Obst in Cottbus
: Naschen am Wegesrand – was erlaubt ist und was nicht

Das Obst reift am Wegesrand. Die Verlockungen in und um Cottbus sind groß, vegan zu naschen. Was dabei erlaubt ist, und was Naschkatzen lassen sollten.
Von
Stefanie Krautz
Cottbus
Jetzt in der App anhören
Die Obsternte steht bevor - mancherorts wird gestohlen

Reifes Obst bringt Gärtnern Arbeit – Passanten greifen auch gern zu. Ist das legal?

Bernd Weissbrod/dpa
  • Obstpflücken in Cottbus ist oft verboten; agrarisch angebautes Obst und Nachbars Garten tabu.
  • Kleine Mengen wilder Pflanzen wie Beeren oder Pilze auf öffentlichen Flächen erlaubt.
  • Straßenbäume gehören meist Gemeinden; Ernten teils mit Genehmigung, teils frei.
  • Plattform Mundraub.org zeigt erlaubte Fundstellen für öffentlich zugängliches Obst.
  • Pädagogisches Zentrum Cottbus bietet Naturbildung, Obst ernten dort untersagt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die erste Ernte des Sommers lockt. Die Kirschen leuchten in Nachbars Garten und an verwilderten Wegstrecken am Wegesrand. Da ist die Verlockung groß, sich etwas in den Mund zu stecken.

Manch einer nascht Kirschen direkt vom Baum. Unter der Hand kursieren Hinweise, wo es etwas zu ernten gibt, Mirabellen etwa oder Brombeeren.

Rechtlich aber steht Obst außerhalb des eigenen Gartens aber nicht für jedermann zur Ernte zur Verfügung. Woher aber weiß ich, ob ich die Kirschen oder Äpfel an einem bestimmten Standort mitnehmen darf?

Das ist legal aus Anwalt-Sicht auf die vegane Verlockung

Deutlich wird Rechtsanwalt Swen Walentowski auf der Internetseite der Anwaltsauskunft. Er weist darauf hin: „Es ist nicht erlaubt, jedes Obst zu pflücken oder jedes Gemüse zu nehmen, das man etwa auf einem seiner Spaziergänge entdeckt.“ Verboten ist es, zuzugreifen, wenn das Obst oder Gemüse agrarisch angebaut sind. Das Obst am Kirschbaum in einer Kleingartenanlage ist ebenso tabu wie die Maiskolben auf einem Feld.

Juristisch ist es ein Diebstahl, wenn man sich in agrarisch kultivierten Gebieten selbst bedient oder in Nachbars Garten. Das gilt auch, wenn die Äste des Nachbarbaumes auf das eigene Grundstück ragen. Denn auch das Obst an diesen Ästen gehört dem Nachbarn. Nur wenn das Obst von allein auf das eigene Grundstück fällt, darf man es aufsammeln.

Die Gesetze sind streng beim wilden Obst, auch beim Essen

Anders sieht es das Bundesnaturschutzgesetz vor für Produkte wild lebender Pflanzen wie Pilze, Kräuter und Beeren im Wald, die nicht unter Naturschutz stehen. Dort darf jeder zugreifen. Es muss sich aber um kleine Mengen für den eigenen Gebrauch handeln, wie sie die „Handstraußregelung“ des Bundesnaturschutzgesetzes beschreibt. Konkret ist auf dieser Basis erlaubt, auf allgemein zugänglichen und nicht gesondert geschützten Flächen Pflanzen in geringen Mengen zu entnehmen.

Für Außenstehende ist nicht immer einfach zu sehen, ob ein Grundstück einer Privatperson gehört. Gärten sind umzäunt, als Privateigentum erkennbar. Bei Feldern oder Wäldern ist das oft nicht so. Daher lassen, so Swen Walentowski, Richter meist Milde walten in diesen Fällen.

Herrenloses Obst? Das ist legal am Wegesrand

Eine andere Frage ist das Obst an Straßenbäumen. Sie sind nicht herrenlos. In der Regel gehören sie der Gemeinde, an deren Straße sie stehen. Die Kommunen gehen damit verschieden um. Teilweise muss eine Genehmigung eingeholt werden, in anderen Fällen darf man sich frei bedienen. Auf öffentlichen Plätzen darf gepflückt werden. Dazu zählen frei zugängliche Orte wie Gehwege, Straßen, Grünstreifen, Wiesen und Wälder –sofern sie nicht in Privatbesitz sind. An herrenlosen, verwilderten Obstbäume darf geerntet werden. Wer den Einsatz von gesundheitsschädlichen Pflanzenschutzmitteln auf einer Fläche befürchtet, kann sich beim Grünflächenamt danach erkundigen.

