Kind krank: Wann Eltern bei Grippe sofort Hilfe holen müssen - Cottbuser Ärzte erklären

Vor allem bei (Vor-)Schulkindern zwischen fünf und 14 Jahren sowie bei kleineren Kindern bis vier Jahre sind die Neuinfektionen Anfang 2026 wieder angestiegen, wie das RKI berichtet. Auf welche Hausmittel können Eltern setzen und wann sollte man zum Arzt oder in die Klinik fahren? (Symbolbild)
Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpaBei den aktuell frostigen Wintertemperaturen nimmt auch die Grippewelle in Deutschland wieder an Fahrt auf. Insbesondere Kinder stecken sich in Krippen, Kitas und Schulen an. Besorgte Eltern sind dann teilweise überfragt, wie lange sie ihren Nachwuchs noch mit Hausmitteln behandeln können, und wann es Zeit wird, einen Arzt oder gar die Klinik aufzusuchen. Oberarzt Lars Geerdts von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Medizinischen Universität Lausitz - Carl Thiem und sein Kollege Matthias Fehr, Chefarzt der Klinik für Akut- und Notfall und zugleich Leitender Oberarzt für die operierenden Fachbereiche, geben Auskunft.
Herr Geerdts, wie ist die aktuelle Grippeaktivität bei Kindern in Cottbus einzuschätzen? Ist die Welle höher als in den Vorjahren und welche Altersgruppen sind besonders betroffen?
Lars Geerdts: Gefühlt sind es deutlich mehr Vorstellungen als im Vorjahr. Das ist aber typisch: Meist folgt auf eine sehr fallreiche Influenza-Saison ein fallärmeres Jahr und umgekehrt. Betroffen sind alle Altersklassen – vorgestellt werden natürlich besonders vulnerable Gruppen wie Säuglinge. Aber auch Schulkinder sind zum Teil stark betroffen.
Grippe: Wie können Eltern ihre Kinder selbst behandeln?
Welche typischen Symptome und Verläufe beobachten Sie aktuell bei Kindern mit Influenza?
Geerdts: Hohes Fieber mit teilweise mehr als 40 Grad Celsius ist das Hauptsymptom. Dazu kommen Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Kopfschmerzen. Unproduktiver Reizhusten ohne Schleimauswurf und später produktiver Husten sehen wir bei etwa zwei Dritteln der Kinder. Das Fieber selbst besteht oft über drei bis sieben Tage. Die anderen Symptome, insbesondere Husten und Kurzatmigkeit, können auch über einen längeren Zeitraum bis zu zwei Wochen andauern.

Lars Geerdts ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Oberarzt in der Kinderklinik in Cottbus. Er beobachtet im Moment deutlich mehr Vorstellungen wegen Influenza als im Vorjahr.
L. FrankWie können Eltern zunächst selbst behandeln und welche Hausmittel helfen?
Geerdts: Ich empfehle körperliche Schonung. Zudem können fiebersenkende Mittel nach Bedarf eingenommen werden. Die Körpertemperatur muss jedoch nicht konstant im Normbereich gehalten werden. Andererseits kann man auch schon bei Temperaturen unter 38,5 Grad Celsius Medikamente geben, wenn etwa Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen vorliegen. Es konnte in Studien gezeigt werden, dass der Einsatz von fiebersenkenden Mitteln keinen Einfluss auf die Krankheitsdauer hat.
Bei Grippe dürfen Kinder auch mal ihr Lieblingsgetränk trinken
Wie wichtig ist ausreichend Flüssigkeit?
Geerdts: Reichlich trinken ist dringend notwendig – gestillte Babys werden weiter gestillt. Größere Kinder dürfen auch mal ihre Lieblingsgetränke zu sich nehmen. Vornehmlich dann, wenn das Kind wenig isst, sollte man darauf achten, dass es ausreichend Flüssigkeit bekommt. Neben Leitungswasser können auch gelegentlich verdünnte Fruchtsäfte angeboten werden, zum Beispiel Kirsch- oder Apfelsaft, gemischt mit Wasser im Verhältnis 1 : 3 oder 1 : 4. Essen ist zweitrangig und darf auch mal weniger sein. Omas Tipps helfen.
Wann sollten Eltern zum Arzt gehen?
Geerdts: Man sollte sein Kind vorstellen bei allen ungewöhnlichen Symptomen: Bei Krampfanfällen, deutlichen Einschränkungen der Bewusstseinslage, stärksten Kopfschmerzen ohne Besserung nach Gabe von Ibuprofen oder Paracetamol, unzureichender Flüssigkeitsaufnahme über einige Zeit, besonders bei jungen Säuglingen. Kinder unter drei Monaten mit hohem Fieber sollten immer ärztlich vorgestellt werden. Wenn man sein eigenes Kind nicht „wiedererkennt“ oder es ganz ungewöhnlich findet, sollte man auch über einen Arztbesuch nachdenken.
So ist die aktuelle Situation in der Notaufnahme der MUL-CT
Herr Fehr, wie wirkt sich die Grippewelle auf die Kapazitäten der Notaufnahme und Stationen an der MUL-CT?
Mathias Fehr: Nach den Weihnachtsfeiertagen zeigte sich ein deutlicher Anstieg an Influenza-Fällen, wobei sowohl die Notaufnahme- als auch die Stationskapazitäten zunehmend belastet worden sind. Um den Anstieg der Fallzahlen zu bewältigen, wurde eine reine Infektionsstation für die Behandlung der entsprechenden Patienten eingerichtet. Momentan verzeichnen wir aber wieder einen leichten Rückgang der Zahlen.

