Er ist zwar fast 700 Gramm leichter als seine Geschwister, versucht das aber offenbar durch Schreien wettzumachen: Der kleine Luca schimpft auf dem Arm seiner Mutter Nicole Gotzner vor sich hin, während Bruder Mika und Schwester Neele friedlich auf der Terrasse schlummern.
„Er war auch bei der Geburt der leichteste und hing am längsten an der Ernährungssonde“, berichtet die 38-Jährige, während sie zwischendurch schnell einen Schluck Kaffee nimmt. Denn geregelte Mahlzeiten für sich und ihren Mann Heiko (55) – das ist vorbei, seit die Drillinge vor knapp vier Wochen in ihrem Haus eingezogen sind.
Denn während viele Eltern bereits bei einem Baby mit füttern, windeln und Haushalt überfordert sind, hat die Familie alles dreifach: Drei süße Babys, die aber auch alle drei gefüttert und gewindelt werden müssen und dreifach dreckige Wäsche produzieren.

Das Cottbuser Mini-Trio sorgt für wenig Eltern-Schlaf

„Wir versuchen zwar, nur alle vier Stunden zu füttern. Aber ehe alle drei fertig sind, dauert es eine bis eineinhalb Stunden, und dann ist nicht mehr so viel Zeit, bis der Erste wieder Hunger hat“, sagt Nicole Gotzner schmunzelnd und gibt zu: „Wir bekommen schon wenig Schlaf – und legen uns manchmal vormittags mit hin, wenn die Kinder schlafen.“ Denn das kleine Trio sei glücklicherweise relativ pflegeleicht und lieb: „Wenn einer schreit, wachen nicht alle auf, mindestens einer schläft weiter.“
Dass sie gleich drei Kinder erwarten, haben sie relativ früh erfahren. „Als ich in der sechsten Woche war, hat meine Frauenärztin mir gesagt, dass es nicht nur eins und auch nicht nur zwei Kinder werden“, erzählt die 38-Jährige. „Natürlich war ich erstmal leicht schockiert, aber die Freude darüber, dass es endlich geklappt hat, hat überwogen.“
Denn seit 15 Jahren ist sie mit Heiko zusammen, und da der Kinderwunsch nicht erfüllt wurde, schafften sie sich vor zwei Jahren Hündin Nala an. Diese beobachtet das bunte Treiben zu Hause nun genau – und bewacht auf ihrer Decke die drei Thiemis, die gelben Schnuffeltücher, die es für jedes Baby am Carl-Thiem-Klinikum (CTK) Cottbus gibt.

Das Cottbuser Mini-Trio kommt mit guten Werten für Frühchen zur Welt

Für das CTK war es die erste Drillingsgeburt seit 2015 – und nach Auskunft der Ärzte auch eine Bilderbuchgeburt. In der 32. Schwangerschaftswoche, relativ spät für Drillinge, wurden sie am 22. April per Kaiserschnitt im Minutentakt geboren. Neele zuerst, die mit 1750 Gramm die Schwerste, aber mit 39 Zentimetern die Kleinste war, danach Mika und Luca – mit 1420 Gramm der Leichteste und mit 41 Zentimetern der Längste. „Alle Werte waren für Frühchen in Ordnung.“
Wegen der Corona-Pandemie durfte der Drillingsvater, der bereits eine große Tochter hat, nicht in den Kreißsaal. „Aber kurz nach der Geburt haben mir die drei Schwesternteams das jeweilige Baby gezeigt.“ Auf die Namen hatten sie sich erst am Abend zuvor einigen können. „Da mein Mann Lehrer ist, blieben nicht so viele Namen übrig“, meint seine Frau grinsend.
Die winzigen Babys kamen in den Inkubator und wurden fünf Wochen lang auf der Frühchenstation versorgt. „Die Betreuung auf der K3-Station war ganz toll, wir durften trotz Corona sogar zusammen zu unseren Kindern. Denn wir mussten ja beispielsweise lernen, sie trotz der Kabel und Sonden zu wickeln.“

