offenen Austausch auf Augenhöhe. Welche Themen standen im Fokus?
Von
Solveig Schneider
Cottbus
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Rundschau Speeddating: Rundschau-Leser Günter Schüppel (r-l) ist beim Speed-Dating der LAUSITZER RUNDSCHAU im Gespräch mit Chefredakteur Claus Liesegang und Online-Chef Tilo Winkler.

Rundschau-Leser Günter Schüppel (r.) beim Speed-Dating der LAUSITZER RUNDSCHAU im Gespräch mit Chefredakteur Claus Liesegang (hinten) und Online-Chef Tilo Winkler. Das erste Speed-Dating begeisterte sowohl die Nutzer des Nachrichtenportals als auch die Macher.

Frank Hammerschmidt
  • Erstes Speed-Dating der Lausitzer Rundschau mit Lesern und Redaktion in Cottbus fand großen Anklang.
  • Themen: Verkehrsprobleme, Stadtentwicklung, Kultur, Landwirtschaft und redaktionelle Arbeitsweise.
  • Teilnehmer äußerten Wünsche: mehr Berichte zu Kultur, Landwirtschaft und psychischer Gesundheit.
  • Kritik: Leser wünschten mehr Differenzierung und Genauigkeit in Berichterstattung und Sprache.
  • Fortsetzung des Formats geplant, weitere Anregungen können Leser per E-Mail einreichen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wie entstehen Nachrichten? Nach welchen Kriterien werden Themen bearbeitet – oder eben nicht? Und welche Geschichten bewegen Cottbus? Beim ersten Speed-Dating der LAUSITZER RUNDSCHAU am Mittwochnachmittag (30. Juli) hatten interessierte Leserinnen und Leser die Gelegenheit, den Machern der Zeitung – darunter Mitglieder der Chefredaktion, Online-Reporter und die Social-Media-Chefin – die Fragen zu stellen, die ihnen schon lange unter den Nägeln brennen.

In kurzen, intensiven Gesprächen à zehn Minuten ging es unter anderem um Verkehrsprobleme in der Innenstadt, die medizinische Versorgung in der Region, das kulturelle Leben in und um Cottbus und auch um die Arbeitsweise der Zeitung selbst. Dabei war der Austausch so lebendig, dass der Zeitplan schnell zur Nebensache wurde. Moderatorin Christina Sleziona von der Online-Redaktion hatte Mühe, sich Gehör zu verschaffen, als sie nach zehn Minuten zum Wechsel aufrief – die Gespräche waren offenbar zu spannend und anregend.

Eine der Teilnehmerinnen des Speed-Dates war Anna Schmidt (31), Krankenschwester an der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem. In ihrem Gespräch mit den Reporterinnen und Reportern der LR ging es vor allem um das Nachtleben und die Kulturszene in Cottbus. Ihr Eindruck: Die Angebote werden spürbar weniger – gerade jetzt in der Sommerpause. „Wenn etwa das ‚Comicaze‘ geschlossen hat, bleibt kaum noch etwas übrig“, sagte sie. Ihre Bitte an die Redaktion: Solche kulturellen Themen sollten regelmäßig in den Fokus gerückt werden – „damit sichtbar wird, wie sehr sich gerade jüngere Menschen eine lebendige Stadt wünschen.“

Rundschau Speeddating: Rundschau-Leserin Anna Schmidt (l) ist beim Speed-Dating der LAUSITZER RUNDSCHAU im Gespräch mit Angela Boll, Leiterin der Regionalredaktion Cottbus / Spree-Neiße.

Rundschau-Leserin Anna Schmidt (l.), hier im Gespräch mit Angela Boll, Leiterin der Regionalredaktion Cottbus / Spree-Neiße. Links neben ihr sitzt Sven Thomas (50), der sich mehr Beiträge zur Stadtenwicklung wünscht.

