Newscamp 2026 in Cottbus: 260 Schüler neugierig auf News, Liveticker und Co.

Schüler informieren sich beim Newscamp Brandenburg 2026 in der Online-Redaktion von Lausitzer Rundschau und Märkischer Oderzeitung, darüber, wie Nachrichten in die Digitalen Kanäle der beiden Tageszeitungen gelangen.
Frank Hammerschmidt- Newscamp 2026 in Cottbus: 260 Schüler trainieren Fake-News-Erkennung und Social-Media-Nutzung.
- Workshops zeigen Medienproduktion – von Live-Ticker bis Gerichtssaal-Recherche.
- Brandenburgs Ministerpräsident betont Medienkompetenz, Schüler schildern Prüfungsstrategien.
- Debatte um Jugendmediennutzung: Smartphone-Verbot gefordert, andere setzen auf Lern-Apps.
- JIM-Studie 2025: 12–13-Jährige 2:46 Std., 14–15-Jährige 3:37 Std. täglich am Smartphone.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Auf dem Gelände der Lausitzer Rundschau in Cottbus rauchen die Köpfe. Nicht nur wegen der glühenden Temperaturen, sondern auch wegen des Desinformator-Quizzes. An einem Stand erscheint auf dem Bildschirm ein Foto von Soldatinnen. Wurde es wirklich in der Ukraine aufgenommen, wie es in der Bildunterschrift steht? Und ist der Tweet von Donald Trump zu Entwicklungshilfegeldern aus den USA wahr - oder doch Fake News? Die Jugendlichen, die an diesem Workshop teilnehmen, finden sofort die richtige Antwort und sammeln Punkte.
Insgesamt 260 Schülerinnen und Schüler aus Cottbus, Lübben (Landkreis Dahme-Spreewald) und Herzberg (Landkreis Elbe-Elster) haben sich für das Newscamp 2026 angemeldet. Es wird zusammen von der Lausitzer Rundschau und ihren Partnern Radio Cottbus und UseTheNews (dpa) mit Unterstützung von EnviaM und der Sparkasse Spree-Neiße organisiert. Bei der Veranstaltung blicken die Jugendlichen hinter die Kulissen moderner Medienproduktion – und dürfen auch selbst mitmachen.
Diese Möglichkeit gab es bereits dreimal bei der Redaktion des Schwesterportals MOZ.de in Frankfurt (Oder), zuletzt vor etwa einer Woche. „Aufgrund des großen Interesses von Schulklassen bieten wir das nun auch für den Bereich der Lausitzer Rundschau an“, sagt Chefredakteur Claus Liesegang.
Beim Newscamp Cottbus lernen Schüler, Fake News zu erkennen
Während einige Schüler zum Mikrofon greifen, um ein Informationsvideo aufzunehmen, lernen andere, wie ein Krimi-Reporter Informationen aus dem Gerichtssaal sammelt. In einem anderen Workshop geht es darum, kurze Meldungen für den Live-Ticker des LR-Nachrichtenportals zu schreiben.
Sogar Brandenburgs Ministerpräsident darf an die Tasten gehen und selbst tickern. Dietmar Woidke (SPD) ist an diesem Tag zu Gast bei der Zeitung und macht einen Rundgang durch die verschiedenen Workshops. „Der Umgang mit verschiedenen Medien ist für junge Menschen heute ganz normal, teilweise sogar in sehr jungem Alter. Deswegen ist es wichtig, Kompetenz im Umgang mit diesen Medien zu haben. Im Prinzip geht es darum, zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden zu lernen“, sagt er.
Das findet Eric Noack (17) nicht so einfach. „Es gibt so viele Möglichkeiten, Nachrichten zu faken. Und dann sehen sie so authentisch aus. Aber man sollte immer die Quelle prüfen“, sagt er. Er habe am Cottbuser Ludwig-Leichhardt-Gymnasium bereits Unterricht dazu gehabt.

Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident des Landes Brandenburg, wird an einem Stand von Märkischer Oderzeitung und Lausitzer Rundschau von Klara Ostwald begrüßt.
Frank HammerschmidtSandra Bloch, Lehrerin für politische Bildung an der Spreewaldschule in Lübben, habe ihrer Seite nicht die Zeit, um den richtigen Umgang mit Medien ins Fach zu integrieren. „Ich habe leider nur eine Stunde in der Woche für die Klasse 8, und viele Inhalte müssen untergebracht werden, da ich auch für die Demokratieerziehung zuständig bin.“
Handy-Verbot für die Jugendlichen?
Wie Medienkompetenz in Schulen gestärkt werden kann, ist nicht nur in Cottbus an diesem Tag ein heiß diskutiertes Thema. Zufälligerweise übergibt die Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt” am gleichen Tag 56 Handlungsempfehlungen an Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU). Vor allem ihre Empfehlung zu einer eventuellen Mindestaltersgrenze für soziale Medien wurde erwartet.
Die Kommission sieht zwei mögliche Alternativen. Entweder eine gesetzliche Mindestaltersgrenze von 13 Jahren für Social-Media-Accounts mit wirksamer Altersprüfung und abgestuften Schutzstandards für die Altersgruppen 13–16 und 16–18 Jahre oder spezifische Beschränkungen je nach Risikobewertung der jeweiligen sozialen Medien und Plattformen.
Beim Newscamp sind ganz verschiedene Meinungen zu hören. Sita Tschirschwitz, Deutschlehrerin an der Lausitzer Sportschule in Cottbus, wünscht sich ein generelles Smartphone-Verbot für Jugendliche unter 18 Jahren: „Sie können nicht mehr auswendig lernen, weil sie durch die schnellen Schnitte im Internet daran gewöhnt sind, nur wenig Aufmerksamkeit investieren zu müssen.“ Ihre Kollegin Kathrin Elstermann, Lehrerin für politische Bildung an derselben Schule, ist da nicht so radikal. In ihrer Klasse dürfen die Schüler gelegentlich mit dem Handy recherchieren. „Es gibt auch sehr gute Lern-Apps“, sagt sie.
So versuchen traditionelle Medien, die Jugendlichen zu erreichen
Auch die traditionellen Medien versuchen, Informationen auf Social Media vernünftig zu präsentieren. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hat mit @deindailyupdate sogar einen speziellen TikTok-Kanal für Jugendliche zwischen 17 und 21 Jahren gelauncht.
„Die Art und Weise, wie man sich an sie wendet, ist ebenfalls sehr wichtig, denn sie müssen sich darin wiedererkennen können - so wie bei den Influencern oder Creators, denen sie normalerweise folgen. Wir sprechen ihre Sprache“, sagt die Journalistin Salomé Hénon-Cohin.

Schüler sprechen sich an einem Stand des RBB im Rahmen des Newscamp Brandenburg in Cottbus für die Produktion eines Podcasts ab.
Frank HammerschmidtAlles in allem haben die Jugendlichen bei den verschiedenen Workshops viel Neugier und Interesse gezeigt. „Wir wurden unter anderem gefragt, woher wir unsere Informationen bekommen oder ob man studieren muss, um Journalist zu werden“, sagt Ronny Gersch, Geschäftsführer von Radio Cottbus. „Ich glaube, es ist für uns auch wichtig, mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen, weil das für klassische Medien heute schwieriger geworden ist.“
LR und MOZ, die zum gleichen Medienhaus gehören, bemühen sich, auch jüngere Internetnutzer zu erreichen. „Unsere Reporterinnen und Reporter lernen alle Videojournalismus, um zusätzlich Bewegtbilder für die sozialen Kanäle und zur Einbindung auf unseren Webseiten anbieten zu können“, sagt Chefredakteur Claus Liesegang.
So viel Zeit verbringen junge Menschen mit dem Handy
Wie junge Leute im Alter von zwölf bis 19 Jahren soziale Medien tatsächlich nutzen, untersucht die jährlich erscheinende JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest - JIM steht für „Jugend, Information, Medien“. Aus der jüngsten Studie aus dem Jahr 2025 geht hervor:
12- bis 13-Jährige verbringen im Durchschnitt zwei Stunden und 46 Minuten mit ihrem Smartphone, 14- bis 15-Jährige drei Stunden und 37 Minuten!
Dabei sind die Gewohnheiten von Person zu Person sehr unterschiedlich. So verbringt Anna Ivasenko (15) von der Theodor-Fontane-Schule in Cottbus nur zwei Stunden am Tag mit ihrem Handy, ihre Freundin Emilia Avasian (13) hingegen bis zu sieben Stunden. Eric Parreidt (13) nutzt sein Smartphone im Schnitt nur eine Stunde am Tag - meistens, um im Bus auf dem Schulweg Musik zu hören. Er findet, dass seine Freunde viel zu viel online sind. „Das kann den Augen schaden“, sagt er.

Das sind die Partner, die das Newcamp der LR 2026 unterstützen.
Sebastian Lehmann / EnviaM / Sparkasse Spree-Neiße / Radio CottbusEs gibt aber auch junge Menschen, die die Printzeitung lesen, wie der 12-jährigen Erik Neumann. Seine Eltern haben ein Abonnement, von dem er ab und zu profitiert: „Ich lese meistens Artikel über Feuerwehreinsätze oder über Festivals und Feierlichkeiten, die in der Stadt stattfinden“, sagt er.






















