Räumungsklage in Cottbus
: Wie lange kann die WG in der Karlstraße  noch bestehen?

Der Kampf des Wohnprojektes K29 an der Karlstraße in Cottbus geht weiter. Ein Gerichtstermin zum Räumungsverfahren brachte kein Urteil. Was das für die Bewohner der WG bedeutet.
Von
Stephan Meyer
Cottbus
Jetzt in der App anhören
Protest K29 Gerichtsplatz : K29-Projekt kämpft ums Überleben
Eine bunte Kundgebung mit Bewohnern und Sympathisanten auf dem Gerichtsplatz vor dem Landgericht in Cottbus begleitete am Donnerstagvormittag den Gerichtsprozess um das alternative Wohnprojekt Karlstraße 29. Für die Bewohnerinnen und  Bewohner der K29, des Wohn- und Kulturprojektes in der Karlstraße 29, begann das neue Jahr mit einem weiteren Gerichtsprozess. Nach dem Scheitern der vorangegangenen juristischen Auseinandersetzungen und inzwischen erfolgter Modernisierung versucht der Berliner Eigentümer nun über einen weiteren Prozess seine Pläne mit einer Räumungsklage durchzusetzen. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses würden dagegen das Haus gern über ein Miethäusersyndikat kaufen, das hieße, dass das Haus denjenigen Mietern gehört, die darin wohnen, erklärte Mitbewohnerin und Mitorganisatorin der Kundgebung vor dem Landgericht, Mathilda Knorpp. Bisher sei der Eigentümer jedoch nicht zu Gesprächen bereit gewesen, obwohl man auf ihn zugegangen sei. Sollte es weiterhin keine außergerichtliche Einigung geben, würde das eine Veränderung der Struktur des Hauses und das Ende des bunten Projektes bedeuten. Im schlimmsten Falle stünden 12 Erwachsene, zwei Teenager, eine Katze und ein Hund in naher Zukunft auf der Straße. Für die Stadt würde das zugleich den Verlust eines wichtigen Kulturortes der ohnehin kleinen alternativen Szene in Cottbus bedeuten.

Am Landgericht in Cottbus ist erneut zu einer Räumungsklage gegen das Wohnprojekt K29 in der Karlstraße verhandelt worden. Währenddessen haben sich Bewohner und Sympathisanten auf dem Gerichtsplatz vor dem Amtsgerichts zu einer bunten Kundgebung zusammengefunden.

Michael Helbig
  • Räumungsverfahren gegen WG K29 in Cottbus blieb ohne Urteil – Ungewissheit bleibt.
  • Bewohner und Unterstützer protestierten mit bunter Kundgebung vor dem Amtsgericht.
  • WG lebt seit mehr als fünf Jahren in Unsicherheit; hangelt sich von Gerichtstermin zu Termin.
  • Investor aus Berlin plant Modernisierung und höhere Mieten; lehnte Gespräche laut WG ab.
  • K29: seit kurz nach der Wende, 14 Personen, sozio­kulturell aktiv, breite Unterstützung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Erneut hat am Landgericht in Cottbus ein Gerichtstermin im Räumungsverfahren gegen das Wohnprojekt K29 in der Karlstraße stattgefunden. Wieder ist die Verhandlung ergebnislos ausgegangen.

Der Ausgang des Verhandlungstermins, heißt für die WG vor allem eins: eine Fortsetzung der Ungewissheit, wie Bewohner Stefan Binder erklärt. „Dass es zu keinem Ergebnis kam, bedeutet für uns, dass sich die Zitterpartie erst mal fortsetzt.“

Seit mehr als fünf Jahren leben die Bewohner des Wohnprojektes mit einem Gefühl permanenter Unsicherheit. „Wir hangeln uns von Gerichtstermin zu Gerichtstermin. Das verschafft uns Zeit, um zu überlegen, wie es weitergehen könnte. Aber echte Lösungen, die uns ein dauerhaftes Bleiben hier sichern, gibt es bisher nicht“, sagte Stefan Binder erst kürzlich gegenüber LR.de. Der 26-jährige BTU-Student lebt seit drei Jahren in der Wohngemeinschaft.

Dass nun weiterhin keine Lösung in Sicht ist, ist für die WG jedoch kein Grund aufzugeben. „Wir bleiben hier. Wir lassen uns nicht verdrängen“, kommentiert Binder entschlossen den Ausgang des jüngsten Gerichtstermins.

Das hat der Investor mit der Karlstraße 29 in Cottbus vor

Das Wohnprojekt K29 in der Karlstraße in Cottbus existiert seit kurz nach der Wende. 14 Personen, darunter Studenten, Auszubildende, Schüler und Familien, leben gemeinschaftlich im denkmalgeschützten Haus. Die einzelnen Mieten werden nach Einkommen und Möglichkeiten der Bewohner bemessen.

Diese organisieren in der Nachbarschaft soziokulturelle Veranstaltungen und richten jährlich das Karlstraßenfest aus. Auch deshalb erfährt das Wohnprojekt Unterstützung aus der Stadt. Über 100 Sympathisanten fanden sich nach Angaben des K29-Vereins parallel zum Gerichtstermin zu einer bunten Kundgebung am Gerichtsplatz zusammen.

Mit dem heutigen Eigentümer, einem Investor aus Berlin, liegen die Bewohner seit mehreren Jahren im Rechtsstreit. Er will das Gebäude Stück für Stück modernisieren und die Wohnungen anschließend für einen höheren Mietpreis vermieten. Das Wohnprojekt muss sich daher regelmäßig mit Abmahnungen, Räumungsklagen und erzwungenen Umzügen auseinandersetzen.

Ein Richter hatte den beiden Parteien schon eine außergerichtliche Einigung nahegelegt. Gesprächsangebote seitens der WG seien vom Investor ausgeschlossen worden, wie die Bewohner mitteilen.

Der Berliner Investor hat auf eine schriftliche Anfrage zu einer Stellungnahme über den Ausgang des Verhandlungstermins innerhalb einer genannten Frist nicht reagiert.