Leag in Cottbus
: Gefährdet der Umbau des Kohlekonzerns die Rekultivierung?

Die Umweltorganisationen Grüne Liga sieht enorme finanzielle Risiken für die Lausitz in der beschlossenen Leag-Umstrukturierung. Zu Recht?
Von
Jan Siegel
Cottbus
Jetzt in der App anhören
Sprengung der drei Kühltürme in Boxberg: 06.12.2024, Sachsen, Boxberg: Die Kühltürme des seit 1996 stillgelegten Kraftwerk Boxberg II. fallen nach einer Sprengung ein. Die Kühltürme standen jahrzehntelang für den Kraftwerksbetrieb und haben die Region optisch geprägt. Das Kraftwerk Boxberg wird von der Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG) betrieben. Foto: Robert Michael/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Sprengung von Kühltürmen in Boxberg. Das Energieunternehmen Leag in der Lausitz will sich ganz neu erfinden. Geplant ist der Wandel vom Kohlekonzern zum sauberen Energielieferanten der Zukunft.

Robert Michael/dpa

Der jetzt angekündigte größte Umbau des Lausitzer Energieunternehmens Leag und die damit verbundene Neuordnung der Geschäftsfelder sorgt für scharfe Kritik und viele Befürchtungen bei Umweltverbänden in der Lausitz. Die geplante neue Holding-Struktur halten sie für finanziell hochriskant.

Das Umweltnetzwerk Grüne Liga bezeichnet die Leag-Neustrukturierung als einen Schritt zum Aufbau einer „bad Bank“ für die Braunkohlesparte. Gemeint ist damit eine Sparte, die nur zu dem Zweck gegründet wird, notleidende Bereiche zu übernehmen und dann abzuwickeln.

Die Grüne Liga beklagt: Damit sollten Gewinne in langfristig einträglichen Geschäftsbereichen gegen einen Zugriff durch die künftige Rekultivierung gesichert werden, wenn sich die Kohleverstromung nicht mehr rechne. In diesem Fall blieben die Länder und damit die Steuerzahler auf Folgekosten des Kohleabbaus sitzen. Befürchtungen, dass sich das Kohleunternehmen damit seinen langfristigen Verpflichtungen zur Wiedernutzbarmachung der Bergbaufolgelandschaften entziehen will, gibt es vonseiten der Kohlekritiker seit Langem.

Leag-Umstrukturierung – wie riskant ist die Holding-Struktur

René Schuster von der Grünen Liga argumentiert mit Blick auf eine angekündigte Holding-Struktur, wie sie die Leag jetzt aufbauen wolle, in einem solchen Konstrukt, die einzelnen Gesellschaften grundsätzlich nicht füreinander haften würden. Mit Steuergeldern unterstützt, wolle der tschechische „Milliardär Kretinský als Leag-Eigentümer sein Imperium in der Lausitz ausweiten und neue Geschäftsfelder von den Risiken der eigenen Tagebaue unabhängig machen“, sagt Schuster. Und er fordert stattdessen: „Die Erträge der neuen Geschäftsfelder müssen für die Folgekosten der Tagebaue verantwortlich sein.“

Leag Holding GmbH

Der Plan zur Umstrukturierung der Leag: Unter dem Dach einer großen Leag Holding GmbH sollen die alte Kohle-Sparte und die neuen, grünen Geschäftsfelder firmieren. Kritiker halten die Struktur für sehr riskant.

Sebastian Schubert, Sebastian Lehmann, Michael Helbig

Leag-Umstrukturierung – der Plan der Aufsichtsräte

Die Aufsichtsräte der Leag haben jetzt die größte Umstrukturierung des Unternehmens beschlossen. Der Kohlekonzern soll in den kommenden Jahren umgebaut werden, um die Lausitz zum „größten grünen Kraftwerk Deutschlands“ zu entwickeln. Geplant ist dazu der massive Bau von Wind- und Fotovoltaik-Parks, die Etablierung riesiger Batteriespeicher, wasserstofffähiger Großkraftwerke für die langfristige Grundlastfähigkeit. Außerdem soll sich eine Leag-Sparte um den Ausbau großangelegter Biomasse-Aktivitäten – vor allem Fabriken für Holzpellets – kümmern. Die Braunkohletagebau und Kohlekraftwerke der Leag, sollen als fossile Auslaufmodelle auch in Zukunft „immanenter Bestandteil der neuen Leag-Holding“ bleiben.

Um die Wiedernutzbarmachung und Rekultivierung der Bergbauflächen in der Lausitz nach dem Ende der Kohleverstromung finanziell sicherzustellen, hatten die Länder Brandenburg und Sachsen die Vorgaben für die geforderten Sicherheiten im Jahr 2024 noch einmal nachverhandelt und verschärft.

Die neue Leag Gigawatt GmbH – was sich dahinter verbirgt

Neben der großen Leag Holding sollen die neuen Aktivitäten der Unternehmensgruppe künftig unter dem Dach der Leag Gigawatt GmbH gebündelt werden. Das betrifft drei Bereiche:

► In der Leag Renewables GmbH (Renewables, engl. für Erneuerbare Energien) werden alle Geschäftstätigkeiten zur Entwicklung, Errichtung und dem Betrieb von Wind- und PV-Anlagen gebündelt.

► Die Leag Clean Power GmbH (Clean Power, engl. für saubere Energie) konzentriert ihre Geschäftstätigkeit auf Projekte in den Bereichen Batteriespeicher, innovative Kraftwerke und Wasserstofflösungen.

► Unter der Leag Biomass GmbH werden die Produktion und der Vertrieb von Holzpellets der deutschen Leag Pellets GmbH und der schwedischen Scandbio AB zusammengefasst.