Kerstin Mundt-Rakow aus Gallinchen leidet an einer seltenen neurologischen Krankheit. Ihre Beine kann sie kaum bewegen. Regelmäßig geht sie zur medizinischen Fußpflege, um ihre „zappelnden Füße“, wie sie sagt, behandeln zu lassen.

Doch seit den Corona-Beschränkungen dürfen Fußpfleger und Kosmetiker, die diese Leistung anbieten, nicht mehr arbeiten. Selbst bei den geplanten Lockerungen ab 4. Mai, von denen vor allem Friseure profitieren, bleibt diese Berufsgruppe unberücksichtigt.

Ohne Behandlung kein schmerzfreien Laufen möglich

Dagegen wehrt sich eine Online-Petition. Gefordert wird, die Fußpflege wieder zu gestatten. Für viele Kunden sei der Besuch beim Fußpfleger alle drei bis vier Wochen zwingend nötig, da ein schmerzfreies, entspanntes Laufen sonst oft gar nicht möglich sei, heißt es in der Begründung.

Verwiesen wird auch auf die ohnehin strengen Hygienevorschriften in der Branche. Viele Fußpfleger arbeiten mit Mundschutz, einige sogar mit Schutzbrille. Rund 11 000 Menschen haben die Petition bereits unterschrieben. Die Initiatoren wollen nach Abschluss der Aktion die Unterschriftensammlung an den Bundestag übergeben.

Auch Kerstin Mundt-Rakow gehört zu den Unterstützern. Sie kann nicht verstehen, warum die Fußpflege nicht erlaubt wird. „Eine wahrhaft schmerzvolle Entscheidung für die Betroffenen“, kritisiert sie. Betroffen sind vor allem ältere Menschen und Diabetiker. Letztere können sich auf Rezept auch beim Podologen behandeln lassen.

Es gibt zu wenig Podologen in Cottbus und Umgebung

Allerdings gibt es in der Region noch zu wenig von diesen Spezialisten, um den Bedarf abdecken zu können. Deshalb lassen sich Betroffene oft auch von Kosmetikern behandeln, die medizinische Fußpflege als Dienstleistung anbieten und oft auch zu Hausbesuchen oder ins Pflegeheim kommen.

Die Entscheidung der Bundeskanzlerin und der Regierungschefs der Länder, die Lockerungen zunächst nur auf Friseure zu beschränken, kritisiert auch die Handwerkskammer (HWK) in Cottbus. „Kosmetiker und Fußpfleger haben alle große Erfahrungen und sind routiniert im Umgang mit Hygiene und Desinfektion“, sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Knut Deutscher.

Handwerkskammer Cottbus kritisiert Entscheidung zur Fußpflege

„In ihrer täglichen Arbeit müssen sie Hygienestandards umsetzen, die gesetzlich vorgeschrieben und einzuhalten sind, um eventuelle Erkrankungen auf den anderen Kunden nicht zu übertragen“, führt er weiter aus. Da immer auch nur ein Kunde behandelt wird, seien die Vorsichtsmaßnahmen auch gut umsetzbar. „Wir können nicht verstehen, warum es diesen Handwerkern nicht ermöglicht wird, ihre Dienstleistungen anzubieten“, sagt er.

Im Gegensatz zu den Kosmetikern können Podologen auch aktuell Patienten behandeln. Sie gehören zu den nicht-ärztlichen Heilberufen und arbeiten meist auf ärztliche Verordnung, wie Franziska Albinus erklärt. Sie selbst ist Podologin und praktiziert seit fast zehn Jahren, zunächst in Spremberg, seit 2017 in Cottbus.

Podologen in Cottbus und Umgebung behandeln ihre Patienten weiter

Dass Behandlungen abgesagt werden, erlebt sie nur selten. Allerdings empfindet sie die neuen Hygienemaßnahmen als durchaus anstrengend. „Jede Türklinke und jeder Stift müssen nach jeder einzelnen Behandlung desinfiziert werden“, berichtet sie.

Für ihre Patienten ist die regelmäßige Kontrolle und Behandlung enorm wichtig. Aufgrund von Nerven- und Durchblutungsstörungen bemerken sie Verletzungen oder Entzündungen am Fuß meist gar nicht. „Ich sehe, ob der Schuh drückt oder es ernsthafte Wunden gibt, die vom Arzt behandelt werden müssen“, sagt sie.

Auch nach Angaben des Verbandes deutscher Podologen kann durch die fachkompetente Behandlung von Diabetikern, flankiert durch gegebenenfalls erforderliche orthopädieschuhtechnische Maßnahmen, die Zahl der Amputationen um mehr als 50 Prozent reduziert werden.

533 Kosmetiker im Kammerbezirk


Nach Angaben der Handwerkskammer gibt es im Kammerbezirk Cottbus insgesamt 533 Kosmetiker. 102 davon arbeiten in der Stadt Cottbus, 159 sind im Landkreis Dahme-Spreewald tätig, 108 in Spree-Neiße, 91 in Elbe-Elster und 73 im Landkreis Oberspreewald-Lausitz.

Der Beruf der Kosmetikerin ist ein anerkannter Ausbildungsberuf, der als duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule drei Jahre dauert. Eine rein schulische Ausbildung an einer Kosmetikfachschule läuft meist nur über zwölf bis 15 Monate.