Das Handy wird ja inzwischen für nahezu fast alles verwendet: als Fotoapparat, Terminkalender, Kontakthalte-Mittel, Lieblingsmusik-Spieler, Zugang zum Bankkonto. Oft sind auf dem kleinen Gerät sämtliche Kontakte, Notizen, Termine und Bilder gespeichert – und oft nur hier. Deshalb gleicht es für viele einem Super-Gau, das Handy zu verlieren. Fast jedem vierten Deutschen ist es nach einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom schon einmal passiert.
So auch einem Cottbuser vor einigen Wochen. Er hatte sein Handy auf dem Autodach liegen gelassen: weil es nicht in die Hosentaschen passte und er beim Einsteigen die Hände voll hatte. Als ihn nach einigen Metern Autofahrt ein Lkw anblinkte, wunderte er sich. Doch es fiel ihm wie Schuppen von den Augen, als er nach Ankunft sein Handy suchte – und nicht fand. Doch solange er auch den Straßenrand absuchte: Sein Handy war verschwunden. Es klingelte auch nicht mehr, wenn er die Nummer wählte. Das Gerät mit den wichtigen Daten war weg.

Cottbuser Fundbüro: Von 54 Fund-Handys wurden nur 14 abgeholt

Ein Aushang in der Stadt brachte ebenso wenig wie ein Anruf im Fundbüro. Deshalb hat er auch mit dem Thema abgeschlossen und will auch nicht mit seinem Namen genannt werden. Er konnte ein früheres Handy aktivieren und hatte so zumindest wichtige Kontakte wieder.
Wie eine Nachfrage im Cottbuser Fundbüro ergibt, ist er in bester Gesellschaft: Denn mehr als die Hälfte der angefragten verlorenen Handys sind nicht im Fundbüro abgegeben worden. Andere wiederum werden abgegeben, aber niemand fragt nach. Laut Fundbüro sind in diesem Jahr bisher 54 Fund-Handys abgegeben worden, aber nur 14 wurden von ihren Besitzern abgeholt. 2020 waren es 57 Fund-Handys gewesen, von denen 18 abgeholt wurden.
Generell sei der Fundbüro-Kontakt vor der Corona-Pandemie häufiger gewesen: So wurden 2019 noch 72 Fund-Handys abgegeben und 39 abgeholt.
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Forst

Cottbuser Polizei-Sprecherin: Anzeige nur bei Handy-Diebstahl

Was sollte man also tun, wenn man sein Handy verloren hat?
  • Das eigene Handy anrufen: „Als erstes sollte man per Anruf auf dem verlorenen Mobiltelefon versuchen, ob man durch einen ehrlichen Finder wieder zu seinem Eigentum kommt“, rät Lisa Högden, Sprecherin der Verbraucherzentrale Brandenburg.
  • Anzeige bei der Polizei: Eine Anzeige bei der Polizei sei nur sinnvoll, wenn das Handy gestohlen wurde, so die Cottbuser Polizeisprecherin Ines Filohn. Orten dürfe die Polizei das Handy entgegen landläufiger Meinung aber nur, wenn Gefahr für Leib und Leben bestehe. Das sei beispielsweise der Fall, wenn jemand vermisst werde. „Zur Ortung brauchen wir eine richterliche Anordnung“, so die Sprecherin. Ansonsten wäre es ein Grundrechtseingriff.
  • Ortungs-Apps nutzen: Man könne jedoch laut Verbraucherzentrale selbst versuchen, den Standort des verlorenen Smartphones mit speziellen Lokalisierungsprogrammen oder Diebstahl-Apps zu ermitteln – sofern man diese nutze. Teilweise seien diese auf dem Gerät vorinstalliert, teilweise als Zusatzfunktion eines Viren-Scanner-Programms oder als zusätzliche App zu installieren.
  • Sperrung durch Netzbetreiber: Seien diese Möglichkeiten ausgeschöpft, müsse über den Netzbetreiber eine Sperrung der SIM-Karte veranlasst werden. „Bei telefonischer Sperrmeldung sollte ein Zeuge hinzugezogen werden, um bei Streitigkeiten den Sperrzeitpunkt nachweisen zu können“, so Lisa Högden. Eine Sperre sei häufig auch über den Online-Zugang beim Mobilfunkanbieter möglich. „Dazu ist es wichtig, seine Handyrufnummer, SIM-Kartennummer und Kundennummer/Kundenkennwort zu kennen.“

Cottbus

Verbraucherzentrale: Zugriffssperre und Datensicherung

Am wichtigsten ist laut Verbraucherzentrale die Vorbeugung: „Für ehrliche Finder sollte man die E-Mail-Kontaktdaten auf das Handy kleben. Bei vielen Geräten ist es möglich, auf dem Handy die eigene Festnetznummer oder E-Mail-Adresse zu hinterlegen, die auch bei aktivierter Displaysperre angezeigt werden.“
Zudem sollte ein Zugriffscode (Pin, Wischmuster) aktiviert sein, damit Diebe keinen Zugriff auf die gespeicherten Daten erhalten. Zudem gebe es die Möglichkeit, Schutzsoftware zu installieren, die auch bei Verlust eine Datenlöschung aus der Ferne erlaubt.
„Damit der Datenverlust klein bleibt, sollte man die Daten des Mobiltelefons regelmäßig extern sichern“, so Lisa Högden. Auch der betroffene Cottbuser hat jetzt eine Cloud aktiviert – einen Speicherort im Internet, auf den man auch vom Computer zugreifen kann.

Tipps von Verbraucherzentrale und Fundbüro

Bei den Diebstahl-Apps, die man selbst auf dem Handy installieren kann, empfiehlt die Verbraucherzentrale, immer im Vorfeld zu recherchieren, welche Zugriffe die App verlangt, ob und welche Daten regelmäßig gesendet werden und welche Kosten entstehen können, zum Beispiel durch automatisierte Anrufe. „Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass Daten auch gestohlen werden können. Ob man sich für eine App und damit für die Preisgabe gewisser persönlicher Daten entscheidet, muss jeder selbst abwägen“, so Sprecherin Lisa Högden.
Für eine Anzeige bei der Polizei ist laut Verbraucherzentrale die IMEI-Nummer des Gerätes erforderlich. Diese steht in aller Regel auf dem Karton, in dem das Handy verpackt war, oder wird nach Eingabe von *#06# im Display angezeigt.
Im Fundbüro werden Handys sechs Monate nach Anzeige des Fundes aufbewahrt. Danach werden beschädigte Handys und iPhones, die per iCloud gesichert sind, entsprechend der Datenschutzbestimmungen vernichtet. Die anderen werden an die Deutsche Umwelthilfe (DUH) für die Aktion der DUH gemeinsam mit dem Ministerien für Umwelt- und Verbraucherschutz übergeben. Die Geräte sollen dabei wieder aufbereitet oder umweltfreundlich recycelt werden.