Fürst Pückler in Cottbus: Intimer Einblick in geheime Genusswelt von Schloss Branitz

Einen besonderen Blick hinter die Kulissen von Schloss Branitz in Cottbus durften LR-Leser beim dritten Termin des neuen Formats LR Inside werfen. Stefan Körner führte sie über geheime Kellergänge in die Hofhaltung und Küche des legendären Fürsten Hermann von Pückler-Muskau.
Solveig Schneider- Exklusive Führung in Schloss Branitz: LR-Leser sehen sonst verborgene Kellerräume.
- Dr. Stefan Körner zeigt Küche, Hofhaltung und Weinkeller – inkl. Silberkammer und Vorräte.
- Pücklers Küche galt als regional und gesund; geliefert wurden auch Ketchup, Chutneys, Worcestersoße.
- Ananas als Star der Tafel, teils aus eigenen Gewächshäusern, als Geschenk an Prinzessinnen.
- Pückler-Eis stammt laut Körner vom Hofkoch Jungius, das Dinné war eine inszenierte Abendgesellschaft.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Zur Begrüßung gibt es ein Glas Schaumwein. „Nehmen Sie erst einmal einen guten Schluck“, sagt Dr. Stefan Körner, Vorstand der Stiftung Fürst-Pückler, und hebt sein Glas. Fürst Hermann von Pückler soll davon reichlich getrunken haben – am liebsten aus Bouzy, einer berühmten Lage in der Champagne. Rund 20 Leser der Lausitzer Rundschau dürfen bei diesem exklusiven Schlossbesuch teilnehmen. Sie stoßen an und tauchen ein in die Welt eines Mannes, der aus einem ehemals trostlosen Fleck in der Lausitz ein Gesamtkunstwerk schuf.
Für das Format LR inside öffnet Kunsthistoriker Stefan Körner nicht nur Türen zu sonst verschlossenen Räumen, sondern erzählt auch Anekdoten und wenig bekannte Details aus dem Leben des Fürsten.
„Als Pückler im Jahr 1845 im Alter von 61 Jahren von Bad Muskau nach Branitz zurückkehrte, hatte er eigentlich gar keine Lust, hier noch einmal bei Null anzufangen“, sagt Körner. Damals habe es hier neben dem baufälligen Schloss kaum mehr gegeben als einen Misthaufen, zwei Stallgebäude und das Dorf Branitz.
Dass der Fürst dennoch blieb, sei vor allem seiner Frau Lucie zu verdanken. „Sie sagte: ‚Mein lieber Pückler, wir müssen hier noch einmal neu anfangen‘“, zitiert Körner Pücklers „Schnucke“ und spannt den Bogen bis in die Gegenwart. So wie Pückler einst aus einer kargen Landschaft ein Gesamtkunstwerk der Gartenkunst erschuf, entstehen heute aus ehemaligen Tagebauen Seen. „Ich finde das eine spektakuläre Fortsetzung des Wandels.“
Exklusiver Blick in die Gewölbekeller von Schloss Branitz
Dann führt Stefan Körner die LR-Leser dorthin, wo Besucher sonst nicht hinkommen: in die Gewölbekeller unter dem Schloss. „Hier unten war alles, was man für die Haus- und Hofhaltung brauchte“, erzählt er. In den kühlen Räumen befanden sich die Küche und die Bereiche der Dienerschaft. Auch der große Weinkeller lag hier, ebenso die Silberkammer.
Hier wirkte auch Pücklers Köchin Madame Stauß. Der Fürst ließ für sie modernste Hausgeräte anschaffen: eine Kochmaschine aus Genf, eine Eismaschine aus Berlin und eine Bratmaschine aus London. Pückler selbst soll hier am Herd gestanden und Gerichte kreiert haben.
Über unterirdische Wege gehts in die Vorratsräume. Hier lagern das Tischsilber, edle Tischwäsche und Meißener Porzellan. Viel davon ist heute nicht mehr übrig. „Offenbar wurde das Geschirr am Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem Fenster geworfen, denn unsere Gärtner finden immer wieder Scherben mit dem berühmten Goldrand“, verrät Körner.
Kulinarisch war der Fürst seiner Zeit voraus. „Extrem gesund, extrem nachhaltig, extrem regional“, beschreibt Körner die Küche in Branitz. Deshalb war Pückler noch mit 70 Jahren so schlank. „Er achtete sehr auf seine Figur und aß viel Salat und grünes Gemüse“, so Körner.
Auf den Tisch kamen Fisch, Wild und Geflügel in ungewöhnlichen Kombinationen. Ketchup, eine Erfindung aus England, sowie Chutneys und Worcestersoße ließ sich Pückler eigens von einem Feinkosthändler aus London liefern.
An Pücklers Abendtafel wartet der eigentliche Star jeder Gesellschaft: eine kunstvoll drapierte Ananas. „Was heute in jedem Supermarkt liegt, war damals eine Rarität“, sagt Körner. Pückler bezog die exotische Frucht vom Delikatessenhändler Borchardt in der Nähe des Berliner Gendarmenmarkts, wo sich bis heute das gleichnamige Restaurant befindet. Später zog er Ananas sogar in den Branitzer Gewächshäusern und verschenkte sie an preußische Prinzessinnen sowie ausgewählte Damen der Cottbuser Gesellschaft.
Das abendliche Dinné in Schloss Branitz ist eine Inszenierung
Natürlich kommt Körner auch auf das berühmteste Produkt in Sachen Pückler zu sprechen, das bis heute mit seinem Namen verbunden wird: das Pückler-Eis. Doch Körner räumt mit einem Mythos auf. Nicht der Fürst selbst habe das Eis erfunden, sondern Ludwig Ferdinand Jungius, Hofkoch am preußischen Königshof. „Die drei Sorten entsprechen im Übrigen den damaligen Farben des Deutschen Reiches“, fügt Körner hinzu.
Das abendliche Dinné, das pünktlich um 21 Uhr stattfand, war für Pückler eine Inszenierung. Deshalb orientierte er sich an einer Regel des Philosophen Immanuel Kant: Eine Tischgesellschaft solle nie unter der Zahl der Grazien (drei) oder über der Zahl der Musen (neun) sein. Nur dann, so die Idee, könne jeder mitreden und die Unterhaltung lebendig bleiben.
Bei dieser besonderen Führung hinter den Kulissen von Schloss Branitz wird deutlich: Essen war für Pückler weit mehr als bloße Nahrungsaufnahme. „Vielleicht auch der schönste Genuss gegen die Langeweile eines in die Jahre gekommenen Fürsten“, fasst Körner zusammen.
Als die Gäste das Schloss wieder verlassen, bleibt nicht nur der feine Geschmack des Schaumweins, sondern auch das Bild eines Fürsten, der Landschaften und Menüs gestaltete – mit Liebe zum Detail und einer Prise Exzentrik. Sein kulinarisches Erbe in Branitz ist bis heute lebendig geblieben: Nur wenige Schritte vom Schloss entfernt trägt das Restaurant „Lou“ im Cavalierhaus seinen Spitznamen.







