Die Männer kraxeln eine Leiter am Giebel des Kavalierhauses hinauf. Das historische Gebäude gehört zum Schlossensemble im Branitzer Park. Die Bauklempner bringen ganz behutsam goldene Lettern an den Giebel an. Dort steht nun wieder Cavalier-Haus. Mit einem Punkt hintendran. So ist es historisch verbrieft, versichert Matthias Rindt. Er ist in der Stiftung Park und Schloss Branitz für Restaurierungen verantwortlich. Die Sanierung der Fassade des neogotischen Baudenkmals ist so gut wie abgeschlossen. Es fehlt nur noch eine Figur. Drinnen laufen die Arbeiten derweil auf Hochtouren. Zum Jahreswechsel übernimmt Tim Sillack die Regie im Cavalierhaus – wie das Restaurant heißt.

Junger Küchenmeister übernimmt die Regie

Der junge Koch und Küchenmeister will den Parkbesuchern künftig einen modernen Mittagstisch und ein gehobenes Kaffee-Angebot bieten. Für den Abend soll sich das Cavalierhaus als feines Restaurant etablieren. Für Tim Sillack stimmen die Zutaten in Branitz: die Kombination aus Restaurant, Pension und historischem Ort. „Wir können hier vom Frühstück bis zum Fünf-Gänge-Menü alles anbieten.“ Im Obergeschoss werden gerade die drei Pensionszimmer mit Parkblick hergerichtet.

Einen Namen hat sich der junge Geschäftsmann längst mit dem „Kleinen Cavalier“ gemacht. Auf dem Hof der Gutsökonomie versorgt er mit seinem Team seit dieser Park-Saison die Besucher mit einem feinen Imbiss-Angebot. „Wir haben mehr Stammgäste als erwartet“, erzählt Tim Sillack strahlend. „Die kommen auch an unter der Woche bei blödem Wetter.“ Tatsächlich kuscheln sich am Mittwochvormittag mehrere Besucher in die roten Decken am Kiosk, sie wärmen ihre Hände an den warmen Kaffeetassen und genießen den ersten echten Herbsttag.

Schriftzug ist historisch verbrieft

Die Saison sei sehr gut gelaufen, sagt Tim Sillack. Der goldene Herbst habe noch eins draufgelegt. An manchen Tagen sei sein Team in der Vier-mal-vier-Meter-Küche des „Kleinen Cavaliers“ an ihre Grenzen gekommen, so groß war der Andrang. Der Kiosk bleibt bis Ende des Jahres im Dienst. Wenn das Cavalierhaus am 1. April 2020 öffnet, wird auch der „Kleine Cavalier“ wieder seine Arbeit aufnehmen.

Matthias Rindt steht vor der leuchtenden Fassade des Kavalierhauses. Zufrieden streift sein Blick über den Giebel und bleibt an den goldenen Lettern hängen. Die sind ein neuer Anblick für die Cottbuser. „Der Schriftzug ist so befundet worden“, versichert er. Es gibt eine Fotografie aus dem Jahr 1910 und einen Brief von Fürst Pückler an seinen Sekretär aus dem Jahr 1858. Darin schreibt der Schlossherr: „Du weißt das ich das Wort Cavalierhaus am Giebel unter die drei gekuppelten Fenster, oder zwischen die zwei Eingänge nach dem Garten zu setzen lassen will. Besprich Dich mit Oppel wie hoch nach der Beschaffenheit des vorhandenen Raumes die Buchstaben seyn sollen.“ Baumeister Oppel hat sich damals für den Giebel entschieden. Genau dort prangen die goldenen Buchstaben nun wieder.

Athene bekommt goldenen Helm und blauen Umhang

Jens-Uwe Möbert hat sie vergoldet. Auf den Restaurator der Stiftung wartet noch eine wichtige Aufgabe. Denn an dem Giebel klafft noch eine Lücke unter dem Kometen. „Dort fehlt noch die Athene.“ Die Figur hat Bildhauer Wilfried Galler bereits gegossen. Die Farbe wird ihr Restaurator Möbert verpassen: „Helm und Schild werden vergoldet, der Umhang wird ultramarin. Ich bin schon froh, dass ich das machen kann.“ An der anderen Giebelseite steht bereits Maria mit dem Kind unter dem goldenen Kreuz. Möbert verrät: „Das Kavalierhaus ist wie eine Kapelle gestaltet.“ Unter der Maria-Figur hängt ein rundes Relief. Matthias Rindt ergänzt: „Dort hing ursprünglich eine Uhr.“

1,6 Millionen Euro kommen vom Land Brandenburg

Die Sanierung des neogotischen Baus im Tudorstil wird vom Land Brandenburg mit 1,6 Millionen Euro unterstützt. Die Arbeiten hatten im Januar begonnen. Neben der Fassade wird das gesamte Innenleben auf Vordermann gebracht – Wasser, Abwasser, Elektroanlagen, Heizung und Klimaanlage sowie die Küchenausstattung.

Innen ist das Kavalierhaus noch eine Baustelle. Tim Sillack steht in der Küche, die aus kaum mehr als vier Wänden besteht. Vor seinem Auge ist schon alles eingerichtet und er richtet die Teller an. Am 1. April ist es soweit, um 11.30 Uhr.

Bildergalerie Rundgang durchs Branitzer Kavalierhaus

Restaurant, Café und Pension Neue Farbe und neuer Pächter

Cottbus