Was heißt denn unabhängiger
Journalismus?

Öfter bekomme ich kritische Rückfragen: Wieso berichten Sie so viel über die CDU? Aber auch: Da sei zu viel SPD-Berichterstattung drin in der LR, zu viele Grüne kämen zu Wort, zu viele AfD-Positionen oder zu wenige Linke. Während des Bundestagswahlkampfs 2021 achten nicht nur Leserinnen und Leser auf Ausgewogenheit. Auch Verantwortliche der Parteien passen auf. Da bin ich bin froh, dass die kritischen Anfragen aus allen politischen Richtungen kommen. Denn nur, wenn wir es keinem recht machen, machen wir unsere Sache als Journalistinnen und Journalisten gut. So verstehe ich Unabhängigkeit.

Wie ernst nehmen Sie den Untertitel „unabhängige Tageszeitung“?

Das ist die Grundlage unserer Arbeit. Das Grundgesetz legt in Artikel fünf nicht nur fest, dass es keine Zensur gibt und dass die Pressefreiheit gewährleistet ist. Darin steckt eine Verpflichtung. Wir müssen staatsfern sein, dürfen also nicht Sprachrohr der Regierungen oder der kommunalen Verwaltungen sein. Da diese in der Regel von der einen oder der anderen Partei gestellt werden, kommt einseitige Berichterstattung für uns nicht infrage.
Während der Wahlkämpfe ist uns diese demokratische Aufgabe besonders wichtig. Denn wir bekommen dann besonders viele Angebote, doch mit dieser Politikerin oder jenem Kandidaten zu angeblich ganz exklusiven Themen zu sprechen. Das wollen wir nicht.

Wie sorgen Sie dafür, dass die Redaktion unabhängig bleibt?

Erst mal diskutieren wir viel und kontrovers über die besten Themen. Und wir geben uns beispielsweise redaktionelle Richtlinien für die Wahlkampf-Berichterstattung. Diese machen wir auch öffentlich. Darin heißt es nicht nur, dass wir stets unabhängig von Parteien und Interessenverbänden sowie überkonfessionell berichten. Sondern wir sagen auch nein danke, wenn sich Politiker bei uns selbst einladen wollen: Wir entscheiden selbst, welche Fragen wir wann und wem stellen – auch im Bundestagswahlkampf 2021. Und wir haben keine Lust, denjenigen Parteien noch extra Platz einzuräumen, die erkennbar die freiheitliche demokratische Grundordnung verachten oder sogar bekämpfen.
Was ich empfehle: wählen gehen! Und nun Werbung. Wählen Sie unsere Themenseite auf LR Online für den besten Überblick.

Vielen Dank fürs Mitmachen!

Seit Juni 2021 haben Leserinnen und Leser Fragen an die LR-Chefredaktion geschickt. Vielen Dank dafür! In zwölf Folgen hat Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer eine Auswahl der Antworten veröffentlicht. Die Folgen und Videos mit den Antworten finden Sie auf dieser Übersichtsseite.