Allwetterreifen im Winter: Neue Regeln ab 2024 – was gilt und wer betroffen ist
Der erste Schneefall samt Glatteis sind überstanden und sogleich folgt der zweite Schreck für alle Autofahrer, die mit Ganzjahresreifen unterwegs sind: Ab 2024 greift eine Neuregelung, die es in sich hat. Die Frage, wer wann mit welchen Reifen noch unterwegs sein darf, verunsichert viele Autofahrer. Jan Hanke vom Reifenservice Kolkwitz bei Cottbus klärt auf.
„Wir haben unheimlich viele Anfragen dazu“, bestätigt der Geschäftsführer. Für Experten kommt die Neuregelung nicht überraschend. Das Gesetz gibt es bereits seit 2017, im nächsten Jahr läuft jedoch die Übergangsfrist für die vor 2018 produzierten Reifen aus. Dann dürfen nur noch Ganzjahresreifen im Winter gefahren werden, wenn sie ein Alpin-Symbol (Schneeflocke mit drei Bergspitzen) tragen.
Wie groß die Zahl der betroffenen Autofahrer ist, ist schwer einschätzbar. Reifenhändler und ADAC gehen von einem überschaubaren Kreis aus. Doch die Verunsicherung bei allen Autofahrern ist groß. Die Allwetterreifen, die künftig nicht mehr zugelassen sind, tragen nur ein M+S-Symbol (für Matsch und Schnee) oder ein Piktogramm, auf dem Schneeflocke, Sonne, Regen zu sehen sind.
Achtung: Alte Reifen sind noch immer im Umlauf
„Reifen mit M+S-Kennzeichnung werden zwar bereits seit einiger Zeit nicht mehr verkauft, es kann jedoch vorkommen, dass diese noch am Fahrzeug montiert werden, wenn es sich um alte Reifen mit dieser Kennzeichnung handelt und diese noch im Umlauf sind“, sagt Alexander Schnaars vom ADAC. Auch wer in der Vergangenheit ein besonders günstiges Schnäppchen beim Allwetterreifen-Kauf gemacht hat, sollte misstrauisch werden und zur Sicherheit einen Blick auf die Kennzeichnung werfen.
Denn wer mit den falschen Reifen bei Schnee und Matsch unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro. „Kommt es zu einem Unfall und hat man bei winterlichen Straßenverhältnissen nicht entsprechende Reifen aufgezogen, können wegen grober Fahrlässigkeit die Leistungen in der Kaskoversicherung gekürzt werden“, warnt Alexander Schnaars.
Selbst bei einem unverschuldeten Unfall könne es zu Problemen mit der gegnerischen Kfz-Haftpflicht kommen, weil man sich – je nach Einzelfall – ein Mitverschulden anrechnen lassen muss. Etwas Zeit zum Umrüsten bleibt den Betroffenen, denn die Neuregelung gilt erst ab der nächsten Wintersaison 2024/25 – also erst ab Oktober 2024.
Der Trend zu Ganzjahresreifen hat in den vergangenen Jahren vor allem in Regionen zugenommen, in denen es selten schneit. Das ist auch in der Lausitz der Fall. Von insgesamt 46,3 Millionen 2022 verkauften Reifen in Deutschland sind 12,5 Millionen Allwetterreifen. Nach Angaben des Bundesverbandes für Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) ist jedoch der große Boom mit zweistelligen Zuwachsraten bei Ganzjahresreifen vorbei. „Hier macht sich ein gewisser Sättigungseffekt bemerkbar“, betont Michael Schwämmlein, BRV-Technik-Geschäftsführer.
ATU in Cottbus: Nach Wintereinbruch mehr Nachfrage
Die Nachfrage nach Allwetterreifen habe auch in der ATU Filiale in Cottbus in den letzten Jahren deutlich zugenommen, wie Pressesprecher Markus Meißner informiert. „Nach dem jüngsten Wintereinbruch verkaufen wir hier aktuell aber wieder mehr Winterreifen als Ganzjahresreifen“, räumt er ein.
Was ist der Unterschied zwischen den Reifen? „Das Alpine-Symbol wird seit 2018 ausschließlich zur Kennzeichnung von Winter- und Ganzjahresreifen genutzt. Nur Reifen mit diesem Symbol gelten als Winterreifen. Sie unterliegen einem höheren Qualitätsanspruch und müssen bei einem Bremstest auf Schnee Mindestqualitäten erfüllen“, sagt Markus Meißner.
In Deutschland gibt es keine generelle, sondern eine situative Winterreifenpflicht. Laut StVO darf man bei winterlichen Straßenverhältnissen wie bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte nur mit Winterreifen fahren. Die bekannte O-bis-O-Faustformel (von Oktober bis Ostern) ist laut ADAC ein grober Hinweis, habe rechtlich jedoch keine Relevanz. Wer keinen wintergeeigneten Reifen auf seinem Auto montiert hat, muss das Fahrzeug stehen lassen.
„Ganzjahresreifen sind immer ein Kompromiss“, sagt Jan Hanke. Mit der Performance der Saisonspezialisten könnten sie nicht mithalten. Sinnvoll sind sie für Klein- und Kompaktwagen mit relativ geringer Motorisierung und niedrigen Kilometerlaufleistungen im Jahr. Wer viel fährt, zu jeder Zeit auf sein Fahrzeug angewiesen ist oder es beispielsweise auch für die Reise in den Urlaub nutzt, sollte Sommer- und Winterreifen nutzen.