Frank Hammerschmidt

Beim Speed-Dating gibt es auch kritische Fragen an die Reporter

Ebenfalls mit dabei war Sven Thomas (50), der im Bereich Gebäudereinigung arbeitet. Neugierig auf die Arbeitsweise der Redaktion, wollte er wissen, wie Themen in der LR eigentlich entstehen. Dabei scheute er sich auch nicht, kritische Anmerkungen zu äußern: Mehr Beiträge zur Verkehrsführung, zu Radwegen, zu Mietpreisen und zur Stadtentwicklung insgesamt – das würde er sich in der Berichterstattung wünschen. Das Speed-Dating selbst empfand er als gelungenen Austausch: „Es waren nette Gespräche, eine schöne Momentaufnahme“, so sein Fazit.

Mit Günter Schüppel aus Senftenberg war einer der treuesten Leser der LR beim Speed-Dating mit dabei. Seit Jahrzehnten verfolgt er die Nachrichtenlage in der Region mit großer Aufmerksamkeit – täglich liest er LR-Berichte, wendet sich mit Anregungen an die Redaktion. Im Gespräch mit Chefredakteur Claus Liesegang wies er freundlich, aber bestimmt darauf hin, dass ihm Rechtschreibfehler auffallen. Ein Beispiel dafür, wie wichtig engagierte Leser sind.

Beim ersten Speed-Date war auch Angelika Koal (66) zu Gast, die viele Jahre mit großem Engagement die Selbsthilfekontaktstelle Rekis geleitet hat. Auch wenn sie inzwischen im Ruhestand ist, setzt sie sich weiterhin für Themen ein, die ihr am Herzen liegen. Ein besonderes Anliegen war ihr, darauf hinzuweisen, dass bei der Berichterstattung über Gesundheitsthemen auch die psychische und seelische Gesundheit nicht aus dem Blick geraten darf. „Das kommt in manchen Artikeln noch zu kurz“, so ihre Beobachtung – verbunden mit dem Wunsch, dieser Perspektive künftig mehr Raum zu geben.

Peter Schollbach (69), Landwirt und ehemaliger Kommunalpolitiker, machte sich beim Speed-Date für eine stärkere Berichterstattung über Landwirtschaft stark. „Die Landwirtschaft hat in der Lausitz eine enorme Bedeutung – das spiegelt sich in den Medien aber viel zu selten wider“, sagte er.

Schollbach selbst war an der Organisation der jüngsten Bauernproteste beteiligt und kritisiert, dass Landwirte in der öffentlichen Wahrnehmung häufig einseitig dargestellt würden: „Wenn Mitarbeitende der Deutschen Bahn oder im Krankenhaus streiken, wird das akzeptiert – bei uns Bauern heißt es schnell, wir seien die Störenfriede.“ Sein Wunsch an die Redaktion: differenzierte Berichterstattung über die Anliegen der Landwirtschaft und deren Bedeutung für die Region.

Rundschau Speeddating: Rundschau-Leserin Angelika Koal (r) ist beim Speed-Dating der LAUSITZER RUNDSCHAU im Gespräch mit Heike Reiß, Reporterin für Cottbus / Spree-Neiße.

Angelika Koal (r.), die frühere Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle Rekis, wünscht sich, dass die LR bei Beiträgen rund um Gesundheit künftig häufiger auf das Unterstützungsangebot von Rekis hinweist.

Frank Hammerschmidt

Speed-Dating in Cottbus: Das Format soll fortgesetzt werden

Beim ersten Speed-Dating der Lausitzer Rundschau zeigte sich auf beiden Seiten, wie wichtig und wertvoll der direkte Austausch zwischen Journalisten mit Leserinnen und Lesern ist. Die Gespräche empfanden die Teilnehmer als intensiv, ehrlich und voller Impulse.

Die lebendige Atmosphäre und das Interesse der Leser wirkte im Redaktionsteam nach. Schon jetzt steht fest: Dieses Format soll keine einmalige Aktion bleiben. Ob an einem anderen Ort in Cottbus oder mit neuen thematischen Schwerpunkten – Ideen für weitere „Dates mit den Lesern“ entstanden bereits direkt im Anschluss. Und weitere Anregungen sind ausdrücklich erwünscht: cottbus@lr.de