Es ist, als würde sie wieder nachhause kommen. Viele Jahre hat die Sammlung Carl Blechen, sie umfasst etwa 500 Werke – davon 85 von Carl Blechen – unterschiedliche Quartiere gehabt. In Branitz war sie in den letzten 75 Jahren immer. 1911 von den Cottbuser Stadtvätern initiiert, zwei Jahre später offiziell begründet, zählt sie heute neben die der Alten Berliner Nationalgalerie zu den weltweiten größten Sammlungen jener Art. Pünktlich zu seinem 224. Geburtstag – geboren wurde Carl Blechen am 29. Juli 1798 in Cottbus – erhält diese einzigartige Sammlung nun eine neue Heimat.
Dass sie im Schloss Branitz bleibt, überrascht nicht, sind doch hier die kuratorischen Voraussetzungen und das kunsthistorische Wissen gut gediehen. Im Schloss sind fünf Räume für Blechen und seine Zeitgenossen freigemacht. Sehr groß sind sie nicht, waren doch die sogenannten Fürstenzimmer jene Räume, in denen Pückler nach seinem Umzug aus Muskau im Jahr 1845 wohnte.
Stürmisches neben Blechen: "Bewegtes Meer" von Karl Hagemeister.
Stürmisches neben Blechen: „Bewegtes Meer“ von Karl Hagemeister.
© Foto: Foto: Thomas Klatt/ Copyright: Pückler-Stiftung Schloss und Park Branitz
Adelig großzügig und üppig? Keine Spur! Das zwingt das Branitzer Kuratoren-Team heute zur Konzentration und Verknappung, was in den aufwändig restaurierten Räumen gut gelingt. Von zuweilen „luftiger“ Anordnung – bis zur ausschweifenden Petersburger Hängung im größten der fünf Räume – sind nun 120 Arbeiten zu sehen, davon 50 von Blechen selbst. Als aktuelle Annäherung an Blechen sind Arbeiten des Cottbuser Künstlers Steffen Mertens dabei, darunter eine Büste und eine Plastik.
Die Ausstellung präsentiert in mehreren Werkgruppen die Entwicklung Blechens: vom Frühwerk bis hin zu den späten Arbeiten; auch jene, die anlässlich seiner ausgedehnten Italien-Reise 1828/29 entstanden. Und die seinen Ruf als bedeutendster deutscher Landschaftsmaler in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts neben Casper David Friedrich begründeten.
Bald erkennt der heutige Besucher das Besondere an Blechen: Er sah Landschaften nicht als romantisierenden Motive, ja er bediente den damaligen Massengeschmack gar nicht. Vielmehr wurde die einfache Landschaft, das Wilde, das Ungezähmte, das Alltägliche der Natur, zu seinen liebsten Sujets. Kunstwissenschaftler sind sich längst einig: Mit seinem Spiel von Farbe und Licht gilt er als ein Wegbereiter des Impressionismus. „Seine Kunst hat nichts von der plastischen Strenge Schadows (…) und nichts von Menzels Pflichtfanatismus. Seine Kunst tut, was in Berlin die Kunst fast nie getan hat: sie blüht“, sagte der Kunstkritiker und Verleger Karl Scheffler 1917 über Blechen, der auf Empfehlung Schinkels 1831 zum Professor für Landschaftsmalerei an der Akademie der Künste ernannt wurde.
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Hatte die Sammlung bis in den Zweiten Weltkrieg hinein mehrere Standorte in der Cottbuser Innenstadt (darunter das Logenhaus, später Kammerbühne), wurde sie 1943 zum Schutz aus der Stadt gebracht und in Klein Döbbern bei Cottbus ausgelagert. Die Sammlung wurde gerettet, allerdings waren Kriegsschäden und Verluste – höchstwahrscheinlich durch Plünderungen – zu verzeichnen. Im Jahre 1947 gelangte sie nach Branitz, wo sie viele Jahre nur bedingt im Mittelpunkt stand.
Zum Teil war das nachvollziehbar, denn das Schloss war zwar städtisches Museum, aber der stille Held war schon damals: Pückler. Bis 1990 konnten jedoch die drei kleineren Salons im Erdgeschoss des Schlosses als Ausstellungsräume für Blechen genutzt werden. In den letzten Jahren waren Teile der Sammlung im Untergeschoss des Besucherzentrums des Parks zu sehen – auch das wohl eher unterrepräsentiert.
Die neue kleine, aber „intensive“ Dauerausstellung ordnet Blechen kunsthistorisch ein – in die Nähe seiner Zeitgenossen und Kollegen, und macht dabei viele Bezugspunkte zu Schülern und Gleichgesinnten deutlich. Erstmals werde auch die Sammlungskonzeption von 1927 verdeutlicht, weiß der Branitzer Stiftungschef Stefan Körner. So treten Werke von Adolph von Menzel, Max Liebermann und Lovis Corinth mit denen Blechens in den Dialog. „Die Ausstellung soll auch darüber hinauswirken“, sagt Körner.
Carl Blechen in der DDR Liebling der Mächtigen

Berlin

Obwohl sich Pückler und Blechen wahrscheinlich nie begegnet sind, würden die beiden Meister der Landschaft, der eine als Gärtner, der andere als Maler, unter einem Dach neu zusammengeführt. Sie öffne aus damaliger Zeit gesehen, den Blick ins bevorstehende 20. Jahrhundert. Die Allianz dieser beiden Großen mitten in Pücklers Parklandschaft sei gerade der Reiz dieser neuen Präsentation, empfindet auch Gabi Grube, neue Kulturamtsleiterin der Stadt Cottbus.
Dauerausstellung: Carl-Blechen-Sammlung in den Fürstenzimmern des Schlosses Branitz. Ab 29. Juli 2022. Geöffnet Mittwoch bis Montag 11–18 Uhr, Dienstag geschlossen. Tel. 0355 75150

Carl Blechen, ein Künstler aus Cottbus

Obwohl der am 29. Juli 1798 in Cottbus geborene Carl Blechen nach dem Wunsch seiner Eltern Bankkaufmann geworden war und diesen Beruf auch einige Jahre ausübte, war er der geborene Maler. Er schuf mit seiner Genialität im kühnen Entdecken und seinem leidenschaftlichen Temperament mit einem gewissen Hang zum Abgründigen ein malerisches, vielzähliges und vielfältiges Lebenswerk. Trotz seiner realistischen, ja sogar „protoimpressionistischen“ Tendenzen, die auf seinem ungezwungenen Umgang mit der Farbe beruhen, offenbart sich bei Carl Blechen ein tiefes romantisches Weltbild. Sein künstlerisches Schaffen ist geprägt von einer absoluten Hingabe an die Natur. Er selbst war überzeugt, „Gottes Natur erkannt und empfunden“ zu haben. Carl Blechen ist neben Casper David Friedrich der bedeutendste Landschaftsmaler in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.