Ungewohntes Bild am 1. Mai. Zum ersten Mal seit über 70 Jahren wird der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) den Tag der Arbeit ohne Kundgebungen auf den Straßen begehen. Wegen der Einschränkungen durch das Coronavirus will der DGB stattdessen einen dreistündigen Livestream unter dem Motto „Solidarisch ist man nicht alleine“ veranstalten, wie der DGB mitteilte.

Mit dabei sind unter anderem der Sänger Konstantin Wecker und die Band Mia. Neben Gesprächen, Reden und Solidaritätsbotschaften soll es einen virtuellen Chor geben, der „You'll never walk alone“ singen wird. Auch die Gewerkschaften Verdi und IG Metall beteiligen sich an der Aktion.

Ganz ohne Demonstrationen auf der Straße wird der 1. Mai allerdings nicht abgehen. Etwas mehr als 20 kleine Kundgebungen mit jeweils höchstens 20 Teilnehmern sind nach Angaben der Polizei in Berlin genehmigt worden. Am Abend des 1. Mai planen Linke und Linksradikale statt der üblichen großen Demonstration dort spontane Protestaktionen. Rund 5000 Polizisten werden im Einsatz sein, hieß es.

Auch die Hamburger Polizei bereitet sich auf ein reges Demonstrationsgeschehen vor. Von ursprünglich 47 angemeldeten Aufzügen und Versammlungen seien 38 auch mit Blick auf Infektionsschutzvorkehrungen genehmigt und fünf untersagt worden, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag.

Bisher blieb es in Berlin friedlich

Am Vorabend des Feiertages blieb es weitgehend ruhig in Berlin. Im Stadtteil Friedrichshain lösten Einsatzkräfte an der Rigaer Straße/Ecke Liebigstraße eine nicht genehmigte Ansammlung aus dem linksautonomen Spektrum auf. Auf zwei Balkonen des Hauses Liebigstraße 34 war Feuerwerk gezündet worden.

Die Polizei stellte von einer mittleren zweistelligen Zahl von Menschen die Personalien fest oder nahm sie vorläufig fest. Dabei ging es um Verstöße gegen die Corona-Regeln oder den Vorwurfs des Landfriedensbruchs. Eine vollständige Bilanz zur Walpurgisnacht wollte die Polizei am Freitagvormittag vorlegen.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte zuvor betont, die Polizei werden mit Fingespitzengefühl vorgehen, „aber auch konsequent“. Demonstrationen dürften sich zum „Ischgl von Berlin werden“.

Gastronomen demonstrieren am 1. Mai in Cottbus

In Cottbus wird ebenfalls demonstriert. Hoteliers, Gastronomen, Lieferanten und Veranstalter wollen ab 12.30 Uhr am Staatstheater Position beziehen. „Wir werden auf über 700 leere Stühle blicken und so auf die prekäre Situation der Veranstalter, Lieferanten, Gastronomen und Hoteliers aufmerksam machen. Der Musiker Alexander Knappe wird als bekanntes Cottbuser Gesicht diese Aktion unterstützen“, kündigt die Organisatoren an.

In Görlitz und Zittau will die AfD Versammlungen zum Tag der Arbeit abhalten.

Parkeisenbahn fährt wieder in Cottbus

Pünktlich zum langen Wochenende wird die Parkeisenbahn Cottbus am 1. Mai um 10 Uhr den Fahrbetrieb aufnehmen. Das hat Cottbusverkehr-Sprecher Robert Fischer verkündet. Für den Betrieb gelten allerdings strenge Hygiene- und Abstandsregeln. So wird in den Zügen nur jedes zweite Abteil geöffnet sein, sodass ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern gewährleistet ist. Weiterhin dürfen sich in einem Abteil nur zusammengehörende Personengruppen, etwa Familien, aufhalten.

Auch Tierparks der Region haben seit dem vergangenen Wochenende wieder geöffnet.

In der Brikettfabrik Louise in Domsdorf werden ab dem 1. Mai ebenfalls täglich wieder Führungen angeboten.

(mit dpa)

Aktuelle Informationen zum Coronavirus und zur Lage in der Lausitz gibt es in unserem Liveticker.

Zahlen und Grafiken zur Ausbreitung des Coronavirus haben wir in unserem Dashboard für Sie zusammengefasst.

Bleiben Sie informiert mit dem kostenlosen Newsletter der LR-Chefredaktion.

Hintergründe zum Coronavirus in der Lausitz finden Sie in diesem Dossier.

#lausitzhältzusammen – die Plattform bei LR Online für alle privaten Hilfsangebote und Ankündigungen der lokalen Unternehmen.