Irgendwie klingt ihre Geschichte selbst wie ein Märchen. Es waren einmal – so fangen ja alle guten Märchen an – drei Studenten der Cottbuser BTU, die wollten eigentlich nur die von ihnen entwickelte Software für Online-Shops testen. Jetzt hätten sie sich auch Partner in der Wirtschaft dafür suchen können. Die drei Studenten entschieden sich aber für einen anderen Weg. Sie gründeten einen eigenen Online-Shop für diesen Testzweck und beschlossen, zu vertreiben, was sie selbst mochten: Fan-Artikel für das Tolkien-Werk Herr der Ringe.

Der Elbenwald ist auf der Fantasy-Landkarte im Jahr 2000 erschienen. Aus einem Cottbuser Hinterhof gehen die ersten Pakete in die Republik. Ein Jahr bevor Peter Jackson den ersten Teil seiner furiosen Trilogie um die Abenteuer von Hobbit Frodo und seine neun Gefährten in die Kinos bringt, startet der Elbenwald zum perfekten Zeitpunkt. Und nun beginnt die märchenhafte Geschichte der Cottbuser Gründung erst richtig. Aus den drei BTU-Studenten Dirk Wiedenhaupt, Alexander Lapeta und Dirk Geppert sind Geschäftsführer eines deutschlandweit bekannten Unternehmens geworden. Der Elbenwald ist eine echte Größe im europäischen Fantasy-Versandhandel. Zum Herrn der Ringe kamen Themen wie Harry Potter, die Star-Wars-Filme, zahlreiche TV-Serien wie Game of Thrones oder Big Bang Theory. Der Stoff geht dem Elbenwald nicht aus.

Sechs Jahre nach der Firmengründung machte der Elbenwald den ersten Schritt aus der Online-Welt. Auf Burg Bilstein im Sauerland veranstalteten die Cottbuser ein viertägiges Fan-Event mit Seminaren, Lesungen, Workshops und Live-Musik. Die Veranstaltung wird bis 2012 jährlich weitergeführt und liefert Erkenntnisse für ein weitaus ambitioniertes Vorhaben.

Der Elbenwald wird real

Doch zuvor gingen die Macher des Elbenwaldes noch einen weiteren überraschenden Schritt. Während viele Einzelhändler ihre Geschäfte in das Internet verlagerten, eröffneten die Cottbuser ihren ersten echten Laden. Zwar nicht in der Lausitz, aber immerhin im nahen Berlin. Seit dem Jahr 2010 gibt es im dortigen Einkaufszentrum Alexa einen Elbenwald-Shop. Vor Kurzem ist dieser übrigens ins Erdgeschoss umgezogen und dabei gleich noch um einige Quadratmeter Verkaufsfläche gewachsen. Das Laden-Konzept funktionierte anscheinend so gut, dass rasch weitere Geschäfte folgen. 2014 wird die Eröffnung des zehnten Ladens gefeiert – in Augsburg. Der 20. Laden eröffnet zwei Jahre später in Kiel. Auch in Österreich und der Schweiz können Fantasy-Fans in Elbenwald-Shops bummeln. Nur in ihrer Heimatstadt zögern die Elbenwald-Macher diesen Schritt lange hinaus. Ist die Stadt groß genug? Ist das Angebot zu speziell für Cottbus? Im Jahr 2017 wird der Versuch gewagt und die Fans sind begeistert. In der Spremberger Straße eröffnet der Elbenwald-Store und die Einkaufsstraße ist bevölkert von verkleideten Gryffindor-Schülern, Jede-Rittern und andere Film-Gestalten. Mehrere Hundert Fans verstopfen zeitweise die Sprem und stehen stundenlang an, um in den Laden zu kommen. Mittlerweile gibt es 36 Ladengeschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz und der Elbenwald hat insgesamt mehr als 300 Mitarbeiter.

Bildergalerie Eröffnung Fantasy Laden Elbenwald in Cottbus I

Elbenwald gibt es auch als Festival

Im Jahr 2018 gibt es dann die nächste Überraschung. Elbenwald kündigt ein Festival an, dass eine Mischung aus Fan-Convention und Musik-Festival sein soll. Zur Premiere kommen knapp 5000 Fans auf das Festival-Gelände in der Lüneburger Heide und sehen Hollywood-Schauspieler wie Tom Felton (spielt Draco Malfoy in Harry Potter) oder Kristian Nairn (der Hodor aus Game of Thrones). Nach einem zweiten Festival-Jahr im Norden kündigte Elbenwald im Sommer 2019 an, mit seinem Event in den Cottbuser Spreeauenpark zu ziehen. Nach neuesten Mitteilungen sind für das Fantasy-Spektakel in der Lausitz die ersten 1000 Karten verkauft. Auf der Bühne sollen dann unter anderem die Mittelalter-Rocker von Subway to Sally stehen. Die märchenhafte Geschichte des Elbenwaldes ist also längst nicht zu Ende erzählt.

Alle bereits erschienen Beiträge zur Serie „Cottbus zum Angeben“ finden Sie hier.