Kai Kliffmann ist Gärtner im Pädagogischen Zentrum für Natur und Umwelt (PZNU), dem ehemaligen Zentralschulgarten der Stadt Cottbus. Der Kirschbaum auf dessen Gelände ist voll reifer Kirschen. Das spontane Ernten und Naschen ist hier nicht vorgesehen.

Kai Kliffmann ist Gärtner im Pädagogischen Zentrum für Natur und Umwelt (PZNU), dem ehemaligen Zentralschulgarten der Stadt Cottbus. Der Kirschbaum auf dessen Gelände ist voll reifer Kirschen. Das spontane Ernten und Naschen ist hier nicht vorgesehen.

Stefanie Krautz

Für Naschkatzen ist auch in Cottbus wichtig: Wer ist Eigentümer?

Wer einen Apfelbaum zur legalen Fremd-Ernte sucht, kann auf die Seite Mundraub.org gehen. Was dort eingetragen ist. Auf der zugehörigen Karte können Nutzer einen Ort oder eine Straße eingeben, und nach Obstbäumen und -sträuchern, Nussbäumen oder Kräutern suchen. Verzeichnet sind auch Brombeerhecken oder Hagebutten. Der Hinweis bleibt: Es sollte nachgeschaut werden, ob der Fundort tatsächlich auf öffentlichem Grund liegt. Angezeigt wird allerdings vermutlich niemand, wenn er eine einzelne Kirsche nascht.

Das Obst reift am Wegesrand – wo werde ich fündig?

Für Cottbus finden sich hier 26 Fundstellen für alle, die gratis ein veganes, fruchtiges Naschwerk suchen. Noch ist allerdings längst nicht jeder Brombeerstrauch eingetragen, und die Fundstellen für Blaubeeren in den Wäldern der Region behalten die meisten erfolgreichen Sammler lieber für sich.

Wo es in Cottbus legal ist, der süßen Verlockung zu erliegen

Für Menschen ohne Garten, die dennoch das Wachsen und Reifen von Obst erleben wollen, gibt es in Cottbus das Pädagogische Zentrum für Natur und Umwelt (PZNV). Dort locken nicht nur Veranstaltungen zum Gärtnern, Obstbaumschnitt und Brotbacken, sie sind über das Zentrum selbst buchbar oder über die Volkshochschule. Zu sehen sind in der großen Anlage an der Dahlitzer Straße auch große Obstbäume, zum Beispiel mit Kirschen. Diese sind nicht zum Ernten für jedermann offen. Auch wenn das Zentrum in öffentlicher Trägerschaft ist: Dort gibt es keine Selbstbedienung.

Mirabellen am Wegesrand in Cottbus.

Mirabellen am Wegesrand in Cottbus.

Stefanie Krautz

In Parks zu naschen, ist tabu

Das Obst wird allerdings nicht etwa verkauft. Kai Kliffmann, Gärtner im Zentrum, sagt: „Wir haben Bildungsangebote für alle Zielgruppen und Generationen, von der Kita bis zum Seniorenkreis. In diesen Angeboten, in denen es zum Beispiel um gesunde Ernährung geht, verwenden wir, was bei uns wächst.“

Als Beispiel nennt Kliffmann: „Die Kohlrabis bei uns verwenden wir auf zweierlei Weise. Einige lassen wir wachsen, für die weitere Anzucht. Die anderen verarbeiten wir, da gibt es zum Beispiel einmal Kohlrabi-Waffeln.“

Anschauen kann sich jeder, was im großen Garten des PZNV wächst – das Gelände ist täglich von sechs bis 16 Uhr offen. Gäste können sich am Froschteich erfreuen und schauen, was gerade blüht. Aber, ergänzt Kliffmann: „Ein öffentlicher Park ist das hier nicht, und kein Ort für Federballspiel und Picknick.“

Bewusst genießen

Von der Lausitz bis ins Oderbruch, vom Havelland bis in die Uckermark - Brandenburg ist keineswegs die kulinarische Wüste, als die das Land oft geschmäht wird.

Zum Podcast