Rechtsextremismus in Cottbus: Synagoge erneut beschmiert und Brandfackel im Hausflur

Nach einem volksverhetzenden Schriftzug an der Synagoge in Cottbus ist das jüdische Gotteshaus binnen kurzer Zeit wieder mit einem rechtsextremistischen Symbol beschmiert worden. Die Schmiererei ist abgedeckt worden.
Patrick Pleul/dpa- In Cottbus wurde die Synagoge binnen weniger Tage zweimal beschmiert – Staatsschutz ermittelt.
- In der Nacht zum 27. April 2026 entdeckte die Polizei ein großes rechtsextremes Symbol.
- Bereits am Freitag wurde ein kleiner volksverhetzender Schriftzug an der Fassade festgestellt.
- Schutzmaßnahmen werden geprüft, die Polizei sucht Zeugen und sichtet mögliche Videoaufnahmen.
- Im Wohnprojekt „WK51“ wurde eine Rauchbombe gezündet, ein politischer Hintergrund wird geprüft.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
An diesem Montagmorgen bleibt ein Polizeiwagen neben der Synagoge in der Fußgängerzone von Cottbus stehen. Der Eingang des jüdischen Gotteshauses wird bewacht, und das hat einen Grund. Gegen 3.30 Uhr in der Nacht zum 27. April 2026 habe eine Streife ein etwa 1,50 Meter mal zwei Meter großes rechtsextremistisches Symbol an der Synagoge entdeckt, wie Sascha Erler, Sprecher der Polizeidirektion Cottbus, mitteilt.
Vom Zeichen ist nichts zu sehen: Die verbotene Schmiererei ist mit blickdichter Folie überklebt. „Wir stehen seit heute Nacht mit der jüdischen Gemeinde und dem Ordnungsamt in Kontakt, um sicherzustellen, dass das so schnell wie möglich entfernt wird“, sagt Erler.
Laut dem Polizeisprecher war es noch nicht vorgekommen, dass ein antisemitisches Symbol „in dieser Größenordnung“ an der Cottbuser Synagoge gezeichnet wurde. Allerdings sei bereits am Freitag, 24. April 2026, bereits ein kleiner Schriftzug mit Stift in der Größe von 10 mal 15 Zentimetern an der Fassade festgestellt worden.

Die Synagoge in Cottbus, die sich in der ehemaligen evangelischen Schlosskirche befindet, wurde 2015 eingeweiht – als erstes jüdisches Gotteshaus in Brandenburg seit dem Holocaust. 1938 hatten die Nazis die damalige Synagoge in Cottbus niedergebrannt.
Patrick Pleul/dpaDer für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz ermittelt inzwischen in beiden Fällen. Die Synagoge selbst ist von außen nicht videoüberwacht, es werde jetzt aber geprüft, ob Videoaufnahmen aus der Umgebung bei der Identifizierung der Täter helfen können. Auch Zeugen werden von der Polizei gebeten, sich bei der Polizei zu melden.
„Ich hoffe, dass es das letzte Mal ist, dass so etwas passiert“, sagt Gennadi Kuschnir, der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden des Landes Brandenburg. Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe die jüdische Gemeinschaft in Cottbus Angst, so Kuschnir. Er lobt aber gleichzeitig die Zusammenarbeit mit der Polizei und mit der Stadt Cottbus. Aktuell werde geprüft, ob die Schutzmaßnahmen rund um die Synagoge angepasst werden müssten, so der Sprecher der Polizei.
Alternatives Wohnprojekt in Cottbus mit Rauchbombe angezündet
Und noch ein aktueller Fall beschäftigt derzeit den polizeilichen Staatsschutz in Cottbus. In der Nacht zum Montag sei im Wohnhaus „WK51“ in Cottbus-Mitte eine Rauchbombe gezündet worden. Gegen 23.50 Uhr sei die Polizei alarmiert worden, so Sascha Erler. „Da hat jemand ein bengalisches Feuer (Bengalo) in den Flur geworfen. Die rauchen extrem, sodass alle Bewohner das Haus verlassen mussten“, sagt er.
„Wir dachten, unser Haus brennt“, wird eine Bewohnerin in einer Pressemitteilung der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg anonym zitiert. Niemand sei verletzt worden, teilt der Sprecher der Polizei jedoch mit. Da es sich um ein alternatives Wohnprojekt handelt, prüft die Polizei derzeit den politischen Hintergrund. Laut dem Sprecher der Polizei seien bereits im März 2026 Steine an die Tür des Hauses und an die Fenster geworfen worden.
„Hier wohnen ganz unterschiedliche Menschen: internationale Studierende, Handwerker*innen sowie zivilgesellschaftlich und kulturell engagierte Menschen. Dieser Angriff trifft uns als vielfältige Gemeinschaft. Wir erwarten von Polizei, Politik und den Eigentümern des Hauses wirksamen Schutz“, sagt die Bewohnerin des Hauses weiter.
Die Zahl rechter Gewalttaten in Brandenburg war nach Angaben des Vereins Opferperspektive im vergangenen Jahr auf einen Höchstwert gestiegen. Für das Jahr 2025 seien 290 rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe gezählt worden, teilte der Verein mit. Im Jahr zuvor waren es 273 Angriffe. Auch die Zahl der Betroffenen habe mit 523 einen Höchstwert erreicht.


