„Colora“, so heißt die neue insgesamt circa 200 Tonnen schwere Druckmaschine, die in diesem Jahr ins Druckhaus der Lausitzer Rundschau eingezogen ist und am ersten Tag im Juli 2021 erfolgreich Druckpremiere feiert. Sie ist acht Meter hoch und damit imposanter und jünger als ihr Vorgänger namens „Journal“.
Die „Journal“ geht nach mehr als 30 Jahren in den verdienten Ruhestand – den sie auf dem Schrottplatz verbringen wird. Jetzt folgt die „Colora“, die aus Oranienburg in die Lausitz versetzt wurde.
„Das ist wie ein Lottogewinn“, sagt Frank Käppler. Der Druckerei-Leiter arbeitet seit 1974 in der LR, hat selber Zeitung gedruckt und ist seit 1982 in diversen leitenden Funktionen für Planung und Produktion eingesetzt. „Mit der Investition ist die Entscheidung gefallen, in Cottbus auf die Zukunft zu setzen“, sagt Käppler.

Die neue Druckmaschine ist das größte Geburtstagsgeschenk

Die Alternative wäre die Schließung des Druckstandortes in Cottbus gewesen. Nicht zuletzt logistische Argumente, also die Verteilung der Zeitung, hätten für die Investition in die „Colora“ gesprochen.
Aufbau der neuen Druckmaschine in Cottbus

Millionen-Investition Aufbau der neuen Druckmaschine in Cottbus

Ein im wahrsten Sinne des Wortes größeres Geschenk hätte es für das Medienhaus zum 75. Geburtstag kaum geben können. Aber Geschenk ist nicht gleich Geschenk. Während herkömmliche Präsente entgegengenommen, ausgepackt und genutzt werden, hat die Colora etwas „Besonderes“ mitgeliefert: Baustress! Herr über die Baumaßnahmen ist und war Andreas Bonow.
Vor genau einem Jahr, im Juli 2020, wurde die Baugenehmigung erteilt - viel später als ursprünglich geplant. Woran hat es gelegen? „An der Statikprüfung für den Standort der neuen Druckmaschine“, sagt Andreas Bonow.
Denn der ursprünglich geplante Standort, unmittelbar neben der alten Druckmaschine, kam nach fachlicher Analyse nicht infrage. Erst für Standort-Variante Nummer vier, das Papierlager, gab es schließlich das Okay.

Starkfrost verzögert Aufbau der neuen Druckmaschine

Wie sagt man so schön? Nach der Problemlösung ist vor der Problemlösung. Weil wesentlich später als geplant mit dem Bau begonnen werden konnte, „sind wir mitten in den Winter reingekommen“, sagt Bonow. Ein 14-tägiger Starkfrost sorgte für die nächste Verzögerung: Für den Einbau der „Colora“ musste das Hallendach umgebaut und geöffnet werden. „Das konnten wir bei dem Wetter nicht machen“, sagt Projektleiter Bonow. „Die verlorene Zeit konnten wir aber mit straffen Prozessen und parallel laufenden Arbeiten wieder einholen.“
Ende Februar ging es weiter: Mit einem Schwerlastkran wurden einzelne Bestandteile durch die Öffnung im Dach in die Halle gehoben und platziert. Mehr als 50 Firmen, gut die Hälfte davon aus der Lausitz, waren am Projekt beteiligt. „Ohne die gegenseitige Rücksichtnahme der Partnerfirmen hätte das alles nicht funktioniert“, bedankt sich Andreas Bonow bei allen beteiligten Unternehmen für die gute Zusammenarbeit.

Warum die Millionen-Investition in Cottbus notwendig war

Doch warum all dieser Stress? Hätte es die alte „Journal“ nicht auch noch eine Weile getan? Nein. Die 30 Jahre alte Drucktechnik musste abgelöst werden, da sind sich Druckereileiter Käppler und Projektleiter Bonow einig.
„Die Colora hat doppelt so viel Druckkapazität“, sagt Frank Käppler. Während die alte Maschine 16 Seiten mit hohem Aufwand farbig drucken konnte, schafft die „Colora“ nun 32 Seiten vollfarbig. Am Druckbild selbst wird sich nichts ändern. „Es bleibt bei der bisherigen guten Druckqualität“, sagt Bonow.
„Aber“, so Frank Käppler, „die Rundschau-Leser werden die Druckmaschinen-Investition über insgesamt gut vier Millionen Euro an Umfang und Strukturierung der Tageszeitung bemerken.“

Ab sofort gibt es wieder ein Sportbuch

Denn aus bisher drei Büchern, also drei Zeitungsteilen, werden nun vier. Die detaillierte Erklärung zur neuen inhaltlichen Struktur der Lausitzer Rundschau finden Sie in diesem Magazin auf den Seiten 8 und 9. Unter anderem bedeutet die neue Aufteilung: Es gibt täglich wieder ein eigenes Sportbuch und am Wochenende erscheint zusätzlich ein Journal mit großen Reportagen, Rätseln und vielem mehr.
Nun, da für die „Colora“ der Umzug in die Lausitz erfolgreich abgeschlossen ist, dürfte wieder etwas Ruhe in die Cottbuser Druckereihalle einkehren. Für Frank Käppler und sein Team ein schönes Gefühl. „Das ist schon sehr viel Stress. Aber genau diese Abwechslung, diese Herausforderungen und die Verantwortung machen die Arbeit für mich so besonders“, sagt der 63-Jährige, dessen Jobbeschreibung wohl auch gut auf die der Colora-Maschine zutrifft. Dem täglichen Druck standhalten, das schafft nicht jeder.

Von der Laura bis zur Colora

Mit einem Knopfdruck wird am 1. Mai 1957 die neue Rotationsdruckmaschine mit dem Namen „Laura“ in Betrieb genommen. Nicht nur die Druckkapazität erhöht sich, auch die Druckqualität und Aktualität der Lausitzer Rundschau werden wesentlich verbessert. Dank „Laura“ erscheint die Lausitzer Rundschau erstmals im Rheinischen Format (jetzige Zeitungsgröße) und mit neuem Zeitungskopf.
Im Januar 1974 beginnen die ersten Arbeiten für den Neubau der Druckerei und des Verlags- und Redaktiongebäudes in einem ehemaligen Schrebergarten­gelände zwischen der Garten­straße und der Straße der Jugend. Bereits am 18. Juni 1974 findet die Grundsteinlegung für das Druckhaus statt, der erste Probedruck auf der neuen Rollenoffsetmaschine RO 72 ist im September 1976 möglich. Ab April 1977 wird die gesamte Lausitzer Rundschau im modernen Rollenoffsetdruck hergestellt. 1992 kam dann die Druckmaschine „Journal“ zum Einsatz, die heute von der „Colora“ abgelöst wird.