(hil) In den vergangenen Wochen  sind in verschiedenen Cottbuser Stadtteilen Flugblätter der Plattform nebenan.de verteilt worden, einige Anwohner haben darauf mit Skepsis und Verunsicherung reagiert. Offenbar hat das Angebot von nebenan.de dennoch  großen Zuspruch gefunden.

Ina Remmers, Mitbegründerin der Internetplattform: „Wir haben rund eintausend Anmeldungen von Cottbusern bei uns verzeichnet.“ Die Anwohner nutzen den Service nach Remmers Angaben, um sich Tipps bei Alltagsproblemen zu holen, um Kontakte zu knüpfen oder Hilfe bei Reparaturen zu bekommen. „In Cottbus findet in der Nachbarschaft Brunschwieg bereits der vierte Nachbarschaftstreff statt. Katzensitter wurden gesucht oder Hilfe beim Anbringen von Lampen.“

Um Mitglied einer Nachbarschaft zu werden, müssen Nutzer Namen und Adresse angeben, im Netz sind, in lokal begrenztem Raum, dann der volle Name und die Straße des Nutzers sichtbar.

„Wir wollen den lokalen Zusammenhalt stärken und der zunehmenden Anonymität in der Gesellschaft entgegenwirken“ sagt Ina Remmers. In ganz Deutschland haben sich nach ihren Aussagen bereits 7000 Nachbarschaften auf nebenan.de vernetzt. Warnende Hinweise, etwa die der Verbraucherzentrale Hannover, kennt sie. „Leider hat die Verbraucherzentrale den Dialog mit uns noch nicht gesucht, wir würden Irritationen gern ausräumen.“

Bedenken der Polizei vor einer zu großzügigen Preisgabe von persönlichen Daten im Internet kann sie nachvollziehen. „Im Netz sollte man immer überlegen, was man preisgibt. Meine Urlaubsdaten sollte ich vielleicht wirklich nur in einem direkten Mailkontakt oder nach persönlichem Kennenlernen bekanntgeben.“ Dennoch rät sie zu einem Vertrauensvorschuss in Sachen Nachbarschaftspflege. „Es lohnt sich. Und auch die Polizei sagt: Wenn sich Nachbarn kennen, leben sie sicherer.“

Die Plattform nebenan.de wurde 2015 gegründet. Die GmbH wird von Investoren finanziert, die langfristig auf Einnahmen aus Werbung hoffen. Ina Remmers: „Seit einiger Zeit nehmen wir neben sozialen Organisationen auch Gewerbetreibende und Einzelhändler auf.“ Und die müssten dann für ihre Mitgliedschaft bezahlen.