„Mitten in der Nacht hat's unten geklappert. Ich bin aufgestanden und habe bemerkt, dass sich zwei Männer im Keller zu schaffen machen. Völlig verunsichert bin ich zurück in die Wohnung. Und dann fällt mir ein, dass ich sofort die Polizei rufen sollte.“ So schildert eine Cottbuserin die unliebsame Begegnung mit nächtlichen Einbrechern nach ein Uhr. „Die schleppten dann ein Rad weg, habe ich vom Balkon aus beobachten können.“ Der ganze Vorgang habe nicht einmal fünf Minuten gedauert. „Dann war schon alles vorbei“, sagt die Mieterin. Sie rätselt, ob die Täter nicht sogar einen Schlüssel für die Haustür hatten. Minuten später trifft die Polizei ein. Die Beamten leiten gleich die Suche ein und bleiben erfolglos.
Wenige Tage später dringen Unbekannte erneut in den gleichen Keller des Mehrfamilienhauses ein, um sich zu bedienen. Diesmal, in der Nacht zum 2. Januar, ziehen sie ohne Beute ab. Wieder bleibt die Frau stille Beobachterin. Die Schilderung der jungen Frau ist kein Einzelfall. Als sie gegenüber der Rundschau von ihren Erlebnissen berichtet, will sie über Bekannte von weiteren Einbrüchen in der Bautzener Straße, Lobedan Straße, Joliot-Curie-Straße und Ottilienstraße erfahren haben. Die Polizei hat dies bislang nicht bestätigt.

Was die Polizei in solchen Fälle rät

Dass die Frau nicht eingegriffen hat, lobt Polizeisprecher Maik Kettlitz. „Sofort die 110 anrufen“, rät er in solchen Fällen immer wieder als erste Handlung. Er warnt davor, sich den Dieben in den Weg stellen zu wollen. „Das birgt ungeahnte Gefahren in sich. Die Einbrecher könnten unkontrolliert reagieren und gewalttätig werden“, begründet Maik Kettlitz. Lieber im Hintergrund bleiben und beobachten.
„Je öfter und je detaillierter wir in Szene gesetzt werden, desto höher ist die Chance, dass wir die Diebe auf frischer Tat ertappen“, sagt der Sprecher. Er empfiehlt, sich Details zu notieren: auffällige Kleidung, besondere Merkmale der Räder zum Beispiel. So könne die Polizei gezielt auf die Suche gehen. Oder sogar mehrere Einbrüche den gleichen Tätern oder der gleichen Gruppe zuordnen.

Worauf es Diebe besonders abgesehen haben

Im Jahr 2021 ist die Zahl der Fahrraddiebstähle in Cottbus zurückgegangen. 793 Fälle auf 100.000 Einwohner weist die Statistik aus. Deutschlands Spitzenreiter ist Leipzig mit 1375 gewesen. Dieser Rückgang ist nun vorbei. „Der Trend kehrt sich wieder um“, sagt Maik Kettlitz. Die offizielle Polizeistatistik für das Jahr 2022 stehe zwar noch aus, aber so viel sei schon gesagt: Besonders haben es die Diebe auf hochwertige Fahrräder und ganz besonders auf E-Bikes abgesehen. Und es gäbe nach Informationen der Polizei keine Wohngebiete in der Stadt, die stärker als andere betroffen seien.
Die Räder würden in Polen oder in anderen Ländern Osteuropas verkauft. Nicht selten würden Banden dahinter stecken. Ein zweiter Schwerpunkt sei die Drogenszene in der Stadt. Menschen aus diesem Milieu würden hochwertige Räder stehlen, um sie zu verticken. Mit dem Geld finanzieren sie ihre Drogensucht.
Bei Dieben stehen Elektroräder hoch im Kurs. Die Polizei rät dazu, den Akku getrennt vom Fahrrad aufzubewahren, denn dieser ist besonders teuer.
Bei Dieben stehen Elektroräder hoch im Kurs. Die Polizei rät dazu, den Akku getrennt vom Fahrrad aufzubewahren, denn dieser ist besonders teuer.
© Foto: Stefan Sauer/dpa
Was hilft? „Es den Dieben so schwer wie möglich zu machen und das Rad gut zu sichern“, so der Sprecher. Vor allem die hochwertigen Bikes. Steht das E-Bike im Keller, sollte der Akku ausgebaut und mit in die Wohnung genommen werden. Ein Akku zählt zu den teuersten Teilen am E-Bike. Er kostet je nach Fabrikat mehrere Hundert oder sogar 1000 Euro.

Wie man ein Rad im Keller zusätzlich sichern kann

Maik Kettlitz hat weitere Tipps: Jeder Widerstand, also abgeschlossene Haus- und Kellertüren sowie Kellerverschläge, behindern Diebe bei ihren Absichten. Nicht zuletzt sollte das Bike im Keller mit einem guten Schloss an einen festen Gegenstand angeschlossen werden, eventuell sogar mehrfach.
Wird in diesem Fall das Bike gestohlen, bleibt dem Geschädigten ein Trostpflaster: Die Versicherung erstattet den Schaden. Dafür sollten die Rahmennummer, ein Foto und ein Kaufbeleg bereitgehalten werden.
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Für leistungsstarke S-Pedelecs wird eine Kfz-Versicherung nötig

Wird das Fahrrad gestohlen, zahlt die Hausratversicherung. Ein Rad gehört genauso wie Stühle und Vasen zum Hausrat. Allerdings gibt es nur Geld, wenn das Fahrrad aus einem geschlossenen Raum (Wohnung, Keller, Garage) entwendet wurde. Viele Räder werden im Freien entwendet. Deshalb bieten Gesellschaften zusätzliche Versicherungsbausteine an.
Bei einem teuren E-Bike ist eine Versicherung empfehlenswert. Ist das E-Bike ein Pedelec und nicht schneller als 25 km/h, zählt es als Fahrrad und kann über den Fahrrad-Schutz der Hausrat abgesichert werden.
Handelt es sich um ein leistungsstärkeres S-Pedelec mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 km/h, wird eine Kfz-Versicherung benötigt.