Der Englisch-Unterricht ist mir der liebste. Darauf freue ich mich immer wie ein Kind. Schule soll Spaß machen, auch wenn sie zu Hause stattfindet. Meine Englisch-Stunde bietet den drei Schülerinnen viele Leckereien: Schokoladenkuchen mit Schlagsahne und einer Kirsche drauf. Apfelsaft und Zitronenlimo. Wir spielen den Restaurant-Dialog mit vielen Fantasiespeisen, die die Mädchen übersetzen und bestellen müssen. Das machen sie gut. Ich finde, da geht noch mehr. Wir sollen Dialoge üben. Great, let’s go!

Reden wir über den Brexit. Vielleicht haben die Kinder eine Idee, was der soll. Premier Boris Johnson, auch ein spannendes Thema. Was bedeutet es für Europa, dass er wegen seiner Corona-Infektion neuerdings vom Sofa aus regiert? Englisch ist eine feine Fähigkeit, es öffnet einem neue Welten. Bei mir waren das die Naturfilme der BBC, wo Sir David Attenborough mit seinen fast 90 Jahren im Sand liegt und mit einem Chamäleon spricht. Über die Queen könnten wir reden, das wäre ein schöner Dialog. Ich würde erzählen, wie gern ich mal auf eine ihrer Gartenpartys eingeladen sein möchte und dass ich dereinst froh sein werde, wenn ich mit 73 so aussehe wie diese famose Frau mit 93.

Tipp von der Grundschullehrerin: Ruhe bewahren

Ich könnte Anekdoten zum Besten geben. Die Briten erzählen gerne Wartime-Stories - Kriegsgeschichten. Ich habe auch welche auf Lager: Zum Beispiel die von dem Taxifahrer auf dem Weg zur Burg von Dover, der mir sagte: „Ihr Deutschen habt uns nie erobert.“ Ich sagte: „Doch, Sir, die Angeln und Sachsen, die haben es geschafft - ich bin übrigens aus Sachsen.“

Verschweigen würde ich auch nicht, wie ich in einer Pension am Ärmelkanal vor einem Full English Breakfast kapitulierte. Und wie sehr ich die Briten für den Witz bewundere, mit dem in den 30er Jahren ihre Nazis einfach ausgelacht haben. Wir Deutschen hatten vor unseren Angst, mit bekanntem Resultat.

Eine fabelhafte Englisch-Stunde könnte man so verbringen. Aber wir sind in der Grundschule. Die Mädchen sind zehn Jahre alt. Eltern im Homeschooling sollten nicht zu viel erwarten, raten Lehrkräfte vom Fach. „Ruhe bewahren und nicht verzweifeln“, das empfiehlt Carola Elsner. Die Frau hat lange Erfahrung, sie leitet seit 27 Jahren die Grundschule Sonnewalde. „Grundschüler brauchen kleine Schritte, man muss kleine Päckchen packen.“

Also zurück ins Restaurant. Wir üben Essen, Zahlen und Fragen. Würstchen mit Kartoffelbrei und und Karamelleis mit Keksen zum Preis von 43,12 Euro. Jacques Chirac soll gesagt haben: „Das einzige, was die Briten zur europäischen Esskultur beigetragen haben, ist der Rinderwahn.“ Schöner Satz. Übersetzen wir das nächste Mal.

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