Happy Birthday! Glanzvoll strahlt das Staatstheater in Cottbus am Sonntagmorgen. „Wir feiern 25 Jahre Versöhnung, Gemeinsamkeit, Offenheit, Zuversicht und Menschenliebe“, sagt Intendant Stephan Märki, der gemeinsam mit Prof. Dr. Gesine Grande, Präsidentin der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg, die Geburtstagsgäste begrüßt.
Zu feiern gibt es an diesem festlichen und fröhlichen 6. November vieles: 25 Jahre Max-Grünebaum-Stiftung – und die Preisträger natürlich. Insgesamt sind es im vergangenen Vierteljahrhundert 60 Preisgekrönte, die auch zu diesem Festakt eingeladen sind und alle ihren Weg gehen.
Gefeiert wird zudem der 171. Geburtstag von Max Grünebaum. Der jüdische Unternehmer hatte nicht nur großzügig den Bau dieses wunderbaren Kulturtempels unterstützt, sondern auch die Errichtung der Cottbuser Synagoge. Am 9. November 1938 wurde sie in der Reichspogromnacht zerstört, auch der jüdische Friedhof wurde geschändet. Die Nachfahren Max Grünebaums, die von den Nationalsozialisten aus der Stadt vertrieben wurden, schufen sich in Großbritannien eine neue Existenz.

25 Jahre Max-Grünebaum-Stiftung in Cottbus

Vor 25 Jahren kehrten sie zurück in die Stadt, um über die dunkelsten Kapitel der Vergangenheit hinweg eine Stiftung zu gründen, die seither der Zukunft, der großzügigen Förderung junger Talente aus Kunst und Wissenschaft dient. Mit Standing Ovations wird die Stifterfamilie, die aus England, Frankreich und Süddeutschland zu diesem Jubiläum gekommen ist, von den Cottbusern und ihren Gästen geehrt.
Auf der Bühne im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus am 6. November 2022: Die zum Festakt anlässlich des 25. Jubiläums der Max-Grünebaum-Stiftung anwesenden ehemaligen Preisträger und Preisträgerinnen und die Preisträgerinnen 2022.
Auf der Bühne im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus am 6. November 2022: Die zum Festakt anlässlich des 25. Jubiläums der Max-Grünebaum-Stiftung anwesenden ehemaligen Preisträger und Preisträgerinnen und die Preisträgerinnen 2022.
© Foto: Staatstheater Cottbus / Marlies Kross
Und jenen, die Cottbus seit Jahrzehnten beschenken, wird nun etwas zurückgegeben. Erstmals vor Publikum präsentiert die BTU einen 20-minütigen Jubiläumsfilm. Herzerwärmend wird die beeindruckende, etwa 150-jährige Geschichte der Cottbuser Familie Grünebaum auf geblättert. Eine Geschichte, die lange Zeit vergessen war und erst 1997 durch die Gründung der gleichnamigen Stiftung wieder zu neuem Leben erweckt wird.
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Familienmitglieder und ehemalige Preisträger wie die Sängerin Julia Bauer und der Schauspieler Oliver Breite kommen in dem Film zu Wort, der unter der Regie von Sebastian Rau entstand. Am Staatstheater ist in der Redaktion von Birgit Mache zudem ein liebevoll gestaltetes Buch entstanden, das ebenfalls die Familie und die Geschichte der Stiftung und Preisträgergeschichte(n) über Cottbus hinaus für die Nachwelt bewahrt.

Stiftungsgedanke schließt Brücken zwischen Großbritannien und Deutschland

Peter Gumbel, der wenige Stunden später im Cottbuser Dieselkraftwerk sein eigenes Buch „Citizens of Everywhere“ vorstellt, dankt im Namen der Stifterfamilie: „Wir sind im Geist der Versöhnung wegen unserer Familiengeschichte hier. Aber wir blicken auch nach vorn, auf die Zukunft“, betont er.
Der Stiftungsgedanke schließe von jeher Brücken zwischen Großbritannien und Deutschland ein, Weltoffenheit und internationale Ausrichtung: „Cottbus soll das New York Brandenburgs werden“, stellt der Urenkel Max Grünebaums trefflich ein Ziel dar, das mit fröhlichem Beifall quittiert wird.
Ein Anliegen, das wohl auch der Brandenburgische Kulturstaatssekretär Tobias Dünow im Sinn haben mochte, als er dazu aufforderte „diese großartige Geschichte der Versöhnung und Weltoffenheit“ weiterzuerzählen, wobei allerdings sein Grußwort leider etwas unbedarft daherkommt.

Emotionale Preisübergabe im Staatstheater Cottbus

Die Übergabe der Preise aber begleiten Emotionen und launige Reden wie auf einer Oscar-Verleihung. Max-Grünebaum-Preisträgerin 2022 des Staatstheaters Cottbus ist die georgische Sopranistin Ketevan Chuntishvil, gerade von Kritikern als die junge Callas in La Bohème gefeiert.
Die aus Forst stammende Mitarbeiterin Social Media Annalena Hänsel vom Staatstheater Cottbus erhält den Karl-Newman-Förderpreis 2022. Als das Theater pandemiebedingt in der Außenwahrnehmung in einen „Dornröschenschlaf“ zu fallen drohte, sorgte sie maßgeblich dafür, die lebendigen Momente hinter den verschlossenen Theatertüren über digitale Kanäle sichtbar zu machen.
Der Max-Grünebaum-Preis der BTU Cottbus-Senftenberg geht in diesem Jahr an Dr. phil. Clara Rellensmann. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit der Tempellandschaft von Bagan in Myanmar als ein hochkomplexes Beispiel für die ideologische missbräuchliche Aneignung dieses bedeutenden Ortes für die politischen Zwecke eines autoritären Regimes. Den Ernst-Frank-Förderpreis für ein Praktikum in England erhält die Studentin Thi My Linh Nguyen.

Cottbus

„Dinner for One“ mit Max-Grünepreis-Preisträger

Der Max-Grünebaum-Preis ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 3.500 Euro. Der Förderpreis für das Staatstheater finanziert eine Theaterreise nach London und der Förderpreis für die BTU einen Studienaufenthalt im Ausland.
Zwischendurch kredenzen die Max-Grünebaum-Preisträger von 2002 und 2003 Kai Börner und Thomas Harms ein vergnügliches „Dinner for One“. The same procedure as every year? Das gleiche Procedere wie jedes Jahr? Of course! Natürlich! Was für ein Glück für die Stadt, die Preisträger und die Zukunft der Region.
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Ein Vierteljahrhundert Max Grünebaum-Stiftung

Der jüdische Tuchfabrikant und Cottbuser Ehrenbürger Max Grünebaum (1851 bis 1925) förderte zeitlebens künstlerische und soziale Einrichtungen in Cottbus, darunter das Theater. Er spendierte nicht nur den ersten Theatervorhang, sondern ließ ihn auch in seiner Fabrik fertigen.
Die Nachfahren Max Grünebaums wurden in der Zeit des Faschismus aus Deutschland vertrieben und enteignet. Die Familie wagte in England einen Neuanfang.
In Erinnerung an das Wirken von Max Grünebaum in Cottbus errichteten die in England lebenden Enkel 1997 als Zeichen der Versöhnung die Max Grünebaum-Stiftung. Um das Staatstheater Cottbus und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg zu unterstützen, verleiht die Stiftung jährlich an künstlerische und wissenschaftliche Nachwuchskräfte die Max-Grünebaum-Preise und Förderpreise.