In Cottbus, Forst, Senftenberg, Altdöbern oder auch Mittenwalde klingelten am Mittwochnachmittag bei zahlreichen Senioren die Telefone. Am anderen Ende meldeten sich vermeintliche Enkel oder Neffen in einer finanziellen Schieflage oder sogar angebliche Polizeibeamte. Zwischen 6000 und 53 000 Euro versuchten die Betrüger auf diesem Weg zu erbeuten. Alleine am Mittwoch wurden 18 solcher Fälle innerhalb von rund fünf Stunden der Polizeidirektion Süd gemeldet. Die ostsächsische Polizei vermeldete mehr als 30 Fälle seit Montagmorgen aus ihrem gesamten Einsatzgebiet. Hier haben es die Betrüger in folgenden Ortschaften versucht: Bautzen, Hoyerswerda, Weißwasser, Boxberg, Bad Muskau, Ebersbach-Neugersdorf, Wittichenau, Großdubrau, Radibor, Rothenburg, Königsbrück, Putzkau, Görlitz, Kamenz, Lauta und Elsterheide.

Aufmerksame Bankmitarbeiterin verhindert in Cottbus Enkeltrick

In Cottbus wurde eine Bankmitarbeiterin aufmerksam, als eine ältere Dame einen hohen Bargeldbetrag abheben wollte. Die Senorin weigerte sich allerdings, der Mitarbeiterin zu sagen, wofür sie das Geld benötigt. Diese benachrichtigte schließlich die Beamten. Polizeisprecher Ralph Meier: „Das zeigt, welchen hohen Druck die Anrufer auf die Betroffenen ausüben. Und die hohe Zahl der Fälle kann nur die Spitze des Eisberges sein.“
In Senftenberg hatte ein Betrüger dagegen Pech: Er gab sich am Telefon als Enkel aus. Der richtige Enkel saß allerdings gerade bei der angerufenen Oma am Tisch beim Mittagessen. Polizeisprecher Meier: „Informieren Sie sofort die richtige Polizei über den Notruf 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, auch wenn kein Schaden entstanden ist. Seien Sie auch der Polizei und anderen unbekannten Personen gegenüber an der Haustüre misstrauisch und rufen Sie die zuständige Dienststelle oder den Notruf an. Dort kann man den Einsatz bestätigen oder Ihnen Hilfe senden.“
Eine andere Taktik versprach den Opfern Geldgewinne von bis zu 175 000 Euro. Der Haken: Die Angerufenen müssen einen kleinen Betrag vorschießen, um an das Geld zu gelangen. So forderten die Betrüger zum Kauf von Einkaufsgutscheinen im Wert von bis zu 2.000 Euro auf. Der Ablauf sei simpel: Der Geschädigte kauft einen Gutschein in einem Supermarkt. In einem späteren Anruf diktiert er dem Betrüger die Gutscheinnummer. Dieser kann dann frei über das Guthaben verfügen. Auch in Sachsen hatten die Betrüger Erfolg:
In Jenkwitz überwies eine 57-Jährige knapp 9000 Euro auf ein britisches Konto. Der Betrag sollte als Einlagensicherung ihren Gewinn in Höhe von 175 000 Euro absichern.
Ähnlich erging es einer 72-Jährigen in Rothenburg. Sie kaufte im Supermarkt Google Play Gutscheine im Wert von 2.000 Euro und gab die Codes am Telefon weiter.

Betrüger erbeuten 2019 und 2020 bislang mehr als 100 000 Euro

Im Jahr 2019 gab es im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Süd insgesamt 161 Anzeigen. Davon waren leider 23 mit einem Gesamtschaden von 55 000 Euro erfolgreich. Im Jahr 2020 registrierte die Polizei bisher weniger Fälle, dafür erbeuteten die Betrüger aber bisher schon über 70 000 Euro.
Kontakttelefonnummern und Hinweise zum Schutz vor aktuellen Betrugsmaschen gibt es auf der Internetseite der Brandenburger Polizei unter www.polizei.brandenburg.de