Flugzeugabsturz in Cottbus 1975: So erinnern sich Zeitzeugen an die Katastrophe in der DDR

Das ikonische Foto zeigt das abgestürzte Jagdflugzeug im Wohnhaus in Cottbus. Bei dem Unglück am 14. Januar 1975 kamen sechs Bewohnerinnen des Ledigenwohnheims und der Pilot ums Leben.
BStU- Am 14. Januar 1975 stürzte eine MiG-21 in ein Wohnhaus in Cottbus, 7 Tote, 16 Verletzte.
- NVA-Pilot Peter Makowicka verweigerte den Befehl zum Ausstieg, um Menschen zu retten.
- Technischer Defekt führte zu Triebwerksausfall, Pilot lenkte Flugzeug über Wohnblock.
- Feuerwehr kämpfte gegen 800 Liter Kerosin-Brand, eine Bewohnerin überlebte in Wasserlache.
- Gedenktafel erinnert heute an die Heldentat und das Unglück.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Peter Makowicka wurde nur 33 Jahre alt. Der Major der Nationalen Volksarmee (NVA) verweigerte einen Befehl und rettete auf diese Weise viele Menschen in Cottbus. Trotzdem stürzte sein Militärflugzeug in ein Wohnhaus in Schmellwitz. Er und sechs Menschen starben, 16 weitere wurden schwer verletzt.
Die damalige Armeeführung und die Staatssicherheit waren in heller Aufregung, wollten den Vorfall so schnell wie möglich vergessen machen. Über Jahrzehnte blieben Details des Unglückstages unter Verschluss und damit auch die Heldentat von Peter Makowicka. 50 Jahre später erinnert direkt an der Absturzstelle eine Gedenktafel an die Ereignisse des 14. Januar 1975.
Was ging in den letzten Minuten im Kopf des Piloten vor? Die Antwort auf diese Frage können selbst die Kameraden des Jagdfliegergeschwaders 1, das damals in Cottbus auf dem Flugplatz stationiert ist, nur erahnen. Denn sie selbst haben solch eine Entscheidung nie treffen müssen. Dieter Meusel war im Jahr 1975 Leiter der Politabteilung. „Peter hätte sein Leben retten können. Er wollte es nicht zum Preis anderer Leben.“

