Von Peggy Kompalla

Sand ist ausreichend da. Strandkörbe und Liegestühle stehen bereit. Obwohl es darin an diesem 12. April niemand ohne die dazu gereichten Decken aushalten würde. Jetzt kommt noch das Wasser dazu. Um 20.36 Uhr öffnet sich die Schleuse am Einlaufbauwerk Lakoma und das Wasser aus der Spree fließt in den einstigen Tagebau Cottbus-Nord. In den nächsten Jahren verwandelt er sich in den Ostsee.

Mit einer Wasserfläche von 19 Quadratkilometern und einer Uferlinie von 23 Kilometern wird er einmal Deutschlands größter künstlicher See werden. Und die Stadt Cottbus verwandelt sich von einer Bergbau- in eine Seestadt - inklusive eines neuen Hafenquartiers, das in den nächsten Jahrzehnten entstehen wird. Für die 100 000-Einwohner-Stadt ist es das große Zukunftsprojekt.

Das sieht auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) so: „Die Flutung zeigt, dass die Region Zukunft hat.“ Der Ostsee biete allen Grund zu Optimismus, obwohl er sich das einst, als er im Jahr 1993 das erste mal von den Plänen erfuhr dies kaum habe vorstellen können. Der Landesvater lobt, dass der Bund sein Wort gehalten und das Sofortprogramm auf den Weg gebracht habe, woraus unter anderem Radwege für den Ostsee finanziert würden.

Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) erklärt angesichts des historischen Ereignisses: „Heute ist ein großartiger Tag.“ Der Ostsee sei ein Werk vieler Gleichgesinnter, die durchaus auch unterschiedlicher Meinung sein dürften. Für Cottbus sei der Ostsee Stadtentwicklung, an dem die Kompetenzen einer Energieregion verbunden werden könnten, wie etwa im CO2-freien Hafenquartier. Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU) ist der Ostsee ein Schritt für einen erfolgreichen Strukturwandel. Gleichzeitig setzt er auf weiter auf den Wachstumskern im Energiesektor Lausitz - von Schwarze Pumpe bis Boxberg.

Gut drei Jahre nach dem Ende der Kohleförderung in dem Tagebau unterstreicht der Vorstandschef des Bergbauunternehmens Leag, Helmar Rendez: „Am Cottbuser Ostsee zeigt sich, dass die Leag ihr Geschäft des Bergbaus einschließlich der dazugehörigen Rekultivierung beherrscht.“ Alle für den See notwendigen Vorbereitungen seien im vorgegebenen Zeitrahmen und veranschlagten Budget umgesetzt worden. „Mit Mut und Kreativität wird es in Cottbus gelingen, den See mit der Stadt zu verbinden. Wir als Leag werden dazu unseren Beitrag leisten.“

Dafür bekommt der Vorstandschef am Freitagabend auch ein gewichtiges Exemplar des Planfeststellungsbeschlusses von Angelika Seidemann vom Landesbergamt überreicht. Das 600 Seiten dicke Papier ist die offizielle Genehmigung für die Flutung des Ostsees. „Sie dürfen den Hahn aufdrehen“, verkündet sie. In einem vier Jahre dauernden Prozess seien mehr als

300 Stellungnahmen und Einwendungen bearbeitet worden und mit dem Landesamt für Umwelt Einvernehmen hergestellt worden. Das geht aber auch mit 156 Nebenbestimmungen festgeschrieben. Das sind Auflagen für die Leag. Das Prozedere bringt aber auch Kritik auf den Plan. René Schuster vom Umweltverband Grüne Liga stellt fest: „Den Planfeststellungsbeschluss bis zum Tag der Flutung nicht zu veröffentlichen, dürfte ein einmaliger Vorgang sein.“ Dies lässt aus seiner Sicht nur einen Schluss zu: Kritische Kommentare sollen verhindert werden, um das Zeremoniell nicht zu stören.

Hubert Mader aus dem benachbarten Willmersdorf hat diesem Tag entgegengefiebert: „Das ist ein großer Schritt. Wir haben Jahrzehnte lang mit dem Tagebau gelebt, jetzt bekommen wir hier ein großes Kleinod. Das macht uns sehr zufrieden.“ Gleichzeitig müssten nun aber Projekte rund um den See entstehen. Damit die Lust am See weiter wächst, verteilt er an dem Abend an die Besucher kleine Tüten. Sie sind quasi die Erstausstattung für den Ostsee: Badelatschen und Quietscheente mit Rettungsring. Der Cottbuser Ostseesportverein, die Stadt Cottbus und die Leag lassen grüßen. Und laden indirekt zum Anbaden in fünf bis sieben Jahren ein.

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