Neulich erzählte mir eine Lehrerin, sie kriege manchmal sogar noch nachts um zwei Uhr Mails von Schülern. Die wollen dann wissen, wie diese oder jene Aufgabe geht. Oder sie kapieren etwas nicht. Oder sie wollen mitteilen, dass sie die Aufgabe gelöst haben. Natürlich antwortet die Lehrerin dann. Der Vorteil des Digitalen ist ja, dass die Drähte zueinander sind kurz sind, wenn man die richtige Verbindung hat. Und jeder ist erreichbar.

Wenn die Schulen Anfang Mai wieder öffnen, werden diese Lehrerin und ihre Kollegen mit dem späten Chatten aufhören müssen. Dann müssen sie wieder morgens um 7.50 Uhr vor der Klasse stehen und brauchen die Nacht davor zum Schlafen.

Corona bringt die Ordnung von Tag und Nacht durcheinander, verwischt die Grenze zwischen Arbeit und Leben. Für Lehrer bedeutet die Covid-19-Pandemie, dass ihr Arbeitsplatz geschlossen ist – und sie die Arbeit mit nach Hause nehmen. Und die Klassen gleich dazu. Das können aber nur die, die besser dran sind, weil ihre Schulen ordentlich digital ausgestattet sind. Und dann sagt das Bildungsministerium in Potsdam auch noch den Lehrerpreis ab. Die Auszeichnung für besonders engagierte Pädagogen fällt in diesem Jahr wegen der Pandemie aus.

Für viele Schulen und Lehrer bedeutete die Schließung Mitte Mai Digitalisierung über Nacht. Aber die ist in der Fläche eher Anspruch als Realität. Wie digital das Corona-bedingte Homeschooling tatsächlich läuft, kann nur vermutet werden.

Lehrmittel in Corona-Zeiten: meist Bücher und Arbeitshefte

In Thüringen gibt es dazu erste Ergebnisse. Bildungsforscher der Universitäten Erfurt und Jena haben dafür eine Umfrage unter 1200 Thüringer Lehrern gemacht. Die ersten Ergebnisse sagen über den Stand der Digitalisierung nichts Gutes aus.

Denn die meisten Thüringer Lehrer arbeiten in der Distanzbetreuung vorwiegend mit klassischen Arbeitsmitteln. Bücher und Arbeitshefte nutzen machen drei Viertel des Unterrichts aus.

Dazu kommen höchstens „digitale Standardmittel“, also Dokumente im PDF-Format und Mailverkehr. Die Mehrheit der Lehrer zieht demnach die Mittel vor, mit denen sie schon vor den Schulschließungen gearbeitet haben. Digitale Lernspiele, elektronische Tests und LernApps nutzt kaum jeder fünfte Thüringer Lehrer. Mit einer Schulcloud hatten nur 18 Prozent der Befragten je zu tun.

Grundsätzlich abgeneigt ist man indes nicht. Ein großer Teil sei bereit, neue digitale Werkzeuge auszuprobieren, ergab die Ende März bis Anfang April durchgeführte Online-Befragung. Manche Lehrer fühlen sich durch Corona stärker zeitlich gefordert und belastet. Das sagen vor allen jene, denen die nötige Technik fehlt.

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