Bahn in Berlin
: Zugausfall wegen Glätte – so rüstet sich die BVG für den Winter

Weiche eingefroren, Schiene vereist, Zugausfall: Eine besondere Vorbereitung soll für einen reibungslosen Betrieb von U-Bahnen und Straßenbahnen in Berlin bei Schnee und Frost sorgen.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Schnee liegt am Mittwoch auf den Gleisen der Straßenbahnhaltestelle Berlin-Prenzlauer Berg. Damit sie im Winter nicht einfrieren, müssen unter anderem Weichen beheizt werden.

Auch im Dezember 2024 fiel in Berlin schon Schnee: Damit sie im Winter nicht einfrieren, müssen Bahn-Unternehmen einige Anstrengungen unternehmen.

dpa/Arno Burgi
  • Berlin rüstet sich für den Winter, um Zugausfälle zu vermeiden.
  • BVG bereitet Weichenheizungen und Stromschienen-Schmierzug vor.
  • 632 Straßenbahnweichen und 309 U-Bahn-Weichen mit Heizungen ausgestattet.
  • Neue U-Bahn-Wagen ab 2025, Störmeldungen in Echtzeit bereits in Bussen verfügbar.
  • Ziel: Zuverlässigkeit von 99 Prozent erreichen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Viele Berliner und Brandenburger kennen es noch leidvoll, besonders vom S-Bahn-Chaos. Der Zugverkehr gerät regelmäßig im Winter aus dem Takt, es kommt unter anderem zu Schienenbrüchen und Türproblemen. Doch wenn es in Berlin richtig kalt wird und zu Frost und Glätte kommt, sind selbst U-Bahn-Strecken der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) betroffen.

„Um sicherzustellen, dass Fahrgäste auch bei winterlichen Bedingungen zuverlässig ans Ziel kommen, laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren“, heißt es von Deutschlands größtem Nahverkehrsunternehmen. Bevor die Temperaturen in den Minusbereich fallen und glatte Straßen drohen, werde hinter den Kulissen intensiv geplant, überprüft und geschmiert.

ÖPNV in Berlin – 632 Weichenanlagen bei der Straßenbahn

Ein entscheidender Faktor für eine reibungslose BVG-Fahrt bei Eis und Schnee seien dabei die Weichen im Straßenbahn- und U-Bahn-Netz. Bei der Straßenbahn gibt es 632 Weichenanlagen. Auf der Hochbahn, also den oberirdischen Abschnitten der U-Bahn, kommen noch einmal 309 weitere Weichen dazu.

„Um ihre Funktionalität bei Frost zu gewährleisten, sind die meisten Weichen mit Heizungen ausgestattet, die regelmäßig überprüft werden“, erklärt die BVG. Bei der Straßenbahn seien es rund 500 Heizungen, die wetterabhängig gesteuert würden. Seit Anfang November seien sie im automatischen Wintermodus aktiv, sodass sie bei bestimmten Temperaturen selbstständig anspringen.

Doch die beste Weichenheizung kann überfordert sein, wenn durch Räumfahrzeuge dicke Eisbrocken in die Weichen geschoben werden. In solchen Fällen müssen die Spezialkräfte der BVG ausrücken, um sie manuell wieder gängig zu machen.

„Dies erfordert eine sorgfältige Planung und Berücksichtigung in den Dienstplänen“, heißt es von der BVG. Zudem werde bereits vor Beginn der Frostperiode sichergestellt, dass in den Stellwerken und Bahnhöfen der U-Bahn alle notwendigen Räumutensilien vollständig und intakt sind.

Bahn in Berlin – BVG schmiert die Stromschienen

Dazu setzt die BVG einen sogenannten Stromschienen-Schmierzug ein. Der Spezialzug spielt eine entscheidende Rolle bei Schneefall und Eisregen, insbesondere auf den älteren Linien U1 bis U3, bei denen die Kontaktfläche der Stromschienen auf der Oberseite liegt und somit dem Wetter ausgesetzt ist. Mit speziellen Bürsten, Tau- und Schmierstoffen soll der orangerote Zug dafür sorgen, dass der Kontakt zwischen Stromschiene und Stromabnehmer störungsfrei funktioniert.

Im Gegensatz dazu benötigen die unterirdische U4 sowie die Großprofillinien U5 bis U9 diesen Zug nicht, da hier die Stromschiene von unten „bestrichen“ wird – ein Verfahren, das verhindert, dass Schnee und Eis sich ablagern.

Mit diesem Spezialzug schmiert die BVG in Berlin die Schienen der U-Bahnlinien auf der Hochbahn gegen Frost und Glätte.

Mit diesem Spezialzug schmiert die BVG in Berlin die Schienen der U-Bahnlinien auf der Hochbahn gegen Frost und Glätte.

BVG

So können Fahrgäste nun hoffen, dass die Frostschutz-Maßnahmen wirklich greifen. Denn ausgedünnte Takte, überfüllte Wagen und Zugausfälle gehörten auch ohne Wintereinbruch in den vergangenen Monaten in Berlin fast schon zur Normalität.

Schuld sind unter anderem chronischer Personalmangel und Verzögerungen bei der Lieferung neuer Züge, die auch noch im neuen Jahr für Probleme sorgen werden. Am vergangenen Freitag stellte das Unternehmen ein „Maßnahmenpaket für mehr Verlässlichkeit und Stabilität“ in den nächsten Jahren vor.

Der Lieferplan für die neue U-Bahngeneration, der ab 2025 Entlastung bei der Fahrzeugflotte verspricht, liege inzwischen vor, hieß es. Von Frühjahr bis Sommer sollen demnach 18 weitere Wagen der schmaleren Baureihe JK für die Linien U1 bis U4 als Test- und Schulungsfahrzeuge geliefert werden. Im September 2025 beginnt dann die Serienlieferung und zeitgleich auch der Einsatz der ersten Wagen im Fahrgastbetrieb, voraussichtlich auf der U2 und U3.

Bis Ende 2025 sollen im Idealfall schon 140 neue Wagen im Einsatz für die Fahrgäste sein. Am 12. Dezember hatte der BVG-Aufsichtsrat dazu den Weg freigemacht, um 108 weitere Wagen für die Linien U5 bis U9 bei Stadtler zu bestellen. Bis der Fuhrpark vollständig beziehungsweise modernisiert ist, wird es allerdings noch Jahre dauern.

Störmeldungen bei der BVG in Echtzeit

Die Fahrgäste sollen aber auch schon kurzfristig von Verbesserungen im Bereich der Fahrgastinformation profitieren, betont das Verkehrsunternehmen. Seit Dezember gibt es in allen Bussen bereits Störmeldungen und Umsteigeverbindungen in Echtzeit. 2025 sollen diese Informationen auch im U-Bahn-Bereich und ab 2026 bei der Straßenbahn zur Verfügung stehen. Das erklärte Ziel des gesamten Maßnahmenpakets ist laut BVG, Schritt für Schritt wieder Zuverlässigkeitswerte von 99 Prozent zu erreichen.

Momentan hat sich die Situation jedoch, zum Teil auch durch veränderte und ausgedünnte Takte, augenscheinlich aber wieder etwas entspannt. So kann es durchaus sein, dass die Berliner und Brandenburger bei Minusgraden, wenn die Autoscheiben eingefroren sind und das Fahrradfahren zur Herausforderung wird, auch in diesem Jahr vermehrt auf die BVG setzen.

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