NVA-Major Peter Makowicka. Er stürzte mit seinem Militärflugzeug am 14. Januar 1975 über Cottbus ab. Die MiG blieb im Wohnblock an der Schmellwitzer Straße stecken.
Sammlung Bernd LohseWürde jeder Pilot so entscheiden? Klaus Junker vermag das nicht zu sagen. Dabei war er damals selbst Pilot; Major Peter Makowicka sein direkter Vorgesetzter, wie er erzählt. Mako – wie ihn seine Kameraden auch heute noch nennen – sei einer der erfahrensten Piloten gewesen. Deshalb sei es auch er gewesen, der an dem Tag in die Maschine stieg. Es handelte sich um einen Werkstattflug. Das Triebwerk der MiG-21 SPS war zuvor überholt worden.
Deshalb fiel das Triebwerk direkt über Cottbus aus
Beim Flug lief alles gut – vermeintlich. Denn eine Wartungsklappe am Verdichter war nicht korrekt montiert. Vor dem Start hielt das Bauteil durch den Unterdruck. Danach verhinderte das eingefahrene Rad, dass die Klappe abfiel. Das änderte sich erst bei der Vorbereitung auf die Landung. Der Pilot drosselte das Triebwerk und fuhr das Fahrwerk aus. Die Klappe wurde abgesprengt. In der Folge fiel das Triebwerk aus. Das Militärflugzeug war mit einem Mal antriebslos – und das direkt über Cottbus.
Wollte der Pilot über dem Nordfriedhof aussteigen?
Klaus Junker: „Acht Kilometer vor der Bahn hat der Flugleiter den Befehl zum Katapultieren gegeben.“ Da befand sich die MiG-21 mit Peter Makowicka kurz vor dem Textilkombinat Cottbus (TKC), zahlreiche Wohnhäuser stehen dort, eine Schule und ein Kindergarten sind darunter. Die Maschine war mit 450 km/h unterwegs und verlor dramatisch an Höhe. Klaus Junker: „Meine Annahme ist, dass er sich über dem Nordfriedhof katapultieren wollte.“
Die Absturzstelle legt den Gedanken nahe, befindet sie sich doch nur 80 Meter neben den Mauern des weitläufigen Friedhofsgeländes. Peter Makowicka konnte seine Maschine im Januar 1975 gerade noch über einen Wohnblock lenken, dann krachte er mit seiner MiG direkt gegenüber in einen Fünfgeschosser. Das Flugzeug blieb in der zweiten Etage stecken.
Bis zur Landebahn waren es nur noch knapp zwei Kilometer. Seine Kameraden schätzen, dass Peter Makowicka zehn bis 15 Sekunden Zeit für seine Entscheidungen blieben. Klaus Junker: „Alle seine Handlungen hat er bewusst gefällt.“ Dazu gehörte auch die Verweigerung des Befehls. „Wenn die Energie weg ist, kann man nicht mehr viel machen.“ Immerhin trudele eine MiG beim Triebwerksausfall nicht. Trotzdem gleite der Deltaflügler nicht besonders gut. „Sondern er fällt in sich durch.“ Dazu macht Klaus Junker eine abrupte Bewegung mit seinem Arm nach unten.
Der Einschlag in dem Wohnhaus löste ein Inferno aus. Denn mit einem Mal entluden sich rund 800 Liter Kerosin. Der Treibstoff fing Feuer und brannte mit gut 1000 Grad Celsius. Feuerwehrmann Ulrich Börold erinnert sich: „Wie von einem Schweißbrenner, so fauchten die Flammen aus den Fenstern raus.“ Er und seine Kameraden von der Berufsfeuerwehr waren zu einem Wohnungsbrand gerufen worden. Sie kamen direkt aus dem Bildungszentrum, wo sie gerade Dienstsport absolvierten.
Die Cottbuser Feuerwehr wird zu einem Wohnungsbrand gerufen
Die Männer näherten sich dem Gebäude mit ihrem Angriffstrupp von der Rückseite. „Wir haben uns über die Intensität des Feuers gewundert“, erzählt Feuerwehrmann Börold. „Erst bei der Lageerkundung habe ich das Flugzeug vorn im Haus gesehen.“ Eine surreale Szene sei das gewesen. Doch die Männer mussten funktionieren.
Zu dem Zeitpunkt sei die Armee bereits vor Ort gewesen und habe sich um die schwer Verletzten gekümmert, genauso wie das DRK. So konnten sich die Feuerwehrleute um das Eindämmen der Flammen kümmern. „Ich habe die Hitze kaum ausgehalten“, erinnert sich Ulrich Börold. Die Retter trugen damals ausgediente Armeebekleidung. Den Brand bekämpften sie von der Vorder- und der Rückseite. Um die Flammen endlich zu ersticken, half nur viel Wasser und Schaum. Eine Bewohnerin überlebte das Unglück in einer Wasserlache, die sich in ihrer Wohnung gebildet hatte.

Feuerwehrmann Ulrich Börold steht vor der Gedenktafel an der Schmellwitzer Straße in Cottbus. Er war am 14. Januar 1975 im Einsatz und erinnert sich: „Das Feuer fauchte aus den Fenstern raus.“
Michael HelbigUlrich Börold musste mit Kameraden im Anschluss die Toten bergen. Das war nicht einfach. Die Bilder sind auch heute, nach 50 Jahren, lebendig. „Der Pilot hing kopfüber. Von einem anderen Leichnam war nur der Kopf übrig.“ Sechs Frauen starben mit Peter Makowicka an diesem 14. Januar 1975.
Dieter Meusel erinnert sich an seinen Kameraden. „Peter war ein hochgewachsener Familienvater und hatte in Cottbus eine zweite Heimat gefunden.“ Er sei ein lebensbejahender und lustiger Mann gewesen. Acht Tage vor dem Unglück feierte er seinen 33. Geburtstag.

Bernd Lohse und KIaus Junker (v.l.) erinnern an die Heldentat von Major Peter Makowicka. Aufgrund ihrer Initiative gibt es nun eine Gedenktafel an der Absturzstelle in Cottbus.
Michael HelbigDem frisch sanierten Plattenbau der GWC Gebäudewirtschaft Cottbus sind die dramatischen Szenen von damals nicht anzusehen. Eine Gedenktafel erzählt nun vom 14. Januar 1975.
Der Absturz des Militärflugzeugs war der Anfang vom Ende des Jagdfliegergeschwaders in Cottbus. Dieter Meusel: „Das Vertrauensverhältnis zwischen der Stadt und dem Flugplatz war gestört. Es herrschte Angst in der Stadt.“ Noch im selben Jahr beschloss der Nationale Verteidigungsrat der DDR den Ausbau des Flugplatzes Holzdorf, wohin das Jagdfliegergeschwader 1 im Jahr 1982 verlegt wurde.
Hinweis: Der Text erschien erstmalig am 17. Juli 2024. Aus aktuellem Anlass wurde er geprüft, aktualisiert und erneut veröffentlicht.


