Vor 81 Jahren wurden in der Pogromnacht zahlreiche jüdische Häuser und Wohnungen geplündert, die alte Synagoge an der heutigen Karl-Liebknecht-Straße in Cottbus ging in Flammen auf.

Rund 500 jüdische Menschen haben damals in der Stadt gelebt. „Ihr Schicksal dürfen wir niemals vergessen“, sagt Gudrun Beitschuh-Wiehe vom Cottbuser Aufbruch anlässlich einer Gedenkveranstaltung am Sonnabend vor der heutigen Synagoge. „Egal, was eine Partei heute auch behauptet: Das was damals passiert ist, war kein kleiner Fleck in der Deutschen Geschichte.“

Stolpersteine in Cottbus

Zahlreiche Cottbuser haben sich vor der Synagoge versammelt, um der Opfer der Pogrome in Cottbus zu gedenken. Ergriffen hören sie zu, als die Namen von 90 Menschen verlesen werden, an die heute mit Stolpersteinen im Stadtgebiet erinnert wird. Männer und Frauen jeden Alters, viele Kinder. Sie wurden vertrieben, interniert, ermordet.

Während der Lesung steht das geschäftige Leben auf der Cottbuser Sprem für zwei Stunden still. Die Polizei sorgt dafür, dass Lieferfahrzeuge und Paketdienste die Synagoge umfahren. Und auch die zahlreichen Passanten, die eigentlich nur ihre Einkäufe erledigen wollen, halten für einen Moment inne, lauschen der Verlesung der Namen und den getragenen Musikstücken vor der Synagoge.

Martina Münch und Ulrich Freese beim Gedenken

Zum Abschluss der Veranstaltung stimmen die Zuhörer, darunter Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD), der Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese (SPD) und zahlreiche Stadtverordnete von SPD, Bündnis 90/die Grünen und Linken, das traditionelle „Shalom Chaverim“ an. Übersetzt bedeutet es ungefähr: Bis wir uns wieder sehen, möge Friede mit euch sein.

Bereits am Freitag hatte die gemeinsam mit Vertretern der jüdischen Gemeinde der Opfer der Shoa gedacht. Am Gedenkstein für die alte Synagoge in der Karl-Liebknecht-Straße verneigte sich Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) an der Seite des Gemeinde-Vorsitzenden Gennadi Kushnir vor den Opfern.

Holger Kelch warnt vor dem Wegschauen

In seiner Gedenkrede sagte OB Holger Kelch: „Wir werden nicht vergessen. Und wir werden weiterhin zu unserer Verantwortung aus der Geschichte stehen. Das heißt, wir dürfen nicht wegschauen oder schweigen, wenn Menschen wegen Ihres Glaubens im Namen einer angeblichen Herrenrasse verfolgt, gedemütigt, vertrieben, ermordet werden.“

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch das Butterfly-Projekt gewürdigt, das an der Bewegten Grundschule seinen Ausgang genommen hat. Dort und an zahlreichen anderen Schulen im ganzen Bundesgebiet widmen sich die Schüler den im Holocaust umgekommenen 1,5 Millionen Kindern. Insgesamt haben sich 20 deutsche Schulen dem Projekt angeschlossen.