Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg soll auf dem Weg zum Kohleausstieg von 2025 bis 2028 vom Netz gehen. Das teilte die Bundesregierung am Donnerstag in Berlin mit. Zuvor hatten sich der Bund und die vier Länder mit Braunkohle-Regionen auf den Zeitplan für den Ausstieg aus der Kohle geeinigt. Das Kraftwerk Jänschwalde in der Lausitz ist nach Angaben des Betreibers Leag derzeit das drittgrößte Kraftwerk Deutschlands, wenn die Blöcke in der Sicherheitsbereitschaft eingerechnet werden. Das Kraftwerk Schwarze Pumpe soll bis Ende 2038 vom Netz.

Woidke zufrieden mit dem vereinbarten Fahrplan

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat den vereinbarten Fahrplan für den Braunkohleausstieg positiv beurteilt. „Ich bin froh, dass jetzt Klarheit herrscht“, erklärte der Regierungschef am Donnerstag. Die langjährige Finanzierung der Strukturstärkung werde gewährleistet. „Die Lausitz bleibt Energie- und Industrieregion. Die Finanzierung der künftigen Mediziner-Ausbildung in Cottbus wird gesichert.“

Das Abschaltszenario vom Kraftwerk Jänschwalde

Der Block A soll nun Ende 2025 stillgelegt werden, Block B Ende 2027, beide sollen in Sicherheitsbereitschaft gehalten werden. Für Block C und D soll Ende 2028 Schluss sein. Im Kraftwerk sind bereits in den vergangenen zwei Jahren zwei von sechs Blöcken mit je 500 Megawatt vom Stromnetz genommen worden. Sie befinden sich seitdem in einer vierjährigen Sicherheitsbereitschaft. Dann soll Schluss sein.

Die Kraftwerksblöcke in Sicherheitsbereitschaft dürfen nicht mehr regulär laufen. Sie sollen bereitstehen, wenn zum Beispiel bei extremen Witterungslagen die Stromproduktion nicht ausreichen sollte, um den Verbrauch zu decken. Die Abschaltung der Blöcke war im Energiewirtschaftsgesetz der Bundesregierung geplant. Demnach soll mit dem Ausstoß von weniger Kohlendioxid aufgrund der Abschaltung von Kraftwerkseinheiten die Erderwärmung verlangsamt werden. Gleichzeitig ist die Energiesicherheit im Notfall festgelegt.

Kraftwerk Boxberg geht ab 2029 vom Netz

Die ersten beiden Blöcke des sächsischen Kohlekraftwerks Boxberg gehen Ende 2029 vom Netz. Der Rest in Boxberg folgt Ende 2038. Das teilte die Bundesregierung am Donnerstag in Berlin mit. Die Betreiber von Kohlekraftwerken sollen für das vorzeitige Abschalten Milliardenentschädigungen ihrer Anlagen bekommen. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte am Donnerstag in Berlin, Betreiber westdeutscher Kraftwerke erhielten 2,6 Milliarden Euro, Betreiber von Anlagen im Osten 1,75 Milliarden.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zeigte sich zufrieden mit der Einigung zum Kohleausstieg. Bei dem Spitzentreffen im Kanzleramt habe man sich auf „etwas Vernünftiges geeinigt“, sagte Kretschmer am Donnerstagmorgen im MDR. Kretschmer hob hervor, dass sich die Bundesregierung klar dazu bekannt habe, das Anpassungsgeld für Kohle-Beschäftigte auf den Weg zu bringen, die ihren Job verlieren. „Eigentliches Ziel muss es aber sein, dass neue Arbeitsplätze entstehen“, sagte Kretschmer. Mit dem Anpassungsgeld können Betroffene die Zeit bis zum frühzeitigen Renteneintritt überbrücken.

Erster Block wird 2020 stillgelegt

Der erste Block eines Kohlekraftwerks soll nach der Einigung von Bund und Ländern bereits in diesem Jahr vom Netz gehen. Das kündigte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Donnerstag in Berlin an. Acht sehr alte und dreckige Blöcke würden schnell abgeschaltet, sagte sie. Alle acht werden von RWE im Rheinland betrieben, als erstes Abschaltdatum ist der 31.12.2020 genannt. „Der Kohleausstieg beginnt sofort, er ist verbindlich“, betonte Schulze. Wirtschaftsminister Peter Altmaier sprach von einer „guten Einigung für den Klimaschutz, die deutlich macht, dass wir es ernst meinen.“