Für das Cottbuser Mini-Trio war winzige Kleidung in Corona-Zeit schwierig zu bekommen

Inzwischen, mit zwei Monaten, sind die Drillinge normal entwickelt und schon agiler. Sie wiegen mit rund 2950 Gramm (Neele und Mika) beziehungsweise 2260 Gramm (Luca) zwar immer noch weniger als ein Einling, und so winzige Kleidung zu bekommen, war gerade in Corona-Zeiten nicht so einfach. Doch bekamen sie über das Netzwerk Gesunde Kinder Sachen, die Ehrenamtler selbst schneiderten, und auch von Kollegen und Freunden.
Ansonsten sehe es mit Unterstützung behördlicherseits nicht so rosig aus. Nur weil sie es über eine Thüringer Bekannte mit Drillingen erfuhr, schrieb Nicole Gotzner an Ministerpräsident Dietmar Woidke und erhielt 500 Euro Starthilfe pro Kind.
Denn viele Anschaffungen standen an wie drei Auto-Kindersitze, drei Stühlchen oder drei Matratzen. Zudem sei im Frühjahr auch noch das Auto kaputt gegangen, weshalb sich die Familie gleich einen größeren Bus anschaffte. Schnell geheiratet wurde vor der Geburt auch noch.

Bekannte, Nachbarn und Freunde helfen dem Cottbuser Mini-Trio und seinen Eltern

Für die Gewährung einer Haushaltshilfe seien die Gehaltszettel zu hoch, berichtet das Ehepaar. Und Familienpaten, die das Netzwerk Gesunde Kinder vermittele, könnten momentan aufgrund der Corona-Situation nicht kommen. „Unsere Familien können leider auch nicht regelmäßig helfen, da mein Vater gesundheitlich eingeschränkt ist und Heikos Mutter bei Hannover lebt.“
Auf Bekannte, Nachbarn und Freunde können sie jedoch immer zählen. Kimi, die zwölfjährige Tochter einer Freundin, helfe fast täglich und sei für die Drillinge fast wie eine große Schwester.
Glücklicherweise war der Familienvater als Lehrer wegen der coronabedingten Schulschließungen viel zu Hause. Seinen Kollegen an der Theodor-Fontane-Schule ist er zudem sehr dankbar: für Tipps, für Babykleidung und auch das Übernehmen der ein oder anderen Aufsicht.
Je zwei Monate in diesem und im nächsten Jahr will er Elternzeit nehmen. Seine Frau, die als medizinische Fachangestellte arbeitet, will mit den Drillingen zwei Jahre zu Hause bleiben. Um das dreifache Glück auch richtig genießen zu können.

Drillinge und Geburten in Zahlen

Seit 2005 wurden im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum jedes Jahr zwischen 17 und 37 Zwillinge geboren. Drillinge gab es in diesen 15 Jahren allerdings nur zehnmal, das letzte Mal 2015. Im Jahr 2007 wurden sogar zweimal Drillinge im CTK geboren.
Im Jahr 2019 kamen im CTK insgesamt 1182 Babys zur Welt, davon 34 Zwillingspärchen. In diesem Jahr waren es bis zum 18. Juni 509 Babys, darunter zehnmal Zwillinge und einmal Drillinge. Im Vorjahreszeitraum waren es mit 526 Babys etwas mehr.
Im Land Brandenburg wurden 2018 dreimal Drillinge und 2019 fünfmal Drillinge geboren. Seit 1996 waren es nach Auskunft des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg jedes Jahr zwischen zwei und elf Drillingen im Bundesland. 2005, 2014 und 2017 gab es sogar Vierlinge. Insgesamt wurden 2019 in Brandenburg 19­ 329 Babys geboren. Das sind weniger als in den vergangenen drei Jahren – 2016 hatte es mit 20 934 Geburten ein Hoch gegeben – aber mehr als in den Jahren bis 2013.